Herzkrank und reisen?
Birgit Frohn Dipl. biol.Wer mit einer Herzerkrankung plant zu verreisen, sollte sich nicht nur fragen, was er dafür in seinen Koffer packen möchte. Schließlich gilt es für die Betroffenen, vorab einiges zu klären und ihre Reise sorgfältig vorzubereiten.
Die Urlaubssaison läuft auf Hochtouren und natürlich freuen sich auch die zahllosen Menschen mit Herzerkrankungen hierzulande auf die lange ersehnte Auszeit. Doch deren Vorfreude wird oftmals getrübt. Denn sie haben sich mit einigen Bedenken auseinanderzusetzen. Beispielsweise ob sie überhaupt noch unbesorgt fliegen oder im Gebirge wandern können. Oder ob eine Reise in tropische Gefilde bei hohen Temperaturen eigentlich überhaupt noch möglich ist. Nur einige Fragen in einer langen Liste.
Möglichst ein ärztlicher Check-up vor Reisebeginn
Mindestens drei Wochen vor der Abreise sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Damit kann überprüft werden, ob die Herzerkrankung noch stabil ist und die Medikation lässt sich, falls erforderlich, anpassen. Zudem sind abhängig von der Art der Herzkrankheit und dem Reiseziel einige wichtige Punkte passend zum jeweiligen Risikoprofil zu klären.
Der passende Sicherheitsabstand
Um Risiken zu minimieren, sollten bestimmte Eingriffe und Herzerkrankungen vor dem Start der Reise sicherheitshalber eine Weile zurückliegen. Das empfehlen die Kardiolog:innen für die Abreise:
Bypass-OP: nach zehn Tagen, mit Flügen sollte 14 Tage gewartet werden
Stent-Implantation / PCI: nach drei Tagen, besser allerdings eine Woche später
Katheterablation: nach einer Woche
Implantation von CRT-Schrittmacher / Defibrillator: nach 14 Tagen
Frischer Herzinfarkt: bei niedrigem Risiko nach drei, besser jedoch nach 14 Tagen
Großer Eingriff am Herzen: nach 14 Tagen, bei Komplikationen nach sechs Wochen
Klima am Reiseziel: je ähnlicher, desto besser
Für Herzkranke gilt generell die Regel, dass sich das Klima am Urlaubsort nicht zu stark vom gewohnten in der Heimat unterscheiden sollte. Denn dies kann das Herz-Kreislauf-System zu sehr belasten. Für mitteleuropäische Reisende mit Herzerkrankungen bedeutet das, tropische und subtropische aber auch arktische und subarktische Regionen zu meiden. Auch für Reiseziele in Europa empfiehlt es sich, besser im Frühjahr oder Herbst die Koffer zu packen. Denn bekanntlich sorgt der Klimawandel inzwischen auch in ehemals gemäßigten Zonen für deutlich steigende Temperaturen. Für alle Reiseziele gilt unabhängig der Rat, es nach der Ankunft erst einmal ruhig angehen zu lassen, damit sich der Organismus eingewöhnen kann. Größere oder anstrengende Unternehmungen wie beispielsweise Wanderungen sollten entsprechend nicht gleich für die ersten Urlaubstage geplant werden.
Wie hoch hinaus?
Je höher es hinauf geht, desto mehr steigt die Belastung für das Herz. Der Grund dafür ist die dünner werdende Luft, wodurch weniger Sauerstoff in die Arterien gelangt und die Herzschlagrate ansteigt. Das macht Gesunden und umso mehr Herzkranken zu schaffen – nicht nur bei Bergwanderungen, sondern auch bei Reisen in hochgelegene Regionen. Bei leichter körperlicher Aktivität gilt als kritische Grenze bei Herzerkrankungen eine Höhe von 2.500 Metern. Bei intensiver Belastung wie einem Berganstieg liegt diese allerdings schon darunter, nämlich bei maximal 2.000 Metern. Betroffene sollten sich ihre Urlaubsziele deshalb besser in tiefer gelegenen Regionen suchen und bei Wanderungen – die bei Herzerkrankungen sehr empfohlen werden – auf den Höhenmesser achten.
