Dienstag, 28. Juni 2022
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Medizin

Perianale Fisteln bei Morbus Crohn: Real-World-Daten zu Darvadstrocel

Perianale Fisteln bei Morbus Crohn: Real-World-Daten zu Darvadstrocel
© SciePro – stock.adobe.com
Patient:en mit Morbus Crohn leiden häufig unter perianalen Fisteln (1) und haben oft jahrelange frustrane Behandlungsversuche hinter sich, insbesondere bei komplexer Natur der Fisteln. Nun bietet die allogene Stammzelltherapie Darvadstrocel eine gute Chance auf einen langfristigen Verschluss komplexer perianaler Crohn-Fisteln unter Erhalt der Sphinkterfunktion (1-4). Wirksamkeit und Sicherheit von Darvadstrocel wurden in der ADMIRE-CD-Studie für bis zu 104 Wochen nach der Anwendung belegt (1, 3, 4). Im Rahmen des diesjährigen European Colorectal Congress (ECC) stellte Prof. Oliver Schwandner, Regensburg, Studienergebnisse sowie aktuelle Daten aus Fallserien im Real-World-Setting zur Langzeit-Wirksamkeit und Sicherheit der Stammzelltherapie vor.
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Perianale Fisteln häufige Komplikation bei Morbus Crohn

„Perianale Fisteln sind eine häufige Komplikation bei Morbus Crohn“, berichtete Schwandner. „Etwa die Hälfte der Patient:innen mit perianalem Morbus Crohn entwickeln auch perianale Fisteln (5). Daher ist die frühzeitige Erkennung und entsprechende Behandlung der Fisteln für den weiteren Krankheitsverlauf von zentraler Bedeutung.“ Hinzu komme, dass 70 – 80 % der perianalen Crohn-Fisteln komplex sind und eine besondere therapeutische Herausforderung darstellen (1). Zur Behandlung der perianalen Crohn-Fisteln stehen aktuell 3 Optionen zur Verfügung: die Fadendrainage, die medikamentöse Behandlung (u. a. TNFα-Inhibitoren, Antibiotika) sowie verschiedene chirurgische Verfahren zum Fistelverschluss. Problematisch sei laut Schwandner, dass perianale Fisteln nach Beendigung der medikamentösen Behandlung eine hohe Rezidivrate zeigen (1). Zudem bestehe bei einigen chirurgischen Interventionen das Risiko einer Stuhlinkontinenz (3). Neben der dauerhaften Abheilung der Fisteln als oberstem Therapieziel sei der Erhalt der Stuhlkontinenz besonders wichtig, nicht zuletzt zur Verbesserung der Lebensqualität des Patient:innen (1, 3).

Adäquate Behandlung perianaler Crohn-Fisteln verlangt multidisziplinäres Team

Für eine adäquate Behandlung perianaler Crohn-Fisteln müssen die Therapieoptionen – unter Berücksichtigung von Fisteltyp, -topographie und Anzahl komplexer Fisteln – im multidisziplinären Team und mit den Patient:innen besprochen werden“, empfahl Schwandner. Bedacht werden sollten auch mögliche Limitierungen etablierter Therapien z. B. bei Patienten mit rezidivierenden oder komplexen mehr-gängigen Fisteln. Da die verfügbaren Therapiemöglichkeiten – insbesondere bei komplexen perianalen Fisteln – oftmals nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen, werden neue Optionen benötigt, erklärte Schwandner. „Die allogene Stammzelltherapie Darvadstrocel (Alofisel®) ist eine solche, zudem sphinkter-schonende Therapieoption.“ Die Guidelines der European Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO) zur chirurgischen Behandlung des MC bewerten die Stammzelltherapie mit dem höchsten Evidenzlevel unter allen dort aufgeführten Optionen (EL2 im Vergleich zu EL3–4) (6).

Darvadstrocel wirkt antiinflammatorisch

Bei Darvadstrocel handelt es sich um aus menschlichen Fettzellen gewonnene, expandierte, allogene, mesenchymale, adulte Stammzellen. Sie können aufgrund ihrer immunmodulatorischen und antiinflammatorischen Eigenschaften die Heilung von geschädigtem perianalem Gewebe fördern (2). Darvadstrocel wird unter Operationsbedingungen – nach Entfernung eventueller Seton-Einlagen und gründlicher Kürettage aller Fistelgänge und Verschluss der internen Fistelöffnungen – lokal rund um die internen Fistelöffnungen und danach entlang der Wände der Fistelgänge in das umgebende Gewebe injiziert (2), schilderte Schwandner die Anwendung, die in qualifizierten Anwenderzentren erfolgt.

