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Medizin

Nordosten Deutschlands mit überdurchschnittlich hoher vermeidbarer Sterblichkeit

„Im Gegensatz zu vielen anderen westeuropäischen Gebieten weisen viele deutsche Regionen kontinuierlich höhere Zahlen bei der vermeidbaren Sterblichkeit auf“, erklärt Dr. Michael Mühlichen, Mitautor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). Besonders betroffen ist der Nordosten Deutschlands – darunter Nordthüringen, Ostniedersachsen sowie größere Gebiete von Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Betrachtet man die Situation in Westeuropa, so fällt ein klares Muster auf: In der Schweiz sowie in weiten Teilen von Italien, Frankreich und Spanien sterben vergleichsweise wenige Menschen an vermeidbaren Ursachen. Diese Regionen identifizieren die Forschenden als stabile „Coldspots“. Innerhalb Deutschlands gehörte lediglich die Region zwischen Tübingen und Ulm zeitweise zu den Coldspots. „Hotspots“ mit vergleichsweise hoher vermeidbarer Sterblichkeit finden sich dagegen außerhalb von Deutschland vor allem in Belgien, im Norden und Nordosten Frankreichs, im Osten Österreichs und im Südwesten Spaniens.

Regionale Gesundheitsungleichheiten erfordern zielgerichtete Präventionsmaßnahmen

Gründe für die großen regionalen Differenzen sehen die Forschenden einerseits in der unterschiedlichen Effizienz bei der Früherkennung und Behandlung von Krankheiten. Andererseits spielt das gesundheitsrelevante Verhalten der Bevölkerung eine wichtige Rolle. „Gerade im Bereich Prävention besteht in Deutschland noch Aufholpotenzial, um den häufigsten Risikofaktoren wie Rauchen, übermäßigem Alkoholkonsum, ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel entgegenzuwirken“, erklärt Dr. Mühlichen.

Die regionalen Gefälle innerhalb von Staaten und über Staatsgrenzen hinweg verdeutlichen, dass sich gesundheitliche Ungleichheiten in Europa nicht allein durch Unterschiede zwischen nationalen Gesundheitssystemen erklären lassen. Auch sozioökonomische Faktoren wie Einkommen, Bildung und Beschäftigungsperspektiven spielen eine wichtige Rolle. „Um vermeidbare Todesfälle langfristig zu verringern, sollten gesundheitspolitische Maßnahmen daher noch stärker an regionalen Bedarfen ausgerichtet sein, die sich etwa aus den sozialen Bedingungen oder gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen ergeben“, schlussfolgert Forschungsgruppenleiter und Mitautor Dr. Pavel Grigoriev vom BiB.

Wie wird die vermeidbare Sterblichkeit definiert und eingestuft?

Vermeidbare Sterblichkeit umfasst vorzeitige Todesfälle in Bezug zur Bevölkerung im Alter von 0 bis unter 75 Jahren, die durch effiziente medizinische Versorgung oder präventive Maßnahmen hätten verhindert werden können. Medizinisch vermeidbare Sterblichkeit bezieht sich auf Todesfälle, die durch Früherkennung sowie rechtzeitige und angemessene medizinische Behandlung hätten vermieden werden können. Präventiv vermeidbare Sterblichkeit umfasst Todesfälle, die durch Vorsorge, gesunde Lebensweise oder Sicherheitsmaßnahmen hätten verhindert werden können. Die Einstufung erfolgt anhand der auf dem Totenschein diagnostizierten Grundleiden, die in der Todesursachenstatistik erfasst sind. Die Studie berücksichtigt nur den Zeitraum bis 2019, da die Zahlen ab 2020 durch die Coronapandemie stark beeinflusst wurden. Durch den Fokus auf den Zeitraum 2002 bis 2019 können somit die langfristigen Tendenzen ohne Verzerrungen durch pandemiebedingte Sondereffekte betrachtet werden.

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Quelle:

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)

Literatur:

(1)

Stroisch S et al. Spatial Differences in Avoidable Mortality Across 581 European Districts, 2002–2019. Eur J Population 2026;42(5). DOI: https://doi.org/10.1007/s10680-025-09761-7