Montag, 8. August 2022
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Medizin

Gerontologie- und Geriatrie-Kongress im Zeichen von Resilienz und Vulnerabilität

Gerontologie- und Geriatrie-Kongress im Zeichen von Resilienz und Vulnerabilität
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Der Countdown läuft: Bis zum Gemeinschaftskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) sind es nur noch wenige Wochen. Unter dem Motto „Altern im Spannungsfeld von Resilienz und Vulnerabilität“ wird die mit Spannung erwartete Veranstaltung vom 12. bis 15. September auf dem Westend-Campus der Goethe-Universität Frankfurt am Main stattfinden. Erwartet werden rund 800 Teilnehmende. Neben Prof. Andreas Simm von der DGGG hat Prof. Rainer Wirth (DGG) die Präsidentschaft für diesen Kongress inne. Im gemeinsamen Interview verraten die beiden jetzt, mit welchen Programmhöhepunkten der erste Präsenz-Doppelkongress seit 4 Jahren aufwartet und wer die 10 hochkarätigen Keynote-Speaker sind, auf deren Vorträge sich die Teilnehmenden freuen können.

Herr Professor Wirth, warum lohnt trotz möglicher Corona-Nachwehen die Reise zum Kongress nach Frankfurt am Main?

Prof. Wirth: Es ist allerhöchste Zeit, dass wir uns wieder persönlich treffen und austauschen. 4 Jahre sind seit dem letzten Gemeinschaftskongress in Präsenz vergangen, seitdem ist viel passiert. Unser 4-tägiges Programm bildet den aktuellen Forschungsstand aus Geriatrie und Gerontologie ab, den Medizinerinnen und Mediziner kennen müssen. Und das Wissen gibt es nur live in Frankfurt – die parallele Ausspielung der Inhalte auf einer digitalen Plattform ist unglaublich kostenintensiv und für uns nicht zu stemmen. Und klar sind noch viele Kolleginnen und Kollegen vorsichtig, was das Reisen in Corona-Zeiten angeht. Wir sehen aber die Resonanz anderer Medizinkongresse in diesem Jahr und die zeigen eindeutig: die Menschen wollen sich wieder sehen.
 
 

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Was nun alle brennend interessiert: Welche Keynote-Speaker konnten Sie für den Kongress in Frankfurt verpflichten?

Prof. Wirth: In diesem Jahr haben wir insgesamt 10 Keynote-Speaker gewinnen können – mehr als jemals zuvor. Von Seiten der DGG wird Professor Andreas Wiedemann aus Witten berichten, was Geriaterinnen und Geriater von der Urologie wissen müssen. Aus Zürich wird uns Professorin Heike Bischoff-Ferrari besuchen, um uns Gero-Science für die Prävention von Vulnerabilität noch näher zu bringen. Professor Geert Mayer aus Schwalmstadt in Nordhessen wird uns zeigen, wie der Schlaf Quelle von Resilienz und Krankheit sein kann. Aus London wird Dr. Jugdeep Dhesi zu Gast sein, die über den sehr umfassenden Bereich der perioperativen Medizin inklusive der Prähabilitation für ältere Menschen referieren wird. Aus Singapur kommt Dr. Andrea Maier angereist, die darüber spricht, welche Schlüsselrolle der Resilienz für das gesunde Altern in der Zukunft zukommt.

Herr Professor Simm, welche namhaften Keynote-Speaker werden die gerontologischen Themenschwerpunkte besetzen?

Prof. Simm: Wir freuen uns sehr, dass wir in diesem Jahr insgesamt nicht nur renommierte, sondern auch viele international tätige Expert:innen gewinnen konnten. Professorin Daniela Jopp aus Lausanne wird über die Vulnerabilität und Resilienz in sehr hohem Alter sprechen. Kulturelle gerontologische Perspektiven zu Resilienz und Vulnerabilität werden uns von Professorin Ulla Kriebernegg aus Graz dargestellt. Aus Barcelona wird uns Professor Feliciano Villar besuchen, um über die soziale Inklusion von Menschen mit Demenz zu referieren. Dr. Joris Deelen aus Köln wird uns mitnehmen auf eine spannende Reise durch seine aktuellen Erkenntnisse zur Charakterisierung genetischer Varianten im Zusammenhang mit der Langlebigkeit des Menschen. Die kürzeste Anreise hat Dr. Oliver Tüscher aus Mainz. Er wird über die Resilienz im Alter berichten und eine Brücke schlagen von der Neurobiologie bis zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Und welcher Festredner wird den DGGG/DGG-Gemeinschaftskongress in diesem Jahr eröffnen?

