Mittwoch, 20. November 2019
Navigation öffnen

Patientenbereich

23. Mai 2017 Faktencheck: Welchen Nutzen haben Vitamin-D-, Vitamin-E- und Selen-Präparate?

Jede vierte deutsche Frau und etwa jeder fünfte deutsche Mann nehmen Präparate zur Nahrungsergänzung. Im Zeitraum April 2015 bis März 2016 wurden insgesamt 177 Millionen Verpackungen verkauft.1 Doch schützt die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln tatsächlich vor Krankheiten? Die AOK Hessen hat Fakten zu Nutzen und Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln übersichtlich zusammengestellt.
Nahrungssupplemente sind in zahlreicher Form auf dem Markt erhältlich und versprechen doch alle das Gleiche: Die zusätzlichen Vitamine und Mineralstoffe gleichen einen Mangel aus und beugen Krankheiten vor. Ob das wirklich so stimmt, hat die AOK Hessen für die Vitamine D und E sowie Selen zusammengefasst, um Verbrauchern die Entscheidung zu erleichtern.

Vitamin D – Prävention vor Knochenbrüchen, Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Zur Vorbeugung von Knochenbrüchen konnte kaum ein Nutzen durch die zusätzliche Vitamin-D-Einnahme festgestellt werden. Lediglich in Kombination mit zusätzlichem Kalzium halfen die Präparate. Demgegenüber stehen die Nebenwirkungen: Einige Probanden klagten über Magen-Darm-Erkrankungen durch die Einnahme der Kombiwirkstoffe. Für Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurde kein Nutzen festgestellt. Von je 100 Probanden erkrankten insgesamt 17 Personen innerhalb von vier Jahren. Die zusätzliche Einnahme von Vitamin D spielte dabei keine Rolle.

Selen – Schutz vor Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Zu wenig Selen im Körper führt zu Mangelerkrankungen. Diese kommen bei uns jedoch recht selten vor. Selen kann mit der Ernährung über Fisch, Fleisch und Eier aufgenommen werden. Ein Zusammenhang zwischen Selen als Nahrungsergänzungsmittel und der Vorbeugung von Krebs konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Hingegen wurde eine Studie zur Wirksamkeit von Selen sogar abgebrochen, da eine Verbindung mit Typ-2-Diabetes vermutet wurde. Als Nahrungsergänzungsmittel steht es zudem in Verdacht, Haarausfall und Hauterkrankungen bei Männern zu begünstigen.

Vitamin E gegen Schwangerschaftskomplikationen?
Auch hier wurde kein erkennbarer Nutzen festgestellt. Eine zusätzliche Einnahme von Vitamin E konnte weder Blutungen aufgrund einer Plazenta-Ablösung noch Frühgeburten oder andere bekannte Schwangerschaftskomplikationen verhindern. Stattdessen wurde festgestellt, dass die Einnahme von Vitamin E während der Schwangerschaft Bauchschmerzen begünstigen kann.

Über eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann der menschliche Körper in der Regel ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt werden. Viele Nahrungsergänzungsmittel hingegen haben im besten Fall keinen Effekt, im ungünstigen Fall ist mit Nebenwirkungen zu rechnen. Anders ist dies jedoch bei bestimmten Personengruppen, wie beispielsweise Schwangeren, Stillenden oder Patienten, die dauerhaft bestimmte Medikamente einnehmen. Sie haben einen erhöhten Nährstoffbedarf und benötigen unter Umständen zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe. Genauere Angaben zu den Risikogruppen und deren Nährstoffbedarf können behandelnde Ärzte geben.

In den „Faktenboxen Gesundheit“ nimmt die AOK Hessen viele Gesundheitsthemen, zum Beispiel zum Röntgen, zu Impfungen, dem Organspendeausweis und der Pille unter die Lupe.

Weitere Ergebnisse sind auf der Website zusammengefasst: hessen.aok.de/inhalt/faktenboxen-gesundheit.

