Post-Covid-Syndrom: Blutwäsche ohne belegten Nutzen
Eine aktuell in The Lancet Regional Health – Europe veröffentlichte Studie stellt den Nutzen der Immunadsorption – einer speziellen Blutwäsche - beim Post-COVID-Syndrom infrage. Zwar lassen sich die als mögliche Krankheitsauslöser diskutierten Autoantikörper aus dem Blut entfernen, die Beschwerden der Betroffenen verbessern sich dadurch jedoch nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) sieht darin einen wichtigen Beitrag zu einer evidenzbasierten Bewertung von Therapien für Menschen mit Post-COVID-Syndrom.
Post-Covid-Syndrom beeinträchtigt Lebensqualität und Beruf
Das Post-COVID-Syndrom (PCS) kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Viele Patient:innen leiden noch Monate oder Jahre nach einer SARS-CoV-2-Infektion unter anhaltender Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit. Die Erkrankung kann sich auch erheblich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken: Laut Studien konnten zwölf Wochen oder länger nach der Infektion nur rund 61% der Betroffenen wieder in den Beruf zurückkehren. Da die Ursachen des Krankheitsbildes bislang nicht vollständig verstanden sind, wird intensiv nach biologischen Auslösern gesucht. Im Fokus stehen dabei unter anderem sogenannte Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR), die möglicherweise an den anhaltenden Beschwerden beteiligt sind.
Hoffnung auf Blutwäsche bei Post-Covid-Symptomen
Die Vermutung, dass solche Autoantikörper eine Rolle spielen könnten, hat bei vielen Betroffenen Hoffnungen auf spezielle Blutwäsche-Verfahren geweckt. Bei der so genannten Immunadsorption und der Plasmapherese wird das Blut außerhalb des Körpers über Filtersysteme geleitet, um bestimmte Antikörper zu entfernen. „Zahlreiche Patientinnen und Patienten haben sich bereits diesen aufwendigen Behandlungen unterzogen – oft in der Hoffnung auf eine Linderung ihrer Beschwerden. Ob die Entfernung der Autoantikörper tatsächlich einen therapeutischen Nutzen bringt, war bislang jedoch nicht durch kontrollierte Studien belegt“, erklärt Professor Dr. med. Julia Weinmann-Menke, Ärztliche Direktorin der Klinik für Nephrologie am Zentrum für Innere Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg, Vorstand der DGfN und Initiatorin der Studie.
Autoantikörper entfernt, Beschwerden bleiben bestehen
Die nun veröffentlichte IAMPOCO-Studie liefert erstmals belastbare Daten zur Wirksamkeit der Immunadsorption bei Post-COVID. An der Untersuchung nahmen 40 Betroffene teil, die sowohl eine echte Behandlung als auch eine Scheintherapie erhielten. Das Ergebnis: Die Immunadsorption entfernte die untersuchten Autoantikörper zwar erfolgreich aus dem Blut, die Beschwerden der Patient:innen verbesserten sich dadurch jedoch nicht. Im Vergleich zur Scheinbehandlung wurden weder die ausgeprägte Erschöpfung noch Konzentrationsprobleme, körperliche Belastbarkeit noch Einschränkungen im Alltag durch die Behandlung positiv beeinflusst. „Diese Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der an Post-COVID leidenden Patienten eher nicht von einer Immunadsorption profitieren wird“, so Prof. Weinmann-Menke.
Studie gibt Orientierung für Betroffene und Forschung
Die Ergebnisse sind auch deshalb bedeutsam, weil Immunadsorption und Plasmapherese aufwendige Eingriffe sind. Die Behandlungen dauern mehrere Stunden und sind nicht frei von Risiken. In der Studie traten unter der Immunadsorption mehr Nebenwirkungen auf als unter der Scheinbehandlung. Hinzu kommt, dass die untersuchten Autoantikörper nicht nur bei Menschen mit Post-COVID vorkommen, sondern auch bei anderen Erkrankungen und sogar bei gesunden Personen nachweisbar sind. Da Antikörper fortlaufend neu bildet werden, führt ihre vorübergehende Entfernung somit nicht zwangsläufig zu einer dauerhaften Besserung der Beschwerden, stattdessen müssen die Behandlungen häufig wiederholt werden.
Immunadsorption eignet sich laut Studie nicht als allgemeine Therapie
Die Autor:innen der Studie kommen zu dem Schluss, dass sich die Immunadsorption nach aktuellem Kenntnisstand nicht als allgemeine Therapie für das Post-COVID-Syndrom eignet. Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse die Notwendigkeit weiterer Forschung. „Post-COVID ist ein komplexes und heterogenes Krankheitsbild“, so Prof. Weinmann-Menke. „Um wirksame Behandlungen für die vielen Betroffenen zu entwickeln, müssen die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen weiter systematisch untersucht werden.“
Quelle:Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)
Literatur:
- (1)
Stortz M et al. (2026) Immunoadsorption Versus Sham Treatment for Post-COVID Syndrome: A Randomised Sham-Controlled Crossover Trial, The Lancet Regional Health - Europe, DOI: 10.1016/j.lanepe.2026.101744