Alterssichtigkeit: Wenn dann mal die Arme zu kurz werden
Birgit Frohn Dipl. biol.Auch die Augen kommen in die Jahre: Die Augenlinsen verlieren mit fortschreitendem Alter an Elastizität und können sich nicht mehr so leicht krümmen. Das geht auf Kosten der Sehschärfe, lässt sich jedoch wirksam korrigieren.
Die Presbyopsie, wie der Augenarzt die Alterssichtigkeit nennt, ist eine ganz normale Erscheinung im Rahmen des Alterungsprozesses. Bei jedem, auch wenn er früher gut sehen konnte, verschlechtert sich im Laufe der Jahre das Nahesehen. Typisch dafür ist, dass Zeitungen und Bücher immer weiter von den Augen entfernt gehalten werden müssen. Doch irgendwie scheinen die Arme täglich ein Stück kürzer zu werden... Der Augenoptiker sorgt dafür, dass sie wieder die richtige Länge bekommen.
Wie es zur Alterssichtigkeit kommt
Ab dem 45. Lebensjahr, bei manchen schon ab dem 40., beginnt sich der Linsenkern zu verhärten. Grund dafür sind Kalk und unlösliche Eiweißpartikel, die sich nach und nach einlagern. Dadurch wird die Augenlinse stetig zäher und kann sich nicht mehr so leicht wölben. Was sie jedoch muss, um vom Nah- auf Weitsehen und umgekehrt umzuschalten. Diese permanente Anpassung, Akkommodation genannt, ist Voraussetzung dafür, dass wir Gegenstände scharf sehen können; besonders jene in der Nähe.
Indem die Linse mit den Jahren ihre Fähigkeit zur Krümmung und Anpassung verliert, lässt sich in der Nähe schlechter scharf sehen. Der Nahepunkt – der am nächsten vor dem Auge liegende Punkt, an dem ein Gegenstand noch scharf erkennbar ist – rückt immer weiter weg. Das typische Problem bei der Alterssichtigkeit, dass vor allem beim Lesen stört. Auch Weitsichtige kennen das: um die Buchstaben noch klar erkennen zu können, muss die Lektüre weit weg von den Augen gehalten werden. Liegt der Abstand unter 30 Zentimetern, beginnen die Buchstaben zu verschwimmen. Weiteres typisches Symptom der Alterssichtigkeit ist, dass die Augen beim Nahesehen rasch ermüden. Dazu gesellen sich häufig dumpfe Kopfschmerzen. In der Ferne dagegen kann trotz Alterssichtigkeit weiterhin scharf und beschwerdefrei gesehen werden, sofern der Betreffende zuvor normalsichtig war.
Weitsichtige sind oft früher betroffen
Das Sehvermögen in jüngeren Jahren bestimmt darüber, wann und wie sich das unscharfe Nahesehen später auswirkt. Bei Weitsichtigen stellt sich dieses Phänomen eher ein, als bei Menschen ohne diese Sehstörung. Denn die Linsenalterung beeinträchtigt die ohnehin schwache Sehschärfe in der Nähe noch mehr. Viele benötigen deshalb bereits mit Mitte 30 eine Korrektur ihrer Alterssichtigkeit. Bei Normalsichtigen ist dies meist erst zwischen dem 45. und 50. Lebensjahr erforderlich. Kurzsichtige Menschen bemerken die Folgen der Alterssichtigkeit noch später. Einige von ihnen profitieren sogar davon, da ihre Sehstörung von der altersbedingten Weitsichtigkeit ausgeglichen wird. Zwar nur scheinbar, dennoch kann so mancher Kurzsichtige im Alter vollkommen auf eine Sehhilfe verzichten.
Lesebrillen eignen sich nur für das Nahsehen
Einerlei, ob man bislang gesunde Augen hatte, kurz- oder weitsichtig war: früher oder später bedarf die Alterssichtigkeit der Korrektur. Da hilft alles nichts, Medikamente oder Augentraining ebenso wenig wie Operationen oder Laserbehandlungen.
