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Ankylosierende Spondylitis: Neue Option mit JAK-Inhibitor Tofacitinib

Ankylosierende Spondylitis: Neue Option mit JAK-Inhibitor Tofacitinib
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Seit November 2021 erweitert der Januskinase (JAK)-Inhibitor Tofacitinib die therapeutischen Optionen bei erwachsenen Patient:innen mit aktiver Ankylosierender Spondylitis (AS) (1). In der Zulassungsstudie zeigte Tofacitinib gegenüber Placebo eine gute Wirksamkeit und ein allgemein gutes Verträglichkeitsprofil (2), wie Expert:innen im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz bestätigten.* Die orale Gabe als Tablette kommt den Bedürfnissen der meist jüngeren Patient:innen entgegen. Allerdings bleibt die frühzeitige Diagnose der Erkrankung weiterhin eine Herausforderung.

Tofacitinib für 5 Indikationen zugelassen

Tofacitinib (Xeljanz®) ist in einer Dosierung von 2 x tägl. 5 mg bei AS-Patient:innen indiziert, die auf eine konventionelle Therapie nur unzureichend angesprochen haben (1). „Insgesamt ist Tofacitinib nun in 4 rheumatologischen und 1 gastroenterologischen Indikation zugelassen und verfügt damit unter den JAK-Inhibitoren über das breiteste therapeutische Spektrum”, so Dr. Thomas Meng, Pfizer, Berlin. Neben der AS kann Tofacitinib auch zur Behandlung von erwachsenen Patient:innen mit mittelschwerer bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis (RA), mit aktiver Psoriasis-Arthritis (PsA), mit mittelschwerer bis schwerer aktiver Colitis ulcerosa (CU) sowie bei Patient:innen ab 2 Jahren mit aktiver polyartikulärer juveniler idiopathischer Arthritis (JIA) und juveniler PsA angewendet werden (1). Mehr als 362.000 Patient:innen wurden bisher weltweit mit Tofacitinib behandelt (3).
 
 

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Bedeutung der frühzeitigen Diagnose der AS wird an strukturellen Veränderungen deutlich

Die AS zählt zu den Spondyloarthritiden (SpA) und ist durch eine prädominant axiale Beteiligung gekennzeichnet. Die axiale SpA wird in eine frühere, nicht-röntgenologische Form (nr-axSpA) – bei der sich noch keine strukturellen Veränderungen im Röntgenbild zeigen – und eine fortgeschrittenere, röntgenologische Form (r-axSpA) eingeteilt. Bei der r-axSpA, auch als AS oder Morbus Bechterew bezeichnet, sind die diagnoseweisenden strukturellen Veränderungen in den Sakroiliakalgelenken und an der Wirbelsäule ersichtlich (4, 5). 

Axiale SpA wird oft erst nach rund 6 Jahren diagnostiziert

Eine axiale SpA wird oft erst spät diagnostiziert. Krankenkassendaten aus Deutschland zeigen, dass die mittlere Diagnoseverzögerung vom Zeitpunkt der ersten Symptome an – meist Rückenschmerzen – 5,7 Jahre beträgt (6). „Die Diagnose sollte schnell erfolgen, damit wir mit einer adäquaten Therapie möglichst frühzeitig in den Krankheitsverlauf eingreifen und den oft jungen Patient:innen so ein weitgehend beschwerdefreies Leben ermöglichen können“, betonte Prof. Dr. med. Denis Poddubnyy, Berlin.
 
 

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ASAS-Klassifikationskriterien nutzen der Früherkennung von axSpA

Eine wertvolle Unterstützung bei der Diagnose bieten die ASAS-Klassifikationskriterien. Demnach ist besondere Aufmerksamkeit bei Patient:innen geboten, die ≥ 3 Monate unter Rückenschmerzen leiden und zu Beginn jünger als 45 Jahre alt sind. Für das Vorliegen einer axSpA sprechen dann eine Sakroiliitis in der Bildgebung (MRT oder Röntgen) plus ≥1 SpA-Parameter oder ein HLA-B27 plus ≥2 andere SpA-Parameter. Die SpA-Parameter umfassen entzündlichen Rückenschmerz, Arthritis, Enthesitis (Ferse), Uveitis, Daktylitis, Psoriasis, M. Crohn/Colitis ulcerosa, gutes Ansprechen auf NSAR, Familienanamnese für SpA, HLA-B27 sowie erhöhtes CRP (7).

