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Was den zahllosen Obstsorten ihren süßen Geschmack verleiht, wird doch – weil ja ganz natürlich – nicht schlecht für die Gesundheit sein. Eine weit verbreitete, indessen jedoch irrtümliche Annahme. Denn Fruchtzucker, fachsprachlich Fruktose genannt, geht im körperlichen Stoffwechsel vollkommen anderer Wege als Glukose: Seine Verarbeitung erfolgt überwiegend in der Leber sowie in den Nieren. Als zentrales Entgiftungsorgan kann die Leber ein Zuviel an Fruchtzucker meist wieder ausgleichen. Bei den Nieren ist dies allerdings nicht der Fall.

Breiter Angriff auf die Nierengesundheit

Fruktose setzt der Gesundheit der Nieren gleich auf mehreren verschiedenen Ebenen zugleich zu. So ist sie die einzige Zuckerart, die bei ihrem Abbau im Stoffwechsel die Bildung von Harnsäure erhöht. Deren erhöhte Bildung ist ein wesentlicher Risikofaktor für Schädigungen der Nieren und Nierensteine. Weiterhin fördert Fruchtzucker die Entstehung von Entzündungsprozessen in den Nieren und die Verhärtung ihres Gewebes, die sogenannte Fibrose. Die nächste Gefahr besteht darin, dass beim Abbau von Fruktose in den Nieren viel Energie verbraucht wird. Diese fehlt dann in den Zellen der Blutgefäße im gesamten Körper und fördert deren Verengung. In Folge dessen werden auch die feinen Blutgefäße der Nieren geschädigt. Da Fruktose zudem die Entstehung von Übergewicht, Fettleber und Insulinresistenz fördert, kann sie auch auf diesem Wege die Nieren schädigen. Denn bei den genannten Beschwerden handelt es sich um zentrale Treiber für Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes. Diese beiden Erkrankungen zählen laut Prof. Dr. Sylvia Stracke, Nierenfachärztin an der Universitätsmedizin Greifswald, zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine chronische Nierenkrankheit, kurz CKD genannt. Insofern ergeben sich durch Fruktose eine ganze Reihe negativer Folgen für die Nierengesundheit: „Sie erhöht das Risiko für Nierensteine, vor allem Harnsäuresteine, für eine CKD und führt zu vermehrtem Eiweiß im Urin“, so Prof. Stracke. Letzteres, die sogenannte Albuminurie, ist ein frühes Anzeichen von Nierenschäden.

Unsere Nieren sind Hochleistungsorgane

Was sind die wichtigsten Organe für unsere Gesundheit? Dazu fällt den meisten Herz, Lungen und Immunsystem ein. Stimmt auch. Doch es gibt noch weitere wackere Mitstreiter. Dazu gehören allen voran die Nieren, die tagtäglich Schwerstarbeit leisten. So reinigen sie als körpereigene Kläranlagen binnen 24 Stunden rund dreihundertmal das gesamte Blut des Körpers. Die von ihnen herausgefilterten Gifte und Abfallstoffe landen mit dem Urin in der Kanalisation. Darüber hinaus und ebenfalls sehr wichtig, regulieren die Nieren auch den Flüssigkeitshaushalt im Körper.

Wo Fruchtzucker überall drinsteckt

Wie eingangs erwähnt, wird dieser Zucker meistens vollkommen ahnungslos aufgenommen. „Problematisch ist nicht Fruktose aus frischem Obst, sondern vor allem der zugesetzte Fruchtzucker in industriell hergestellten Lebensmitteln“, warnt Prof. Stracke. Deren Liste ist lang. Sie umfasst Soft- und Energydrinks, Limonaden, Eistees, aromatisierte Wässer, Fruchtjoghurts, Frühstückscerealien, Müsliriegel und Desserts. Auch in Fertigsaucen, Ketchup, Dressings sowie Backwaren und Snacks ist Fruchtzucker enthalten. Was zunächst kaum einer vermuten würde.

So kommt es, dass dieser Zucker so häufig in zu großer Menge konsumiert wird. „Viele unterschätzen, wie viel Fruktose sie allein über Getränke zu sich nehmen. Ein halber Liter Softdrink oder Energydrink kann bereits mehr Zucker enthalten, als für Erwachsene pro Tag empfohlen wird“, so Prof. Stracke.

„Besonders kritisch ist der Konsum zuckerhaltiger Getränke, da der Fruchtzucker damit schnell und in hoher Konzentration aufgenommen wird. Bei Hitze oder körperlicher Anstrengung gleichen sie den Flüssigkeitsmangel nicht aus, sondern verstärken ihn – das belastet die Nieren zusätzlich“.

Prof. Dr. Sylvia Stracke, Nierenfachärztin an der Universitätsmedizin Greifswald

Was jeder zum Nierenschutz tun kann

Mit wenigen, aber konsequent umgesetzten Verhaltensänderungen lässt sich viel für die Nierengesundheit tun und das persönliche Risiko für eine CKD deutlich senken. Dazu gehört allen voran, den Durst mit Wasser oder ungesüßten Tees statt mit zuckergesüßten Getränken wie Softdrinks zu löschen. Wichtig ist als Nächstes, stets einen prüfenden Blick auf die Zutatenlisten von Getränken und Nahrungsmitteln zu werfen. Steht darauf Fruktose-Glukose-Sirup, Maissirup oder gleich der Begriff Fruchtzucker ist das betreffende Produkt möglichst zu meiden. Auf diese Weise lässt sich die Zufuhr von Fruktose bereits um eine ganze Menge reduzieren.

Nierenexpert:innen empfehlen zudem, Normalgewicht anzustreben und zu halten sowie Bluthochdruck und Diabetes konsequent behandeln zu lassen. Da Nierenkrankheiten häufig lange unbemerkt verlaufen, gehört zum Nierenschutz auch die regelmäßige Kontrolle der Nierenwerte eGFR und UACR sowie von Blutdruck und Blutzucker. So lässt sich etwaigen Erkrankungen früh gegensteuern.

Auch die Politik steht in der Pflicht

Nicht zuletzt angesichts der Zunahme von CKD sind gesundheitspolitische Maßnahmen zur Reduktion des Zuckergehalts in Getränken und Fertigprodukten unerlässlich. Dazu zählen unter anderem eine klare Nährwertkennzeichnung, verbindliche Reduktionsziele für zugesetzten Zucker sowie eine stärkere gesundheitliche Aufklärung. Der aktuell diskutierten Einführung einer Zuckersteuer kommt ein besonderer Stellenwert zu. Denn sie erweist sich als überaus wirksam, wie internationale Daten zeigen. So kam eine Studie in 107 Ländern zum Ergebnis, dass der tägliche Konsum von Süßgetränken bei Schulkindern in Ländern mit Zuckersteuer deutlich geringer ist als in Ländern ohne diese Abgabe [1]. Weltweit erheben bereits 32 Länder Steuern auf Süßgetränke – mit messbarem Rückgang bei deren Aufnahme.

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Quelle:

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN) anlässlich des Weltnierentags am 12. März 2026.

Literatur:

(1)

Hu H. et al. (2023) Consumption of Soft Drinks and Overweight and Obesity Among Adolescents in 107 Countries and Regions. JAMA Network Open. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2023.25158