AOK Hessen

Literatur:

1 Quelle: Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V.  (https://www.bll.de/de/presse/pressemitteilungen/pm-20161104-marktdaten-nem)


Stichwörter

Weitere Beiträge zum Thema

Augenärzte testen Kontaktlinsen mit UV-Schutz

Augenärzte testen Kontaktlinsen mit UV-Schutz
© HQUALITY - stock.adobe.com

Intensive ultraviolette Strahlung des Sonnenlichts kann Bindehaut und Hornhaut am Auge schädigen. Jetzt testen Forscher, ob Kontaktlinsen mit eingebautem UV-Schutz solche Schäden verhindern können. Die Haftschalen wären hilfreich für Patienten, denen etwa nach einer Verätzung empfindliche Stammzellen der Hornhaut transplantiert wurden. Aber auch Außenarbeiter, die regelmäßig einer hohen UV-Bestrahlung ausgesetzt sind, könnten davon profitieren.   

Röntgeninstitut plant Mammografie mit audiovisueller Erlebniswelt

Röntgeninstitut plant Mammografie mit audiovisueller Erlebniswelt
© serhiibobyk - stock.adobe.com

Brustkrebs ist mit etwa 70.000 Neuerkrankungen im Jahr die häufigste onkologische Erkrankung bei Frauen. Daher wird der einst von der „American Cancer Society“ ausgerufene Internationale Brustkrebstag am 1. Oktober weltweit zum Anlass genommen, anhand von Informations- und Aufklärungskampagnen Aufmerksamkeit auf die Erkrankung zu lenken und speziell das Thema Vorsorge ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. „Werden bösartige Tumoren frühzeitig entdeckt, sind die Heilungschancen von Brustkrebs äußerst gut“, weiß Dr....

Migräne: Wenn extreme Hitze zu Kopfschmerzen führt

Migräne: Wenn extreme Hitze zu Kopfschmerzen führt
© kuznetsov_konsta / Fotolia.com

Das Wetter in Deutschland wird immer wärmer und für viele erfüllt sich der langersehnte Traum vom „richtigen Sommer“. Heiße Tage und laue Nächte erfreuen aber nicht alle. Während die einen glücklich im Café sitzen und die Sonnenstrahlen in sich aufsaugen, ist bei Migräne-Betroffenen die Freude oft gedämpft. Ein starker Temperaturwechsel kann bedeuten, dass sich innerhalb kürzester Zeit ein Pochen und Ziehen in der Schläfengegend meldet und die nächste Migräneattacke ankündigt. Gutes Trigger-Management...

Migräne: „World Brain Day“ widmet sich individualisierter Therapie

Migräne: „World Brain Day“ widmet sich individualisierter Therapie
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Der „World Brain Day“ widmet sich am 22. Juli dem Thema Migräne. In Deutschland sind etwa 10% der Bevölkerung von Migräne betroffen, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. Doch viele werden nicht diagnostiziert und ärztlich behandelt – sie therapieren sich stattdessen lieber selbst. Nicht selten führt das zu Chronifizierung und neuen Kopfschmerzen, denn Schmerzmedikamente können bei häufiger Einnahme Kopfschmerzen verursachen oder verstärken. Dabei lasse sich durch eine leitliniengerechte und individualisierte Therapie...

Extreme Hitze: Was müssen Herzpatienten beachten?

Extreme Hitze: Was müssen Herzpatienten beachten?
© Korn V. - stock.adobe.com

Sommerliche Hitze mit sehr hohen Temperaturen über 30 Grad Celsius kann zur Herausforderung besonders für ältere Menschen und diejenigen werden, die bereits wegen Herz- oder Blutdruckproblemen in Behandlung sind. Mögliche Folgen der hohen Temperaturen sind Müdigkeit und Schwindel sowie Blutdruckabfall bis hin zum Kreislaufkollaps, außerdem Herzrhythmusstörungen oder auch Muskelkrämpfe. „Diesen Folgen können Betroffene vorbeugen, indem sie mit ihrem behandelnden Arzt Vorsichtsmaßnahmen besprechen, die je nach Herzerkrankung...