Prof. Simm: Es ist eine Festrednerin. Wir freuen uns wirklich sehr, dass wir dafür Judith Campisi gewinnen konnten. Sie ist eine renommierte amerikanische Alternsforscherin. Als Professorin für Biogerontologie arbeitet sie am Buck Institute for Research on Aging nördlich von San Francisco. Ich bin schon sehr gespannt auf ihren Vortrag am ersten Kongress-Abend, in dem sie zu unserem Kongress-Motto Resilienz und Vulnerabilität einen Bogen von der Grundlagenforschung bis hin zur praktischen Anwendung spannen wird.

Wie sieht das Programm konkret aus – auf welche Symposien freuen Sie sich besonders?

Prof. Simm: Wir haben an allen Kongress-Tagen ein enges Programm, das von insgesamt rund 350 Referent:innen gestaltet wird. Geplant sind derzeit 103 wissenschaftliche Symposien sowie 87 Posterpräsentationen. Einzelne Beiträge herauszuheben, fällt mir schwer. Ich denke aber, dass für jeden mehr als genügend spannende Themen dabei sind. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Gremien-Sitzungen unserer Gesellschaften. Wir laden alle ein, sich insbesondere an den Treffen der einzelnen Sektionen und Arbeitsgruppen zu beteiligen, um sich hier mit wissenschaftlicher Expertise einzubringen.
 
 

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Welches Niveau haben die eingereichten Abstracts und Poster?

Prof. Simm: Eingereicht worden sind insgesamt 400 Abstracts, die uns mit ihrer durchgängig sehr hohen Qualität überzeugt haben. Auf die Posterpräsentationen bin ich besonders gespannt – auch hier ist uns die durchweg hohe Qualität der Arbeiten aufgefallen. Mit den Postern hat insbesondere der wissenschaftliche Nachwuchs die Möglichkeit, auf spannende Projekte aufmerksam zu machen. Themen gibt es genügend, die Medizin des Alterns und des Alters ist in den vergangenen Jahren immer stärker in den Mittelpunkt der deutlich älter werdenden Gesellschaft gerückt.

Bei aller Themenvielfalt haben Sie insbesondere die Resilienz und Vulnerabilität in den Fokus gestellt – warum sind Ihnen diese Aspekte so wichtig?

Prof. Wirth: Die Corona-Pandemie hat Laien wie Expert:innen eindrücklich vor Augen geführt, was Resilienz und Vulnerabilität – also Widerstandskraft gegenüber Krisen einerseits sowie Verletzbarkeit andererseits – im Zusammenhang mit einem solchen Infektionsgeschehen bedeuten. Auch wenn diese beiden Begriffe nicht jedem in der Bevölkerung geläufig sind, so haben sich doch alle mit der Frage auseinandersetzen müssen, warum es anfangs gerade ältere Menschen so hart getroffen hat. Dadurch ist auch für den medizinischen Laien spürbar geworden, was Vulnerabilität eigentlich bedeutet und dass diese nicht nur ein theoretisches Konstrukt darstellt. Deswegen ist es uns wichtig, dieses Thema beim kommenden Kongress nochmals genauer zu betrachten.

Prof. Simm: Vulnerabilität kann sich auf jeder Ebene – vom sozialen Kontext bis zur Zelle – äußern. Dieses Thema ist der Gerontologie und Geriatrie als Dreh- und Angelpunkt quasi in die Wiege gelegt. Dabei ist es naheliegend, mit der Vulnerabilität nicht nur das Defizitmodell im Blick zu haben, sondern diesem auch die Ressourcen, die Resilienz ausmachen, gegenüberzustellen. In diesem Spannungsfeld bewegt sich sowohl die Gerontologie als auch die Geriatrie. Daher ist es sinnvoll, diese antipodischen Geschwister auch einmal als Kongress-Motto auszuwählen. Viele Disziplinen haben einen besonderen Blickwinkel auf das Verständnis dieser beiden Konzepte und es ist an der Zeit, diese Perspektiven zusammenzutragen und den eigenen Blick auf Resilienz und Vulnerabilität zu erweitern.

Für alle, die jetzt noch überzeugt werden müssen: Warum führt kein Weg daran vorbei, im September am Gemeinschaftskongress von DGGG und DGG teilzunehmen?

Prof. Wirth: Unsere gemeinsame Tagung von Gerontologinnen und Gerontologen sowie Geriaterinnen und Geriatern aus den drei deutschsprachigen Ländern bietet in diesem Jahr ein einzigartiges Forum für den interdisziplinären und internationalen Austausch. Unser vielfältiges Programm bildet alle relevanten Themen der Alternswissenschaften und der Medizin des Alterns ab. Präsentiert werden hochaktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaft und klinischem Alltag. Wer in Frankfurt dabei ist, kann mit Gleichgesinnten ins Gespräch kommen und eventuell auch Partner für gemeinsame Projekte finden. Es gibt so viele spannende Themen und Neuigkeiten – es ist an der Zeit, diese wieder persönlich beim Gemeinschaftskongress in Frankfurt zu diskutieren.
 
 

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Quelle: DGG



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