Sicher über den Wolken
Flugreisen sind generell mit Herzerkrankungen möglich. Wichtig ist unabhängig von der Art der Erkrankung vor allem der Schutz vor gefährlichen Thrombosen. Er sollte intensiviert werden. Denn bekanntlich erhöht sich das Risiko für solche Blutgerinnsel bei längerem Sitzen ohne Bewegung, wie es bei Flugreisen der Fall ist. Die eingeschränkte Beinfreiheit tut ihr Übriges. Wer als Herzpatient:in an Bord geht, sollte deshalb unbedingt Kompressionsstrümpfe tragen. Weiterhin empfiehlt sich Gymnastik im Sitzen: regelmäßig mit beiden Füßen wippen, Fersen und Zehen abwechselnd anheben und die Unterschenkel strecken. Spaziergänge im Gang sind ebenfalls ratsam, sofern möglich. Sehr hilfreich ist es dazu, einen Gangplatz beim Einchecken zu wählen. Viel trinken, am besten Wasser; das beugt der Bildung von Thrombosen zusätzlich vor.
Unabhängig vom Thromboseschutz ist es wichtig, alle Medikamente, die während der direkten Reisezeit eingenommen werden müssen, im Handgepäck mitzuführen. Idealerweise auch etwas mehr, falls sich die Flugdauer verlängert oder es zu Verspätungen kommt.
Damit besser nicht reisen
Angina pectoris (Brustenge) bereits bei geringen Belastungen wie Treppensteigen
Atemnot bei geringen Belastungen wie ebenerdig Gehen oder Treppensteigen
starke Wassereinlagerungen (Ödeme)
wiederholter Schwindel
plötzliche Bewusstlosigkeit (Synkope)
Spezielle Tipps für einige Herzerkrankungen
Abhängig von der Art der Erkrankung sollte zur Reisevorbereitung noch Weiteres berücksichtigt werden.
Herzschwäche
Bei Gewichtszunahme, vermehrten Wassereinlagerungen oder Atemnot unter Belastung sollte ein Arztbesuch erfolgen. Vor einer Flugreise empfiehlt es sich, den Eisengehalt im Blut checken zu lassen. Denn er ist wichtig für eine ausreichende Aufnahme von Sauerstoff.
Koronare Herzkrankheit (KHK)
Für möglicherweise auftretende Angina pectoris (Brustenge) ist es erforderlich, entsprechende Notfallmedikamente griffbereit zu haben. Bei Flugreisen gehören diese unbedingt mit in das Handgepäck. Tritt Angina pectoris neu auf, ist ein Arztbesuch nötig. Hält die Brustenge an oder ist schwer ausgeprägt, sollte ein Notrettungsdienst gerufen werden.
Vorhofflimmern
Hier müssen zur Kontrolle des Herzrhythmus meist Präparate mit dem Wirkstoff Amiodaron eingenommen werden. Da dieser die Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Licht erhöht, muss stets sehr genau auf ausreichenden Sonnenschutz geachtet werden; idealerweise mit einem Lichtschutzfaktor (LSF) von mindestens 30, noch besser 50.
Herzklappenersatz
Bei künstlichen Herzklappen besteht das Risiko einer Entzündung, Endokarditis genannt. Deshalb werden die Träger:innen darüber aufgeklärt, wie sie vorbeugen können. Ein entsprechendes Merkblatt dazu erhalten sie ebenfalls, das auf jeden Fall mit ins Gepäck (bei Flugreisen ins Handgepäck) sollte. Kommt es erneut zu Atemnot bei Belastung, vermehrten Wassereinlagerungen oder Gewichtszunahme ist eine ärztliche Abklärung erforderlich. Zudem sollte der INR-Wert geprüft werden.
Implantiertes elektrisches Herzgerät
Sämtliche Informationen, auch technische Daten, zur Implantation mitnehmen. Ideal ist es, wenn diese in englischer Sprache abgefasst sind. Bei Flugreisen das Personal beim Sicherheitscheck darüber informieren, dass ein elektrisches Herzgerät eingesetzt ist. Damit lässt sich vermeiden, dass Handscanner nicht oder nur kurz über die Brust gehalten werden. Bei verlangsamten Herzschlag oder Muskelzucken im Bereich des Implantats ist ein Arztbesuch unumgänglich. Wer einen Defibrillator trägt, sollte sich vorab beim Hersteller des Geräts über Defi-Zentren am Reiseziel erkundigen. Denn bei Komplikationen wie etwa ungewöhnlichen Entladungen kann Hilfe in einem solchen Zentrum nötig werden.
Quelle:Deutsche Herzstiftung