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht
© M.studio / fotolia.com

Eine Studie mit mehr als 218.000 Teilnehmern aus über 50 Ländern zeigt: Nicht nur Obst, Gemüse und Nüsse sind herzgesund und verlängern das Leben, sondern auch nicht-verarbeitetes Fleisch und Milchprodukte. Die konsumierte Menge raffinierter Kohlenhydrate sollte begrenzt werden. Diese Studienergebnisse dürfen allerdings nicht als Freibrief für exzessiven Konsum für Fleisch und fetten Käse gesehen werden, sondern als Plädoyer für eine ausgewogene Ernährung, sagen deutsche Kardiologen.

Das könnte Sie auch interessieren

Ständig im Einsatz und am Limit: Anforderungen an Personal in Krankenhaus und Rettungsdienst

Ständig im Einsatz und am Limit: Anforderungen an Personal in Krankenhaus und Rettungsdienst
© chalabala - stock.adobe.com

Die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) startet die Online-Kampagne „Danke für 24/7“. Die Fachgesellschaft bedankt sich damit bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Krankenhaus und Rettungsdienst. Hier tragen Ärzte und Pflegekräfte 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche Sorge für Patientinnen und Patienten. Das verdient aus Sicht der DGIIN eine besondere und öffentliche Wertschätzung.

Wenn Stress den Rücken krank macht: Rückenschmerzen – eine Volkskrankheit

Wenn Stress den Rücken krank macht: Rückenschmerzen – eine Volkskrankheit
© Stasique / Fotolia.com

In Deutschland sind Rückenprobleme die Volkskrankheit Nummer 1. Laut dem DAK Gesundheitsreport leiden 75 % der Berufstätigen in Deutschland mindestens einmal im Jahr an Rückenbeschwerden – der zweithäufigste Grund für eine Krankschreibung. Manchmal ist die Ursache schnell gefunden, beispielsweise wenn der Patient kürzlich einen Unfall hatte oder an einer Erkrankung der Wirbelsäule leidet, und die Beschwerden lassen sich dementsprechend behandeln. Viel häufiger jedoch steht nach umfangreicher medizinischer Abklärung keine körperlich...

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018
© psdesign1 / fotolia.com

In deutschen Krankenhäusern sterben jährlich etwa 15 000 Patienten an Infektionen. Damit diese weitestgehend vermieden und Patienten schnellstmöglich behandelt werden können, ist ein gutes Infektions-management notwendig. Das Kompetenzzentrum „Mikrobiologie und Hygiene" der St. Franziskus-Stiftung Münster verfolgt dazu seit 2014 ein umfassendes interdisziplinäres Gesamtkonzept für mehr Patientensicherheit. Der Fokus liegt dabei auf der Infektionsvermeidung, dem Infektionsmanagement und sowie dem Schutz vor Keimübertragung. Das...

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018
© psdesign1 / fotolia.com

In deutschen Krankenhäusern sterben jährlich etwa 15 000 Patienten an Infektionen. Damit diese weitestgehend vermieden und Patienten schnellstmöglich behandelt werden können, ist ein gutes Infektions-management notwendig. Das Kompetenzzentrum „Mikrobiologie und Hygiene" der St. Franziskus-Stiftung Münster verfolgt dazu seit 2014 ein umfassendes interdisziplinäres Gesamtkonzept für mehr Patientensicherheit. Der Fokus liegt dabei auf der Infektionsvermeidung, dem Infektionsmanagement und sowie dem Schutz vor Keimübertragung. Das...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Faktencheck: Welchen Nutzen haben Vitamin-D-, Vitamin-E- und Selen-Präparate?"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.