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01. Juli 2021
Seite 1/6

Palliativmedizin – Achtsame Behandlung der Patienten und Begleitung der Angehörigen

Interview mit Dr. med. Moritz Peill-Meininghaus, Helios Klinikum Berlin-Buch
Bei schweren und unheilbaren Erkrankungen und auch in Anbetracht einer immer älter werdenden Gesellschaft gewinnt die Palliativmedizin zunehmend an Bedeutung. In dieser letzten Lebensphase spielen vor allem die Betreuung und die Lebensqualität der Patienten, aber auch die Unterstützung der ihnen nahestehenden Bezugspersonen eine wesentliche Rolle. Mit einer achtsamen Behandlung sollen die letzten Lebensmonate weitgehend schmerzfrei erlebt werden, und die Patientinnen und Patienten* sollen keine Angst vor unerträglichen Schmerzen haben, sondern ihr Leben so aktiv wie möglich bis zum Tode leben. Dr. Moritz Peill-Meininghaus, Oberarzt an der Klinik für Onkologie und Palliativmedizin, Helios Klinikum Berlin-Buch, berichtet im Interview mit JOURNAL ONKOLOGIE u.a. vom Alltag und dem medizinischen und psychologischen Betreuungsangebot auf der Palliativstation.
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Wie viele Patienten versorgen Sie jährlich auf der Palliativstation, und wie lange bleiben diese im Durchschnitt dort?

In den Jahren 2012 bis 2016 hatten wir eine Palliativstation mit 10 Betten und im Schnitt 300 Patienten pro Jahr betreut. Seit 2017 haben wir 2 Stationen und sind inzwischen die zweitgrößte Palliativeinheit Deutschlands mit 21 Betten, die jederzeit belegbar sind. Durchschnittlich betreuen wir nun 400 Patienten im Jahr.

Die Liegezeit beträgt bei unseren Patienten normalerweise etwa 12 Tage – dann haben wir die Symptome meist kontrolliert, und es erfolgt die Verlegung entweder in stationäre Hospize, andere Krankenhäuser oder nach Hause – das hängt vom häuslichen Umfeld ab – aber die Patienten dürfen natürlich auch bei uns sterben. Durch die Pandemie sind diese Prozesse allerdings etwas verlangsamt, was z.B. bedeutet, dass die Hospize nicht mehr so schnell übernehmen können, sodass die Patienten oft wochen- oder sogar monatelang auf unserer Palliativstation liegen.

Dadurch haben wir auch nicht die Möglichkeit, alle, die bei uns anfragen, immer bei uns aufzunehmen. Tatsächlich aber könnten wir mit unseren beiden Palliativstationen 500 bis 600 nicht heilbar erkrankte Menschen pro Jahr qualitativ hochwertig versorgen. Das bedeutet einen hohen Durchlauf, und das ist eine enorme Herausforderung, vor allem für den Pflegedienst. Es sind ja die Pflegefachkräfte, die nachts, also gerade dann, wenn viele Patienten sterben, alleine sind und daher möglicherweise mit 2 bis 3 Todesfällen in der Nacht konfrontiert werden. Daher ist es bei dieser hohen Anzahl von Patienten sehr wichtig, die besonders belasteten Pflegekräfte zu schützen – das heißt, wir müssen auch „die Pflege pflegen“.

Handelt es sich auf Ihrer Station zum Großteil um Patienten mit einer onkologischen Erkrankung? Wie ist die Altersstruktur der Patienten?

Der Anteil der onkologischen Patienten liegt bei 97,5% und ist damit extrem hoch. Im palliativen Bereich gibt es außerdem noch Erkrankungen aus dem kardialen und pulmologischen Formenkreis. Ihre Erkrankung befindet sich in einem sehr fortgeschrittenem Stadium. Das Alter unserer Patienten liegt zwischen 18 Jahren bis ins höchste Alter. Das Durchschnittsalter liegt etwa bei ca. 60 Jahren.
Aufgrund einer Spezialisierung unserer Klinik auf Sarkom-Patienten sowie das Vorhandensein einer großen gynäkologischen Onkologie, haben wir nicht selten 4 bis 5 etwa 30- bis 40-jährige Patienten. Dies ist dann natürlich eine große Belastung für das Team, gerade, wenn es sich um junge Patienten, junge Väter und Mütter handelt, da sie nur noch eine sehr begrenzte Lebenserwartung haben.

Gibt es bei Ihnen auch eine ambulante Palliativbetreuung?

Wir sind eine stationäre Pflegeeinrichtung, mit einem spezialisierten Team, das eine umfassende Betreuung anbietet. Es gibt bei uns und bei vielen Palliativstationen keine eigene ambulante Betreuung, da dies ein ganz eigener Sektor ist. Hierfür bräuchte man zusätzliches
Personal, das in unserer Klinik momentan nicht zur Verfügung steht. Eine eigene Palliativsprechstunde befindet sich im Aufbau, sodass Menschen
vorbeikommen und sich vorab beraten lassen können.
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