Montag, 2. August 2021
Navigation öffnen
Patientenbereich
28. Oktober 2019

Britta: „Ich bin mehr als Rheuma“

Britta ist 23 Jahre alt und eines von 2 Gesichtern der Rheuma-Liga-Kampagne „Rheuma ist jünger als du denkst“.
Anzeige:
Eigenwerbung
 
„Ich brauche kein betroffenes „Oh“. Ich will vielmehr zeigen, dass ich mitten im Leben stehe und ein cooles, aktives Leben lebe, obwohl ich Rheuma habe. Ich sitze nicht in 10 Jahren im Rollstuhl. Ich bin auch während eines Schubs nicht nur eingeschränkt“, sagt Britta. Die Bonnerin ist eine der 2 Protagonisten der diesjährigen Kampagne „Rheuma ist jünger als du denkst“.

„Ich habe seit vielen Jahren Kinderrheuma – juvenile idiopathische Arthritis – und bin seit 2015 bei dem Rheuma-Liga-Projekt „Mein Rheuma wird erwachsen“ engagiert, bei dem junge Rheumatiker als Transition Peers ehrenamtlich andere junge Rheumatiker beim Übergang von der Kinderrheumatologie in die Erwachsenenrheumatologie unterstützen. Ich gehe sehr offen mit meiner Erkrankung um. Da lag es für mich nah, auch die Kampagne „Rheuma ist jünger als du denkst“ mitzugestalten.“

Damit heißt die Herausforderung ab dem 12. Oktober für die Studentin der Medienwissenschaft: „Wie teile ich Nicht-Rheumatikern über fast 9 Monate auf Instagram verständlich mit Episoden aus meinem Alltag mit, was es eigentlich heißt, Rheuma zu haben, jung zu sein, aktiv zu sein?“. Damit Rheuma das Image der Alte-Leute-Krankheit verliert. Damit Rheuma in seinen vielen Facetten bekannter und damit auch schneller erkannt wird.

Denn wie bei so vielen Rheumatikern hat sich auch bei Britta die Diagnose hingezogen. „Komische“ Muskel- und Gelenkschmerzen, mal ein dicker Fuß, mal ein geschwollenes Knie, Rückenschmerzen: Solche Symptome traten bei Britta erstmalig mit 12 Jahren auf. Es wurde Überlastung vom Ballett vermutet, es wurde Kortison gespritzt. Doch bis ihr wirklich geholfen werden konnte, bis bei ihr juvenile idiopathische Arthritis (JIA) diagnostiziert wurde, da war sie 16 Jahre alt. „Meine Eltern und ich waren froh, als wir die Diagnose hatten. Wir haben es genommen, wie es war.“ Genommen, wie es war, das hieß auch mal, in der Schule Probleme mit schmerzenden Händen beim Schreiben zu haben. Oder von Mitschülern gefragt zu werden, was sie denn nun schon wieder habe. „Ich bin aber immer auf viel Verständnis meiner Mitschüler und Lehrer gestoßen.“

Die Einstellung auf die klassischen Basis-Medikamente bei Rheuma war, so erinnert sie sich „schwierig, vieles hat nicht gewirkt, vieles habe ich nicht vertragen“. Hilfe fand sie unter anderem bei mehrwöchigen Aufenthalten in einer Rheuma-Kinderklinik. „Durch die Aufenthalte dort bin ich sehr eigenständig im Handling meiner Krankheit geworden. Meine Eltern konnten mich ja nicht jedes Wochenende besuchen oder gar dort bleiben. Noch eigenständiger hat mich dann mein freiwilliges Soziales Jahr in einem Kinderdorf am Bodensee gemacht. Niemand hatte da noch ein Auge auf meine Medikamente, nur ich.“

Trotz allem souveränen, verantwortungsvollen und selbstbewussten Umgang mit ihrer Krankheit war auch für sie der Wechsel vom Kinder- zum Erwachsenenrheumatologen, sprich zum internistischen Rheumatologen, vor 3 Jahren nicht immer einfach. „Beim Kinderrheumatologen war es kuschelig, beim Erwachsenenrheumatologen geht es unpersönlicher zu. Aber die Arztwahl ist grundsätzlich auch eine sehr individuelle Angelegenheit“, sagt Britta. 

Aktuell ist die Studentin medikamentenfrei. Wenn es ihr mal nicht gut geht, denn kleinere Schübe kommen vor, versucht sie, diese nicht zum Mittelpunkt ihres Alltags zu machen. „Ich bin mehr als Rheuma“, sagt sie. „Ich mache das Beste daraus und möchte mich von nichts aufhalten lassen, auch nicht, wenn ich vielleicht die Quittung dafür kriege, dass ich mal eine Nacht durchgetanzt habe.“

Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V.


Anzeige:
Eigenwerbung
 
Weitere Beiträge zum Thema
BZgA-Initiative LIEBESLEBEN informiert über Gefahren von Konversionsbehandlungen
BZgA-Initiative LIEBESLEBEN informiert über Gefahren von Konversionsbehandlungen
©Savvapanf Photo - stock.adobe.com

Der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) am 17. Mai 2021 macht auf Diskriminierungen gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt aufmerksam. Zu diesem Anlass informiert LIEBESLEBEN, eine Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur Förderung sexueller Gesundheit, zu den Gefahren sogenannter Konversionsbehandlungen. Diese zielen darauf ab, die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität einer Person zu ändern oder zu unterdrücken. Seit dem Jahr 2020 sind Konversionsbehandlungen...

