Dienstag, 28. Juni 2022
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Medizin

PBC: Obeticholsäure verbessert Chancen auf transplantfreies Überleben

PBC: Obeticholsäure verbessert Chancen auf transplantfreies Überleben
© Vitalii Vodolazskyi - stock.adobe.com
Eine Zweitlinientherapie mit Obeticholsäure hat das Potenzial, das transplantfreie Überleben bei Primärer Biliärer Cholangitis (PBC) zu verbessern (1). Auch können im Praxisalltag biochemische Surrogatparameter bei PBC mit Obeticholsäure signifikant positiv beeinflusst werden (2). Dies zeigen eine vergleichende Langzeitanalyse und Real-World-Daten, die bei der AASLD-Jahrestagung 2021 präsentiert wurden (1, 2). Zudem hat eine PBC-Expertengruppe beim AASLD-Kongress einen neuen praxisnahen Algorithmus zur proaktiven Identifizierung von PBC-Patienten/-innen mit hohem Progressionsrisiko vorgestellt, der sich – auch unter Pandemiebedingungen – in den Versorgungsalltag integrieren lässt (3).
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Versorgungsrealität zeigt Lücken in der PBC-Therapie

Immer noch gibt es in der Versorgungsrealität Lücken bei der Umsetzung der in Leitlinien (4) empfohlenen Risikostratifizierung und der daran ausgerichteten PBC-Therapie (5). Verschärft wurde die Situation noch durch die globale COVID-19-Pandemie, die den Zugang zur ärztlichen Versorgung erschwerte und zu einem Rückgang der Ressourcen im Gesundheitssystem führte. Eine PBC-Expertengruppe hat daher einen angepassten Behandlungspfad entwickelt, der neben der schnellen PBC-Erstdiagnose und Start der Erstlinientherapie mit Ursodeoxycholsäure (UDCA) auch eine proaktive Strategie zur Identifizierung von Patient:innen mit erhöhtem Progressionsrisiko vorsieht: Dazu wird pragmatisch zwischen Patient:innen mit „niedrigem“ und „intermediärem bis hohem“ Risiko für Krankheitsprogression und/oder einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium der Leber sowie Situationen unterschieden, die eine weitergehende Evaluation erfordern (dekompensierte Zirrhose, Bilirubin >2-fache des oberen Normwerts, schwerer Pruritus) (3).

Neue italienische Real-World-Daten zur Zweitlinientherapie mit Obeticholsäure

Für PBC-Patient:innen mit unzureichendem UDCA-Ansprechen ist Obeticholsäure die einzige zugelassene und in den EASL- und DGVS-Leitlinien empfohlene Zweitlinientherapie (4, 6, 7). Die Zulassung basiert auf den Ergebnissen der Phase-III-Studie POISE, in der unter anderem die alkalische Phosphatase (AP) mit Obeticholsäure schnell und anhaltend gesenkt werden konnte (8). Dass auch im Praxisalltag eine statistisch signifikante AP-Senkung nach 6 Monaten vs. Baseline (p<0,0001) mit Obeticholsäure ermöglicht wird, bestätigen aktuelle Real-World-Daten der retrospektiven O-REAL-Studie (2). Auch sekundäre Endpunktparameter wie die absolute und prozentuale mittlere Veränderung biochemischer Laborwerte wie AP, Gamma-Glutamyl-Transferase (GGT), Alanin-Aminotransferase (ALT) und Aspartat-Aminotransferase (AST) wurden in der Studie nach 6 und 12 Monaten Therapie mit Obeticholsäure signifikant verbessert (p<0,0001) (2).

Vergleichende Langzeitanalyse zum transplantationsfreien Überleben mit Obeticholsäure

In einer Late-Breaker-Session beim AASLD-Kongress 2021 wurden erstmals die Ergebnisse einer vergleichenden Langzeitanalyse präsentiert, wonach die Behandlung der PBC mit Obeticholsäure ein besseres transplantationsfreies Überleben gegenüber externen Kontrollen aus 2 großen Registerstudien erzielt hat (1). „Bisher haben solche Daten noch gefehlt, da sich die Erhebung von randomisierten, placebokontrollierten Langzeitdaten bei einer so seltenen und langsam progredienten Erkrankung sehr schwierig gestaltet“, erklärte Prof. Dr. Frank Tacke, Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Um mehr über den Einfluss von Obeticholsäure auf ‚harte‘ klinische Endpunkte in Erfahrung zu bringen, wurde in dieser Studie ein innovativer statistischer Ansatz verfolgt.“ Als externe Kontrollen wurden nach dem Propensity-Score-Matching-Verfahren unbehandelte oder mit UDCA behandelte (≥1 Jahr) Patient:innen aus 2 Registerstudien – dem UK-PBC-Konsortium (UK-PBC, n=2.135) und der Global PBC Study Group (GLOBE, n=1.391) – ausgewählt und mit Patient:innen, die im Rahmen der POISE-Studie (Doppelblindphase und Long-term Safety Evaluation (LTSE), n=209)) mit Obeticholsäure behandelt wurden, verglichen. Primärer Endpunkt der Analyse war die Zeit bis zur Lebertransplantation oder bis zum Tod. Im Vergleich zu Patient:innen der externen Kontrollgruppen, profitierten Patient:innen, die mit Obeticholsäure behandelt wurden, von einer signifikant höheren Wahrscheinlichkeit im Verlauf von 6 Jahren keine Lebertransplantation zu benötigen und einer geringeren Sterblichkeit (3 vs. 146 bzw. 276 Ereignisse in den externen GLOBE- bzw. UK-PBC-Kontrollkohorten). Dies ergab eine gewichtete Kaplan-Meier-Analyse. Damit reduzierte sich das Risiko für die harten Endpunkte unter Obeticholsäure um 72% bzw. 80% im Vergleich zu den externen Kontrollgruppen (1). „Das wichtigste Ergebnis dieser Analyse ist die Erkenntnis, dass wir mit einer konsequenten Risikostratifizierung und einer daran ausgerichteten Zweitlinientherapie mit Obeticholsäure nicht nur Laborwerte günstig beeinflussen können, sondern auch harte Endpunkte wie die Notwendigkeit einer Lebertransplantation oder sogar das Risiko des Versterbens“, resümiert Prof. Tacke.

Quelle: Intercept

Literatur:

(1) Murillo Perez CF et al. Late-Breaking Abstract und Präsentation LO8, AASLD 2021
(2) Alvaro D et al. Posterpräsentation beim AASLD 2021 (12.-15.11.2021), #1300
(3) Berenguer M et al. Posterpräsentation beim AASLD 2021, #518
(4) European Association for the Study of the Liver (EASL). J Hepatol 2017; 67: 145-72
(5) Sivakumar M et al. Frontline Gastroenterology 2021;0:1-7
(6) Aktuelle Fachinformation OCALIVA® 5 mg/10 mg
(7) Strassburg CP et al. SK2-Leitlinie „Autoimmune Lebererkrankungen“; Stand: 9/2017; AWMF-Registernr. 021/027
(8) Nevens F et al. N Engl J Med 2016; 375:631-643


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