Therapieziel bei axSpA: Remission

Ist die Diagnose gestellt, folgt die Therapie der AS nach dem Prinzip „treat to target“. Nationale und internationale Leitlinien formulieren als wesentliche Behandlungsziele die klinische Remission bzw. die Inaktivität der muskuloskelettalen Manifestationen (Arthritis, Daktylitis, Enthesitis, axiale Erkrankung) unter Berücksichtigung extraartikulärer Manifestationen (4, 8). Die Behandlung umfasst neben nichtmedikamentösen Maßnahmen (z.B. physiotherapeutische Maßnahmen) medikamentöse Optionen wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sowie – für die Zweitlinientherapie, nach NSAR-Versagen – Biologika (TNF-Blocker, IL-17-Blocker) und seit 2021, als neue Substanzgruppe in der Indikation AS, die JAK-Inhibitoren Upadacitinib und Tofacitinib. „NSAR und Biologika verfügen über eine gute antientzündliche Aktivität, dennoch gelingt es uns nicht immer, Patient:innen in eine Remission zu bringen. Hinzu kommt ein möglicher Wirkverlust, der mit der Zeit eintreten kann. Daher ist es von Vorteil, dass wir mit JAK-Inhibitoren wie Tofacitinib eine weitere Therapieoption mit einem neuen Wirkansatz für die aktive AS haben. Ein Vorteil dieser Substanzgruppe ist sicherlich auch die orale Gabe“, erklärte Prof. Poddubnyy.

Tofacitinib verbessert Lebensqualität bei axSpA

Die Wirksamkeit von Tofacitinib wurde zudem bei verschiedenen Patient:innen berichteten Ergebnissen deutlich. Die Lebensqualität, gemessen mittels Ankylosing Spondylitis Quality of Life (ASQoL) Questionnaire, besserte sich unter Tofacitinib stärker als unter Placebo. Auch die Beweglichkeitseinschränkungen, gemessen mittels BASMI (Bath Ankylosing Spondylitis Metrology Index), die Fatigue (FACIT-F, The Functional Assessment of Chronic Illness Therapy-Fatigue), die globale Patient:inneneinschätzung (PtGA), Rückenschmerzen (total back pain) und die Morgensteifigkeit besserten sich zu Woche 16 stärker unter Tofacitinib als unter Placebo. Nach Umstellung auf Verum besserten sich die Werte auch bei den vormaligen Placebopatient:innen. Bei allen Teilnehmer:innen blieben die Werte bis zum Studienende zu Woche 48 stabil (2).

Tofacitinib in Zulassungsstudie gut verträglich

Hinsichtlich der Verträglichkeit zeigte die Studie keine unerwarteten Vorkommnisse. Bei 73 (54,9%) der mit Tofacitinib und 70 (51,5%) der mit Placebo behandelten Patient:innen traten bis Woche 16 unerwünschte Ereignisse (UE) auf. Die häufigsten UE waren Infektionen der oberen Atemwege und Nasopharyngitis. Bei jeweils 2 (1,5%) aus der Tofacitinib-Gruppe und 1 (0,7%) aus dem Placeboarm handelte es sich um schwerwiegende UE (SUE). Bis Woche 48 traten bei 7 (5,3%) der durchgehend mit Tofacitinib behandelten Patient:innen und bei 2 (1,5%) derjenigen, die nach 16 Wochen von Placebo auf Verum umgestellt worden waren, SUE auf. Bis Woche 16 brachen 3 Patient:innen unter Verum und ein:e Patient:in unter Placebo die Studie aufgrund von auf die Studienmedikation bezogene UE ab (2). „In der Zulassungsstudie wurde Tofacitinib sehr gut vertragen. Patient:innen profitierten zudem von einem schnellen Wirkeintritt“, so Prof. Baraliakos abschließend.
 
 

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Quelle: Pfizer

Literatur:

(1) Fachinformation Xeljanz®, Stand November 2021
(2) Deodhar A et al. Ann Rheum Dis. 2021 Apr 27;80(8):1004–1013
(3) Pfizer, data on file
(4) S3-Leitlinie Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen, Update 2019. AWMF-Leitlinien Register Nummer: 060/003, Entwicklungsstufe: S3
(5) Poddubnyy D et al. Rheum Dis Clin North Am 2012;38:387–403
(6) Redeker I et al. Rheumatology (Oxford) 2019;58(9):1634–1638
(7) Rudwaleit M et al. Ann Rheum Dis 2009;68:777–783
(8) Smolen JS et al. Ann Rheum Dis 2018;77:3–17



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