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Medizin
21. Juli 2021
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©Jenny Sturm / Fotolia.de

Exzessive Tagesschläfrigkeit (EDS): Diagnose, Folgen und Therapien

Guter Schlaf ist essenziell für unsere Gesundheit. Er dient der physischen und psychischen Erholung gleichermaßen wie der Stärkung des Hormonhaushaltes bzw. Immunsystems und des Abbaus toxischer Stoffwechselprodukte des Gehirns. Doch es gibt einiges, das einem erholsamen Schlaf im Wege stehen kann. Welche Arten von Schlafstörungen es gibt, wie man ihnen auf die Spur kommen kann und welche therapeutischen Maßnahmen ergriffen werden können, um wacher durch den Alltag zu gehen, erläuterten die Experten Prof. Dr. med. Ingo Fietze, Berlin, Prof. Dr. med. Thomas Penzel, Berlin, und die Patientin mit Obstruktiver Schlafapnoe (Obstructive Sleep Apnea, OSA) Nurulhude Bakici anschaulich während eines virtuellen Rundgangs in einem Schlaflabor. Im Fokus standen dabei die Diagnose und Therapie der Exzessiven Tagesschläfrigkeit (Excessive Daytime Sleepiness, EDS), ein Symptom, das insbesondere bei Patienten mit OSA sowie Narkolepsie auftritt.
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Signifikante Verbesserung der Wachheit

Mit Solriamfetol (Sunosi®) steht seit Mai 2020 die derzeit einzige zugelassene Therapieoption für Erwachsene OSA-Patienten mit residualer EDS (residual Excessive Daytime Sleepiness, rEDS) zur Verfügung. Das nun grundsätzlich erstattungsfähige Arzneimittel kann die Wachheit signifikant verbessern und die EDS reduzieren. Voraussetzung für die Therapie mit Solriamfetol bei einer OSA ist, dass die EDS durch die primäre Therapie der OSA, beispielsweise durch kontinuierlichen positiven Atemwegsdruck (Continuous Positive Airway Pressure, CPAP), nicht ausreichend behandelt werden konnte. Darüber hinaus ist es für die Therapie der EDS bei Patienten mit Narkolepsie (mit oder ohne Kataplexie) zugelassen und erstattungsfähig.
 

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Narkolepsie und obstruktive Schlafapnoe: Solriamfetol verbessert Exzessive Tagesschläfrigkeit

Erschienen am 22.09.2020Mit Solriamfetol (Sunosi®) ist seit Mai 2020 ein neues Medikament zur Verbesserung der Wachheit und Reduzierung der Exzessiven Tagesschläfrigkeit (Excessive Daytime...

Erschienen am 22.09.2020Mit Solriamfetol (Sunosi®) ist seit Mai 2020 ein neues Medikament zur Verbesserung der...

Starke Beeinträchtigung der Lebensqualität

Das Gefühl unausgeschlafen zu sein, hat nach einer kurzen Nacht wohl jeder schon einmal erlebt. Doch es gibt Menschen, die dieses Gefühl gar nicht mehr loswerden, da sie unter einer Schlafstörung leiden. Insomnie, Hypersomnie und Parasomnie sind ursächlich, wenn sich der Körper und das Gehirn während der Nacht nicht adäquat erholen bzw. entgiften können, zeigte Fietze auf. Die Folgen können, gerade wenn der nicht-erholsame Schlaf über Jahre anhält, mit Auswirkungen u.a. auf das Herz-Kreislauf-System gravierend sein. Nicht zu unterschätzen sind jedoch auch die psychische Belastung und die Beeinträchtigung der Lebensqualität. „Ich bin während des Mittagessens bei Tisch oder auch im Kino während des Films eingeschlafen“, berichtete Bakici. Um der Ursache ihrer Exzessiven Tagesschläfrigkeit auf die Spur zu kommen, wurde sie in ein Schlaflabor überwiesen. „Das war eine große Überwindung für mich, es hat sich am Ende aber ausgezahlt“, erklärte die Patientin.

