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01. Oktober 2019
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Arzt-Patienten-Kommunikation: Komplexe Diagnosen

Komplexe Diagnosen zu erklären ist wesentlicher Bestandteil der Arzt-Patienten-Kommunikation. Das Gespräch sollte sich keinesfalls auf einen Monolog beschränken, sondern interaktiv gestaltet werden. Damit hat der Patient die Möglichkeit, Fragen zu stellen, seine eigenen Gedanken und Sorgen zu äußern und an der Entscheidungsfindung teilzuhaben. Gute Gesprächsführung wirkt sich positiv auf das Gesundheitsverhalten von Patienten aus, sprich auf die Adherence und die Compliance, auf den Gesundheitszustand der Patienten, die Patientenzufriedenheit und die Patientensicherheit. So sind etwa 80% der Klagen wegen Behandlungsfehlern auf Kommunikationsprobleme zurückzuführen. Auch die Arbeitszufriedenheit und die Gesundheit der Mitarbeiter stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Qualität der Gesprächsführung (1). Das heißt, gute Gesprächsführung ist kein „nice to have“, sondern ein zentrales Werkzeug in der Medizin, ein wesentlicher Punkt für Gesundheits-Outcomes.
Gelingt es, dem Patienten die Erkrankung verständlich zu machen, all seine Fragen zu beantworten, auf seine Emotionen, Sorgen, Zweifel und Erwartungen einzugehen und schließlich ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Entscheidungsfindung zu erzielen, ist der Patient ziemlich sicher mit an Bord, wenn es an die Umsetzung des Behandlungsplans geht.

Den Patienten abholen

Eine der großen Herausforderungen des Erklärens von komplexen Diagnosen ist es, das richtige Maß und die richtige Art der Information für jeden einzelnen Patienten bereitzustellen und in adäquater Weise zu vermitteln. Die Mehrzahl der Patienten will mehr wissen, als allgemein angenommen wird. Wenige Patienten möchten lieber nur das Nötigste an Information bekommen. Um nicht Gefahr zu laufen, zu viel oder zu wenig zu erklären, sollte man zunächst danach fragen, was der Patient bereits über seine Erkrankung weiß.
Sprich, man holt den Patienten dort ab, wo er sich im Moment befindet. Aber Achtung vor voreiligen Schlüssen: Das Milieu, aus dem ein Patient stammt, sagt manchmal nur wenig darüber aus, wie viel er über seine Erkrankung weiß! Nehmen wir das Beispiel Diabetes: Ein Universitätsprofessor für Physik hat unter Umständen weniger Ahnung von der Zuckerkrankheit als ein Bauarbeiter, der bereits sein halbes Leben mit der zuckerkranken Mutter verbracht hat. Eine Möglichkeit herauszufinden, was ein Patient bereits weiß, ist es, einfach danach zu fragen:
 
  • Arzt: „Ich würde gerne erfahren, was Sie bereits über Diabetes wissen.“
  • Patient: „Ich weiß ein bisschen darüber. Meine Mutter hat, seit ich ein Teenager war, Diabetes.“
  • Arzt: „Es wäre sehr hilfreich für mich zu erfahren, was genau Sie über die Erkrankung wissen und welche Fragen Ihnen auf der Zunge brennen“ (2).
Ebenfalls muss geklärt werden, wie viel ein Patient – im Moment – über seine Erkrankung erfahren will. Nehmen wir ein anderes Beispiel – einen Patienten mit neu diagnostiziertem Morbus Parkinson:
 
  • Arzt: „Es gibt sehr viel Information zum Thema Morbus Parkinson. Einige Patienten wollen gleich alles wissen, andere würden sich gerne auf das Wesentliche beschränken. Wie sieht es diesbezüglich bei Ihnen aus?“
  • Patient: „Im Moment bin ich etwas überfordert. Ich glaube nicht, dass ich jetzt besonders viel aufnehmen kann.“
  • Arzt: „Dann schlage ich vor, dass ich heute nur ein paar wenige Punkte mit Ihnen durchgehe und wir einen weiteren Termin ausmachen, bei dem vielleicht auch Ihre Frau dabei sein kann.“
Beim nächsten Termin hat der Patient den ersten Schock vielleicht schon verdaut und ist aufnahmefähiger.
Außerdem ist es wahrscheinlich hilfreich für den Betroffenen, wenn eine Person seines Vertrauens anwesend ist, für die die Informationen zur Erkrankung genauso relevant sind wie für ihn selbst.
 
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