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Ernährung und Lebensstil

Public Health Index: Deutschland schneidet unterdurchschnittlich ab

In allen untersuchten Bereichen – Tabak, Alkohol, Ernährung und Bewegung – schnitt Deutschland unterdurchschnittlich ab [1]. Ein Grund: Der Schwerpunkt habe bisher auf Verhaltensprävention gelegen, während Verhältnisprävention, also strukturelle Veränderungen, kaum eine Rolle gespielt hätten, erläuterte Dr. Sabine Richard vom AOK-Bundesverband. Dies zu verbessern, sei jedoch „kein Hexenwerk“ und auch nicht kostenintensiv, wie sie betonte. Vielmehr brauche es politische Entschlossenheit: „Die Maßnahmen, die im PHI bewertet wurden, kosten vielleicht politisches Kapital, aber kein echtes Geld, weil es darum geht, Regelungen zu schaffen.“

Erfahrungen im Ausland sprechen für Zuckersteuer

Barbara Bitzer von der Deutschen Diabetes Gesellschaft stützte diesen Befund. Sie berichtete, dass Länder mit klaren regulatorischen Maßnahmen deutlich erfolgreicher seien als Deutschland, wo primär auf freiwillige Selbstverpflichtung gesetzt wird. So wurde in Großbritannien durch die Herstellerabgabe auf gesüßte Getränke der Zuckergehalt im Durchschnitt um 30% gesenkt, während es in Deutschland nur 2% sind. Bitzer forderte von der Regierung eine ressortübergreifende Gesamtstrategie. Auch Anne Janssen, Mitglied im Gesundheitsausschuss für die CDU/CSU, unterstrich, es sei wichtig, „das Schiff aus der Gesundheitsblase herauszubekommen“. Gleichzeitig dämpfte sie die Hoffnung auf eine Herstellerabgabe. Es handle sich um eine „schwierige Debatte“, eben weil auch andere Ministerien beteiligt sind.

Effekte von Verhaltensprävention begrenzt

Auch Dr. Timm Genett vom Verband der Privaten Krankenkassen (PKV) stellte dem Präventionsgesetz ein schlechtes Zeugnis aus. „Wir haben vor allem ineffiziente Parallelstrukturen bekommen, viele teure Insellösungen, wenig Kooperation und Koordination“, so sein Fazit. Angebote der Krankenversicherungen zur Verhaltensprävention hätten nur Mitnahmeeffekte ausgelöst, kritisierte er.

Prof. Dr. Dennis A. Ostwald vom WifOR Institut richtete den Fokus auf Prävention als Wirtschaftsfaktor. Er warb dafür, das Thema nicht nur unter dem Kostenaspekt zu sehen, sondern als langfristige Investition in Stabilität, Leistungsfähigkeit und Wohlstand zu begreifen. Auch er plädierte dafür, Prävention größer zu denken und ehrgeizige Ziele zu stecken: „Deutschland soll bis 2040 das gesündeste Land Europas werden.“

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Quelle:

Prävention als Systemaufgabe. Veranstaltung im Rahmen des BMC Kongresses in Berlin, 27.1.2026

Literatur:

(1)

AOK: Public Health Index, abrufbar unter: www.aok.de/pp/public-health/index, letzter Zugriff: 02.02.2026.