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Medizin
21. Juni 2021

Neues aus der Thyreologie: Schilddrüse interdisziplinär

Neues aus der Thyreologie: Schilddrüse interdisziplinär
©Sebastian Kaulitzki / Fotolia.de
Schilddrüsenerkrankungen sind vielfältig und vielschichtig. Insbesondere wenn sie mit anderen Erkrankungen assoziiert sind, ist oftmals eine interdisziplinäre Zusammenarbeit notwendig.
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Andere Therapie bei älteren Patienten

Bei der Schilddrüsenbehandlung für ältere Menschen gelten heute andere Regeln. Prof. Dr. Karl-Michael Derwahl, Berlin, zufolge habe sich ein Umdenken bei der Behandlung von älteren Schilddrüsenpatienten vollzogen, insbesondere wenn es sich um eine subklinische, laborchemisch latente Hypothyreose handelt. Studiendaten hatten gezeigt, dass höhere TSH- und niedrigere FT4-Konzentrationen im euthyreoten Bereich bei älteren Menschen mit einem geringeren Morbiditätsrisiko für verschiedene Ereignisse wie kardiovaskuläre Komplikationen, Osteoporose und kognitive Funktionseinschränkungen verbunden sind (1). Um eine unnötige Medikation und Überdosierung zu vermeiden, hat die European Thyroid Association (ETA) die Regeln für ältere Menschen im letzten Jahr verändert. In den Leitlinien zur Therapie der subklinischen Hypothyreose wurde der TSH-Wert, ab dem mit einer Behandlung begonnen werden soll, bei älteren Menschen über 70 Jahre auf 10 mU/l erhöht (2).

Erhöhtes Frakturrisiko

Zusammenhängen zwischen Hyperthyreose und Osteoporose widmete sich Prof. Dr. Heide Siggelkow, Göttingen. Die Hyperthyreose führe zu erhöhtem Knochenumsatz und Kalziumverlust. Unbehandelt sei die Knochendichte signifikant erniedrigt und das Frakturrisiko erhöht. Zudem steige das Frakturrisiko bei Hyperthyreose mit dem Alter an. „Bei Normalisierung der Hyperthyreose normalisiert sich auch die Knochendichte ohne spezielle antiosteoporotische Therapie. Eine Ausnahme sind postmenopausale Frauen, bei denen normalisiert sich die Knochendichte nicht“, so Prof. Siggelkow.

Einfluss auf Psyche und Kognition

Die Schilddrüse beeinflusst zudem Stimmung und kognitive Funktionen. Auch wenn die Zusammenhänge laut PD Dr. Teja W. Grömer, Bamberg, noch intensiver untersucht werden müssen, sollte die Verbindung von Psyche und Schilddrüse mehr an Bedeutung gewinnen. Verändern sich die Symptome bei Patienten oder kommen neue hinzu, sollten diese Zusammenhänge mitbedacht werden und eine enge Abstimmung mit den Kollegen entsprechender Fachrichtungen angestrebt werden.

Jodstatus in Deutschland unter WHO-Empfehlung

Wie Prof. Dr. Henry Völzke, Greifswald, hervorhob, liegt der Jodstatus in der deutschen Bevölkerung derzeit unter dem von der WHO empfohlenen Niveau. „Das bestehende Präventionsprogramm ist zunehmend insuffizient“, so der Leiter der 1997 gestarteten Studie SHIP – Study of Health in Pomerania. SHIP untersucht die Prävalenz und Inzidenz häufiger und populationsrelevanter Erkrankungen wie bei der Schilddrüse. Stärken bei der Jodmangelprävention in Deutschland sieht der Redner im langjährigen Monitoring des Jodstatus oder dem Arbeitskreis Jodmangel. Wünschenswert seien mehr politische Entscheidungen; es fehle z.B. eine öffentlich geförderte Koordinationsstruktur und ein koordiniertes Vorgehen innerhalb der EU.

Bettina Baierl

Quelle: Schilddrüsen-Update 2021: Schilddrüsenerkrankungen und Assoziationen mit anderen Erkrankungen, 02.06. 2021, Veranstalter: Sanofi

Literatur:

(1) Cappola AR et al. J Clin Endocrinol Metab 2015; 100:1088-1096.
(2) Papini E et al. Eur Thyroid J 2020; 9:172-185.


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