Gegen den Tod Couture – Eine Modekollektion, die Leben retten kann
Gegen den Tod Couture – Eine Modekollektion, die Leben retten kann
©Paul Green

In Deutschland gibt es nicht genug Organspender. Rund 9.000 Patienten warten derzeit auf eine Organspende. Lediglich 913 Menschen haben im Jahr 2020 hierzulande Organe gespendet. Auf 1 Million Einwohner kommen damit statistisch gesehen rund 10 Organspenden. Weil Spender fehlen, warten viele Patienten noch immer vergeblich auf eine Organspende und sterben. Das will der Verein „Gegen den Tod“ auf der Organ-Wartliste ändern und bringt gemeinsam mit 8 angesagten Streetwear-Designern die Modekollektion „Gegen den Tod Couture“ auf den Markt.

Zusammenhang zwischen Lernen und Evolution am Beispiel Eisessen
Zusammenhang zwischen Lernen und Evolution am Beispiel Eisessen
©sonyakamoz - stock.adobe.com

Wie Lernen und Evolution zusammenhängen, erforschen die Verhaltenswissenschaften seit über 100 Jahren – bisher ohne allgemeingültige Antwort. Dr. Matthias Borgstede, Bamberg, sagt: „Mit unserer neuen Forschungsarbeit leisten wir einen entscheidenden Beitrag zu einer allgemeinen Theorie des Lernens, die für alle Lernprozesse bei allen Arten gleichermaßen gilt.“ Er hat gemeinsam mit dem Psychologen Prof. Dr. Frank Eggert, Braunschweig, einen aktuellen Artikel im verhaltenswissenschaftlichen Fachmagazin „Behavioural Processes“ veröffentlicht. Den Zusammenhang zwischen Lernen und Evolution...

COVID-19: Studierende wünschen sich psychosoziale Hilfe
COVID-19: Studierende wünschen sich psychosoziale Hilfe
©galitskaya - stock.adobe.com

Ein Viertel der Studierenden fühlt sich in der Pandemie so belastet, dass sie psychosoziale Hilfe wünschen. Das ist ein Ergebnis einer Befragung der Universität Mainz, die im Juni 2020 während der ersten COVID-19-Welle stattfand. Wie die Auswertung zeigt, leiden Studierende stark unter Einsamkeit und depressiven Symptomen. Diese Bevölkerungsgruppe werde mit ihren Ängsten und Problemen zu sehr allein gelassen, betont die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Die Experten empfehlen Maßnahmen zur...

Kinder im zweiten Lockdown: Bewegungszeit sinkt
Kinder im zweiten Lockdown: Bewegungszeit sinkt
©famveldman - stock.adobe.com

Durchschnittlich 75 Minuten am Tag betrug die Bewegungszeit von Kindern und Jugendlichen im zweiten pandemiebedingten Lockdown seit Dezember 2020. Damit lag sie deutlich unter den Werten aus dem Frühjahr letzten Jahres, als alle Sportvereine und Freizeitangebote zum ersten Mal wegen der Corona-Pandemie schließen mussten. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Auswertung einer Langfrist-Studie von Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), für die Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 17 Jahren befragt wurden. Vor einem Jahr zog das Team noch...

Ein Gefühl der Kontrolle zurückgewinnen
Ein Gefühl der Kontrolle zurückgewinnen
© fotorince / Fotolia.de

Wohlfühlen im Home-Office: Psychologen der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und der Erasmus-Universität Rotterdam haben sich im letzten Jahr mit der Frage beschäftigt, wie sich das Wohlbefinden beim Arbeiten zuhause – für die meisten zunächst neu und ungewohnt – durch eine aktive Freizeitgestaltung steigern lässt. Eine wichtige Erkenntnis aus der aktuellen Studie: Das Streamen von Serien auf dem heimischen Sofa reicht zum Ausgleich offenbar nicht aus. Je aktiver und herausfordernder die Freizeitgestaltung, umso zufriedener...

Das könnte Sie auch interessieren

Rauchen ist Hauptursache für chronische Lungenkrankheit, die nicht heilbar ist

Rauchen ist Hauptursache für chronische Lungenkrankheit, die nicht heilbar ist
© Eric Limon / Fotolia.com

COPD – diese vier Buchstaben stehen für eine chronische Lungenkrankheit (chronic obstructive pulmonary disease). Sie stehen gleichzeitig auch für die weltweite Nummer Drei unter den Todesursachen. Bei 90 Prozent aller Fälle hierzulande ist die Hauptursache ziemlich klar bestimmt: das Rauchen. Zum Welt-COPD-Tag am 15. November weist Prof. Hubert Wirtz, Leiter der Abteilung für Pneumologie am UKL, auf unangenehme Wahrheiten rund um diese Krankheit hin: "COPD verkürzt die Lebenserwartung. Es ist nicht heilbar."

Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen

Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen
© pixologic / fotolia.com

Neues Verfahren bietet erstmals Heilungschance bei Lymphstauungen. Vor allem Krebspatienten haben darunter zu leiden: Zwar ist der Krebs erfolgreich behandelt, doch zurück bleiben Folgen wie beispielsweise Lymphstauungen an Armen und Beinen. Meist handelt es sich um geschwollene, schmerzende Extremitäten, in denen die Lymphflüssigkeit nicht mehr abfließen kann, weil das feine System der dafür nötigen Kanäle beschädigt wurde. Bisher konnten nur die Symptome gelindert werden, oft eine unbefriedigende und lebenslang leidvolle Situation für die Betroffenen. Die plastischen Chirurgen am...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Britta: „Ich bin mehr als Rheuma“"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)