Nur geeignete Sehhilfen gleichen das unscharfe Nahesehen aus. Viele greifen dafür zur Lesebrille. Deren Stärke richtet sich nach dem Alter und der gewünschten Leseentfernung: je kürzer diese ist, desto stärker muss die Brille sein. Wer bisher normalsichtig war, mag mit einer solchen reinen Lesebrille ganz gut zu Recht kommen. Der Nachteil ist jedoch, dass sich diese nur zum Nahesehen eignet. Zum in die Ferne sehen muss die Lesebrille abgesetzt werden und möglicherweise eine andere auf. Also ein ständiges Hin und Her.
Gleitsicht ist ideal für nah und fern
Die beste Möglichkeit zur Korrektur der Alterssichtigkeit bieten deshalb so genannte Gleitsichtbrillen. Hier sind die Übergänge zwischen den einzelnen Zonen unsichtbar ins Glas eingeschliffen. Damit lässt sich ohne Bildsprünge in jeder Entfernung scharf sehen. Bis die Augen die für die jeweilige Entfernung passende Stelle im Glas finden, dauert es zwar ein wenig. Nach dieser Eingewöhnungszeit ist die Gleitsichtbrille dann aber die optimale Begleitung für den ganzen Tag.
Bei diesen Brillen stehen zwei Versionen zur Auswahl. Zum einen die Zweistärkengläser, auch Bifokalgläser genannt. Sie haben im unteren Abschnitt eine Sammellinse zur Nahkorrektur. Im oberen Teil ist die Korrekturstärke für die Fernsicht eingeschliffen. Die andere Variante sind Dreistärkengläser. Bei diesen Trifokalgläsern ist zwischen dem Abschnitt zum Nah- und Fernsehen noch eine dritte Linse eingeschliffen. Damit lässt sich auch bei mittleren Entfernungen scharf sehen. Trifokalbrillen empfehlen sich besonders bei stark ausgeprägter Alterssichtigkeit, wenn die Linse ihre Anpassungsfähigkeit weitgehend verloren hat.
So behalten Sie immer den Durchblick
Wo wir gerade bei Brillen sind: bei deren Reinigung gibt es einiges zu berücksichtigen. Vor allem auch, dass mangelnde Pflege nicht nur der Optik, sondern auch der Sehhilfe schadet. Denn durch Verunreinigungen zerkratzen die Gläser leichter; zumal wenn sie aus Kunststoff gefertigt sind.
Brillen sollten beim Reinigen nicht an den Bügeln oder am Steg, sondern stets am Rand des Brillenglases gehalten werden.
Einmal täglich wird die Brille geduscht: mit fließend lauwarmem Wasser gespült und dann mit einem Brillenputztuch sorgfältig getrocknet.
Für tagsüber und unterwegs sind Putztücher aus antistatischen Mikrofasern angezeigt. Denn die hauchdünnen Fasern wirken auf den Gläsern wie Staubsauger. Alles, ob Schmutzfilm, Staub oder Fettpartikel bleibt fest an ihnen haften. Zudem kommen die Mikrofasern in alle Ecken der Brille; selbst zwischen die feinen Schrauben am Gestell.
Zusätzlich sei der Sehhilfe alle drei bis vier Monate ein Ultraschallbad beim Augenoptiker gegönnt. Es entfernt in wenigen Minuten gründlich und schonend Verunreinigungen und ist in der Regel ein kostenloser Kundenservice.
Absolut tabu zur Brillenreinigung sind Papiertaschentücher. Die darin enthaltenen mineralischen Füllstoffe wirken nämlich wie Schleifpapier auf den Gläsern – deutlich sichtbar an feinsten Kratzern, die den Blick irreparabel trüben. Textilien wie Pullis oder T-Shirts für „schnell mal sauber“ sind ebenfalls ungeeignet, denn auch sie bergen ein hohes Kratzerrisiko.
Futter für das Sehvermögen
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Eine ganze Reihe von Mikronährstoffen hat positive Wirkungen auf die Sehfunktionen. Ganz oben auf der Liste stehen die Karotinoide Lutein und Zeaxanthin. Sie produzieren das Pigment der Makula, das dem Lichtschutz der Augenzellen dient und zum Sehen im Dunkeln unerlässlich ist.
Die besten Lieferanten für dieses Augenfutter sind grüne Gemüse und natürlich Karotten. Die Vitamine der B-Gruppe sowie die Vitamine A, C und E tragen ebenfalls zur Erhaltung einer guten Sehkraft bei. Folsäure, Omega-3-Fettsäuren sowie Selen unterstützen die Regenerations- und Reparaturprozesse in den Augen.