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Medizin

Vision Zero Summit 2022: Die Zahl vermeidbarer krebsbedingter Todesfälle gegen Null bringen

von Dr. med. vet. Astrid Heinl

Vision Zero Summit 2022:  Die Zahl vermeidbarer krebsbedingter Todesfälle gegen Null bringen
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Pro Jahr werden in Deutschland 500.000 Krebserkrankungen neu diagnostiziert und 230.00 Sterbefälle durch Krebs registriert. Zudem wird von einer stark wachsenden Inzidenz an Krebserkrankungen bis 2040 ausgegangen. Ziel ist es, hier durch die frühzeitige Diagnose und personalisierte Therapie gegenzusteuern. Auf dem Vision Zero Berlin Summit, der am 20. und 21. Juni 2022 stattgefunden hat, diskutierten hochkarätige Onkolog:innen und Expert:innen über die Möglichkeiten, die Vision Zero in der Onkologie so umzusetzen, dass die Zahl der vermeidbaren Todesfälle aufgrund von Krebs maßgeblich reduziert und im Idealfall jeder Tod durch maligne Erkrankungen verhindert wird. Darüber hinaus war die verbesserte Digitalisierung der medizinischen Versorgung ein Schwerpunktthema.

Die Krebs-Pandemie – wesentlicher Faktor ist die Prävention

Einleitend betonte Prof. Dr. Christof von Kalle, Berliner Institut für Gesundheitsforschung an der Charité Berlin und Wissenschaftlicher Leiter des Kongresses, dass es sich bei Krebs mit 100-mal so vielen Todesfällen wie im Straßenverkehr im Grunde auch um eine Pandemie handeln würde, die jedoch jedes Jahr wiederkommt. Daher sei es extrem wichtig, die Prävention und Vorsorge in den Vordergrund zu rücken. Diese würden im deutschen Gesundheitssystem aber zu kurz kommen. „Wenn wir uns tatsächlich in Richtung Zero bewegen wollen, ist die Prävention sicherlich der Schlüssel,“, unterstrich auch Prof. Dr. Dirk Schadendorf, Essen.

Vision Zero für den Hautkrebs: Neustart des Hautkrebsscreenings mit einer qualitativ höherwertigen Untersuchung

Auf dem Vision Zero Präventions-Summit stellten namhafte Referent:innen ihre Vision Zero und ihre Konzepte zur Prävention von Krebserkrankungen vor. So beleuchteten Hautkrebsexpert:innen die aktuelle Situation in Deutschland und im Ausland sowie den Nutzen der Künstlichen Intelligenz (KI) bei der Prävention und Früherkennung in der Dermatologie. Generell sei eine Sanierung und ein Neustart des gesetzlichen Hautkrebsscreenings mit einer qualitativ höherwertigen Untersuchung für Risikogruppen als Kassenleistung notwendig, ebenso eine Aufhebung der Altersbegrenzung sowie eine Hinzunahme technischer Innovationen (KI, digitales Screening, Ganzkörperscanner). Zudem forderten die Expert:innen eine Sonnenstudio-Abgabe, d.h. eine extra Abgabe für Solarienbetreiber, die sofort an die Hautkrebsforschung und Patient:innenorganisationen weitergeleitet wird – generell sollten im Rahmen der Primärprävention Solarien verboten und bereits im Kindergarten über Sonnenschutz informiert werden. Als weitere Empfehlung zur Primärprävention wurden kostenfreie Sonnencremespender in Kitas, Schulen und Freibädern genannt.

Vision Zero für den Lungenkrebs: Verbesserte Früherkennung auch durch KI-gestützte Programme

Expert:innen der Vision Zero für den Lungenkrebs forderten auf dem Summit 2022 einen Prävention-Euro auf jeder Zigarettenschachtel, ein konsequentes Verbot von Tabakwerbung in Verbindung mit einer signifikanten Erhöhung der Tabaksteuer zugunsten von gezielten Präventionsprogrammen speziell für Jugendliche. Eine besondere Bedeutung hat die Früherkennung: „Früherkennung wird das Lungenkarzinom verändern – für eine Welt ohne Lungenkrebs brauchen wir die Früherkennung“, lautete das Fazit von Vision Zero für den Lungenkrebs. Früherkennung sei dabei nicht nur die Computertomografie. Vielmehr sollten zur genaueren und nicht-invasiven Früherkennung genomische und KI-gestützte Programme angedockt werden. Ein weiterer Schritt hin zu einer deutlich präziseren Prävention, Diagnose und Therapie ist die digitale Vernetzung der Netzwerkpartner:innen und Patient:innen zur kontinuierlichen Generierung von Evidenz aus einer forschungsnahen klinischen Versorgung.

Prävention bedeutet Patient:innen auf allen Entscheidungsebenen stärken

Grundsätzlich sind die Möglichkeiten der Früherkennung (Sekundärprävention) von zentraler Bedeutung, um die Sterblichkeit an Krebserkrankungen zu senken.  Es besteht in der Bevölkerung bereits ein zunehmendes Bewusstsein für Krebsprävention. Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung sollte durch die gezielte Aufklärung zur Krebsprävention aber noch weiter verbessert werden. Dies kann z.B. durch einen niederschwelligen Kontakt zwischen Patient:innen und Ärzteschaft und durch die erhöhte Partizipation der Patient:innen auf allen Entscheidungsebenen erreicht werden. So sollten die Patient:innen als Forschungspartner:innen gesehen und Patient:innen-relevante Endpunkte in klinischen Studien verbessert werden.

Reduktion der Sterblichkeit an Krebs um 50-75% weltweit durch verbesserte Prävention und Früherkennung

Die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Patient:innen und geeignete Patient:innenschulungen tragen maßgeblich dazu bei, dass die zur Verfügung stehenden Präventionsmaßnahmen von den Patient:innen eher wahrgenommen werden. Durch bessere Prävention und Früherkennung könnte die Krebssterblichkeit weltweit um bis zu 75% reduziert werden.

Eine Vision Zero in der Onkologie erfordert intelligente Konzepte und Ziele

So soll ein höherer Anteil früh erkennbarer, heilbarer Krebserkrankungen erreicht und die Lebensqualität der Krebspatient:innen verbessert werden. Darüber hinaus sollen eine beschleunigte Translation von Forschungsergebnissen zur Verbesserung der Ergebnisse und ein schneller und fairer Zugang zu Studien und Innovationen angestrebt werden. In den nächsten Jahren liegt der Fokus zudem auf digitaler Onkologie, Survivorship, Primärprävention, Zugang für unterrepräsentierte Gruppen und dem weiteren Ausbau der Verbindung zur europäischen Krebsmission. Am Ende der Dekade soll es ein nachhaltig starkes, international hochkompetitives System in Deutschland geben.

Quelle: Vision Zero Berlin Summit, 20.-21.06.2022, Berlin; Veranstalter: Vision Zero e.V.



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