Donnerstag, 18. Juli 2024
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Medizin

Erhöhtes Risiko für Arrhythmien durch medizinisches Cannabis bei chronischem Schmerz

Erhöhtes Risiko für Arrhythmien durch medizinisches Cannabis bei chronischem Schmerz
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Bei Patient:innen mit chronischen Schmerzen ist die Anwendung von medizinischem Cannabis mit einem erhöhten Risiko für neu einsetzende Arrhythmien assoziiert, speziell innerhalb von 180 Tagen nach Behandlungsbeginn, so die Ergebnisse einer Registerstudie aus Dänemark (1).

Cannabis: THC und CBD haben über Endocannabinoid-System auch Auswirkungen auf das Herz

Zwei der wichtigsten aktiven Substanzen in Cannabis, Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), wirken über verschiedene Rezeptoren auf unser körpereigenes Endocannabinoid-System ein, mit Effekten unter anderem auf das Herz. Bei Freizeitnutzenden von Cannabis berichteten Studien zuvor von erhöhtem Herzschlag, Bluthochdruck und gesteigertem Sauerstoffverbrauch im Herz.

Studie untersucht kardiovaskuläre Nebenwirkungen beim Einsatz von medizinischem Cannabis

Mittlerweile ermöglichen viele Länder die begleitende Behandlung chronischer Schmerzen mit medizinischem Cannabis. Die Sicherheit dieser Anwendung ist jedoch, speziell bei unterschiedlichen Patientengruppen und mit Blick auf das Herz-Kreislauf-System, nicht klar. Die vorliegende Studie ermittelte nun die Häufigkeit kardiovaskulärer Nebenwirkungen beim Einsatz von medizinischem Cannabis. Die Studie basierte auf einem landesweiten Patientenregister in Dänemark und umfasste Patient:innen mit chronischen Schmerzen, die zum ersten Mal eine Behandlung mit medizinischem Cannabis zwischen 2018 und 2021 begannen, sowie Kontrollpersonen mit vergleichbarem Alter, Geschlecht, Schmerzdiagnose und begleitender Behandlung anderer Schmerzmedikation ohne Cannabis. Die Autor:innen ermittelten die absoluten Risiken einer neu auftretenden Arrhythmie und eines akuten Koronarsyndroms mit und ohne Einnahme von medizinischem Cannabis.
 
 

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Erhöhtes Risiko für neu auftretende Arrhythmie durch medizinisches Cannabis

Die Studie umfasste 1,88 Millionen Patient:innen mit chronischen Schmerzen, von denen etwa die Hälfte mit dem Muskel- und Skelettsystem in Zusammenhang standen (46%), 11% waren krebsbedingt, 13% wurden neurologischen Erkrankungen zugeschrieben und 30% hatten keine näher spezifizierte Ursache. Insgesamt 5.391 Patient:innen (63,2% Frauen, durchschnittliches Alter 59 Jahre) ließen sich medizinisches Cannabis verschreiben und wurden hier mit 26.941 Kontroll-Patient:innen ohne Cannabis-Nutzung verglichen. Eine Arrhythmie trat innerhalb von 180 Tagen bei 42 Personen mit medizinischem Cannabis und bei 107 Kontrollpersonen auf. Damit war die Anwendung von medizinischem Cannabis mit einem erhöhten Risiko für neu auftretende Arrhythmie innerhalb von 180 Tagen assoziiert.

Absolutes Risiko für neue Arrhythmie über 180 Tage:
  • Cannabis-Anwendung: 0,8% (95% Konfidenzintervall, KI: 0,6% – 1,1%)
  • Kontrolle: 0,4% (95% KI: 0,3% – 0,5%)
  • Risikoverhältnis: 2,07 (95% KI: 1,34 – 2,80)
  • 1-Jahres-Risikoverhältnis: 1,36 (95% KI: 1,00 – 1,73)
Es zeigte sich hingegen keine signifikante Assoziation für ein akutes Koronarsyndrom (180-Tage-Risikoverhältnis: 1,20; 95% KI: 0,35 – 2,04).

Kardiovaskuläre Effekte von medizinischem Cannabis sollten bei der Verordnung bedacht werden

Bei Patient:innen mit chronischen Schmerzen ist demnach die Anwendung von medizinischem Cannabis mit einem erhöhten Risiko für neu einsetzende Arrhythmien assoziiert, speziell innerhalb von 180 Tagen nach Behandlungsbeginn. Die Autor:innen plädieren, auch mit Hinblick auf die bislang unzureichenden Hinweise auf Wirksamkeit, bei Patient:innen mit entsprechenden Risikofaktoren mögliche kardiovaskuläre Effekte von medizinischem Cannabis zur Behandlung von chronischem Schmerz zu bedenken.

Quelle: DGP

Literatur:

(1) Holt A. et al. Cannabis for chronic pain: cardiovascular safety in a nationwide Danish study. Eur Heart J. 2024, abrufbar unter: https://academic.oup.com/eurheartj/article/45/6/475/7500071?login=false, Letzter Zugriff: 08.022024.



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