INSPECT-Studie unterstreicht Langzeit-Wirksamkeit von Darvadstrocel

In der Studie ADMIRE-CD wurden Wirksamkeit und Sicherheit von Darvadstrocel bei refraktären komplexen perianalen Crohn-Fisteln für bis zu 104 Wochen gezeigt, berichtete Schwandner (1, 3, 4). Die Daten aus ADMIRE-CD hätten zudem ein günstiges Langzeit-Sicherheitsprofil von Darvadstrocel ergeben (3, 4). „Die Ergebnisse der Studie konnten auch in der Praxis bestätigt werden“, erklärte Schwandner. Er stellte dazu die multizentrische, retrospektive Chart-Review-Studie INSPECT vor, in der Real-World-Daten über zusätzliche 2 Jahre von Patient:innen gesammelt wurden, die ADMIRE-CD abgeschlossen hatten (7). Analysiert wurden u. a. die Endpunkte klinische Remission und anhaltende klinische Remissionc in Woche 52 (Daten aus ADMIRE-CD), in Woche 104 (aus ADMIRE-CD und INSPECT) sowie in Woche 156 (aus INSPECT) nach Anwendung von Darvadstrocel oder Placebo. Zu jedem der in der Studie ausgewerteten Zeitpunkte war ein numerisch größerer Anteil der Darvadstrocel-Patient:innen im Vergleich zur Kontrollgruppe in klinischer Remission (7). Zudem befanden sich von den Darvadstrocel-Patient:innen, die in Woche 52 in klinischer Remission waren, immer noch 65,5% in Woche 104 und 55,2% in Woche 156 in klinischer Remission – und dies trotz der komplexeren Baseline-Charakteristika in dieser Gruppe, betonte Schwandner (7).

Ermutigende Langzeit-Ergebnisse zu Darvadstrocel in der Praxis

„Die bisherigen Erfahrungen mit der Stammzelltherapie in der Praxis sind ermutigend und decken sich mit den Studienergebnissen“, erklärte Schwandner. So erreichten in einer kleinen Fallserie (8) aus der Schweiz mit 11 MC-Patient:innen mit therapierefraktären komplexen perianalen Fistelnd 72,7% (8/11) der Patient:innen nach der Anwendung von Darvadstrocel einen anhaltenden vollständigen Fistelverschluss (8). Schwandner berichtete anschließend von seiner kürzlich publizierten „single-center experience“, die die Langzeit-Wirksamkeit der Stammzelltherapie untersuchte. In dieser retrospektiven, monozentrischen Studie wurden klinische Routine-Daten von 12 MC-Patient:innen analysiert, deren komplexe perianale Fisteln mit Darvadstrocel behandelt wurden (9). Die 6 männlichen und 6 weiblichen Patient:innen waren im Durchschnitt 42,5 Jahre alt und hatten alle mindestens eine komplexe perianale Fistel. Die Fisteln bestanden median bereits 8,7 Jahre. Die Patient:innen waren alle medikamentös vorbehandelt und hatten im Mittel 2 chirurgische Versuche zum Fistelverschluss hinter sich. Alle Patient:innen erhielten – nach Entfernung einer eventuellen Seton-Drainage, der Kürettage der Fistelgänge sowie dem Verschluss der internen Fistelöffnungen – eine Injektion mit Darvadstrocel. Als Fistelheilung definiert wurde ein kompletter Verschluss der internen und externen Fistelöffnungen, kein Abszess sowie Symptomfreiheit (z. B. in Bezug auf Schmerz, Sekretion), erklärte Schwandner.
Er präsentierte die Ergebnisse der Studie mit dem Hinweis auf die Limitierung durch die kleine Fallzahl, das retrospektive Design sowie die fehlende Kontrollgruppe (9). Nach einem mittleren Follow-up von 14,3 Monaten (3 – 30 Monate) zeigte sich bei 66,7% (8/12) der Patient:innen eine Fistelheilung. Die durchschnittliche Dauer bis zur Fistelheilung betrug 12 Wochen (6 – 30 Wochen). Betrachtet man die Patient:innen mit einem Follow-up von mindestens 12 Monaten (6/12) bzw. mindestens 24 Monaten (4/12) lag die Fistelheilungsrate ebenfalls bei 66,7% bzw. bei 50,0% (2/4). Insgesamt kam es weder zu intraoperativen Komplikationen noch zu postoperativen schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (9). „4 der 12 Patient:innen entwickelten einen Perianalabszess (9), daher ist eine fortgesetzte gute Nachsorge besonders wichtig“, lautete Schwandners Empfehlung. „Die Real-World-Daten unterstreichen, dass die Anwendung von Darvadstrocel bei komplexen perianalen Crohn-Fisteln eine sphinkterschonende Behandlungsoption darstellt und zur Langzeit-Fistelheilung führen kann“, so Schwandner (9). Abschließend betonte er noch einmal den hohen Stellenwert der Zusammenarbeit und offenen Kommunikation zwischen den Akteuren des multidisziplinären Teams und den Anwenderzentren für eine optimale Versorgung der Patient:innen.

Quelle: Takeda

Literatur:

(1) Panés J et al. Lancet 2016; 388(10051): 1281-1290.
(2) Fachinformation Alofisel®, Stand November 2020
(3) Panés J et al. Gastroenterology 2018; 154: 1334-1342 e1334.
(4) Adamina M. Tech Coloproctol 2020; 24: 629-662.
(5) Wewer MD et al. J Crohns Colitis 2021; 15(1): 5-13.
(6) Adamina M et al. J Crohns Colitis 2020; 14(2): 155-168.
(7) Panés J et al. UEG Week virtual meeting 2020, 11.–13.10.2020. Abstract #P0632.
(8) Cabalzar-Wondberg D et al. Colorectal Dis 2021; 23(6): 1444-1450.
(9) Schwandner O. World J Gastroenterol 2021; 27(24): 3643-3653.



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