Obstruktive Schlafapnoe als Ursache einer EDS

2 Nächte verbrachte sie im Schlaflabor und wurde an unterschiedliche Geräte angeschlossen. Aufgezeichnet und später ausgewertet wurden u.a. kardiale Parameter, die Atmung, der Sauerstoffgehalt im Blut, Bewegungen sowohl der Augen als auch der Extremitäten, Schlafgeräusche sowie die Lageposition. Der Polysomnographie-Befund gibt einen sehr genauen Aufschluss über die zugrundeliegenden Ursachen, erklärte Penzel. Bei Frau Bakici wurde eine Obstruktive Schlafapnoe diagnostiziert. Ein Verschluss der oberen Atemwege durch einen Weichteilkollaps im Schlaf versetzt den Körper in ständige Alarmbereitschaft, wodurch die einzelnen Schlafphasen nicht regelgerecht ablaufen können. Als Therapie der Wahl gilt der kontinuierliche positive Atemwegsdruck (1). Durch einen Überdruck werden die Atemwege offengehalten mit dem Ziel, sowohl die subjektiven OSA-Symptome als auch das kardiovaskuläre Risiko zu reduzieren (2). Einen Schwerpunkt bildet dabei die Behandlung der EDS. Sie ist gekennzeichnet durch ein überwältigendes und unüberwindbares tägliches Schlafbedürfnis, welches sich in einer erhöhten Einschlafneigung bis hin zu unkontrollierbaren Einschlafattacken in unpassenden Situationen äußert (3). Neben einer klinischen Anamnese führen standardisierte Fragebögen, Testungen der Tagesschläfrigkeit und Vigilanz, Systeme zur tragbaren Schlafaufzeichnung sowie eine kardiorespiratorische Polysomnographie die Experten auf die richtige Spur. Denn trotz Primärtherapie leiden etwa 10% der Betroffenen weiterhin an EDS. In diesen Fällen spricht man von einer residualen, also trotz Therapie bestehenden EDS (4).

Neue Therapieoption für Patienten mit residualer EDS

Die Ursachen einer weiterhin bestehenden Exzessiven Tagesschläfrigkeit sind breit gefächert. Neben einem suffizienten Schlafsyndrom oder einer komorbiden Depression können auch eine Hyperthyreose, sedierende Effekte der Begleitmedikation, mangelnde Adhärenz, eine REM-dominante Schlafapnoe, Abbruch der Überdrucktherapie in der ersten Nachthälfte oder schlafmedizinische Komorbiditäten wie das Restless-Legs-Syndrom eine Rolle spielen (4-7). Die Krankheitslast ist hoch, da die Lebensqualität durch die reduzierte Energie und die bedrückten Emotionen deutlich eingeschränkt wird. Zudem steigt das Risiko für Verkehrsunfälle durch Einschlafen am Steuer bei OSA um ein 8-faches, unterstrich Fietze (8).
Solriamfetol steht die bisher einzige zugelassene Therapieoption zur Behandlung von rEDS bei Erwachsenen mit OSA zur Verfügung. Der duale Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (Dopamine and Norepinephrine-reuptake Inhibitor, DNRI) zeigte bei OSA-Patienten eine schnelle und über 9 Stunden anhaltende Verbesserung der Schlaflatenz (9). Nach 12 Wochen Behandlung besserte sich die Schlaflatenz sowohl objektiv als auch subjektiv. Zudem blieb die Wirkung der medikamentösen Intervention im Vergleich zu Placebo bis zu 6 Monate nach Anwendung erhalten.

Quelle: Jazz Pharmaceuticals

Literatur:

(1) Stuck, BA et al. Somnologie 2020; 24:176-208.
(2) Daley, J und Schwab, R Cambridge University Press 2013; 5:256-263.
(3) Sateia, MJ et al. Chest 2014; 146(5):387-1394.
(4) Fietze, I et al. Somnologie 2021
(5) Vandeputte, M und De Weerd, Sleep Med 2003; 343-345.
(6) Koutsourelakis, I et al. Eur Respir 2009; J34:687-693.
(7) International classification of sleep disorders Diagnostic and coding manual. American Academy of Sleep Medicine 2014, Westchester.
(8) Manuel, A et al., Medicine 2016; 44:336-341.
(9) Schweitzer, PK et al. Am J Respir Crit Care Med 2019; 199:1421-1431.


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