Metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung (MASLD) / Nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD)
Dr. rer. nat. Marion Adam und Nina HaußerDie nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD von engl. non-alcoholic liver disease, Steatosis hepatis) wird heute als Metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD) oder Metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung bezeichnet und hat sich, parallel zu Adipositas, zu einer Epidemie entwickelt. Die Erkrankung ist durch eine Ansammlung von Fett in der Leber gekennzeichnet. Derzeit gibt es noch kein Medikament, das zur Behandlung zugelassen ist. Im Laufe der Zeit kann die MASLD bei betroffenen Patient:innen fortschreiten und zu Komplikationen wie Fibrose in der Leber, Leberzirrhose, Leberversagen und Leberkrebs führen.
Was ist eine nicht-alkoholische Fettleber?
Die Metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung ist eine der häufigsten Lebererkrankungen mit weltweit zunehmender Prävalenz. Es handelt sich hierbei um ein Spektrum von Erkrankungen der Leber, die ohne andere bekannte Ursachen wie z.B. dem übermäßigen Konsum von Alkohol bei der alkoholischen Fettleber auftreten .
Man spricht von einer Fettleber, wenn mehr als 5% des Lebergewichts aus Fett besteht. Entwickeln Patient:innen entzündliche Reaktionen, kann die metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung in eine schwerere Form der Erkrankung, die Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis (MASH), eine Fibrose und schließliche in eine Leberzirrhose übergehen. Während Entzündungen für das Fortschreiten der Erkrankung von wesentlicher Bedeutung sind, ist die Leberfibrose der stärkste Prädiktor für die Mortalität von betroffen Patient:innen.
Neue Fachterminologie seit 2023/2024
Der Begriff „nicht-alkoholisch“ wurde als stigmatisierend empfunden und beschrieb die Erkrankung nur negativ (= nicht durch Alkohol verursacht). Die neue Terminologie fokussiert auf die tatsächliche Ursache – die metabolische Dysfunktion – und ist für Patient:innen weniger belastend.
NAFLD (Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung) → MASLD (Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung)
NASH (Nicht-alkoholische Steatohepatitis) → MASH (Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis)
Wie häufig ist eine Metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung und wer ist betroffen?
Die weltweite Prävalenz der MASLD ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen und liegt aktuellen Schätzungen zufolge bei 38%. Auch in Deutschland zeigt sich die hohe Krankheitslast deutlich: Nahezu jede:r vierte Bundesbürger:in ist von einer Fettlebererkrankung betroffen, bei etwa vier Prozent der Bevölkerung liegt bereits eine metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis (MASH) vor.
Die Fettleber gehört zu den häufigsten Ursachen für hepatozelluläre Karzinome (HCC) und Lebertransplantationen. Sie wird zudem mit verschiedenen Erkrankungen außerhalb der Leber, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, in Verbindung gebracht. Die Fettleber steht auch in Zusammenhang mit Adipositas und Typ-2-Diabetes. Bis zu 70% der Menschen mit Übergewicht und mehr als 90% der krankhaft fettleibigen Menschen sind betroffen. Die Prävalenz der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung nimmt auch bei Kindern und Jugendlichen zu.
Was ist die Ursache der Metabolisch assoziierten Fettlebererkrankung?
Die genauen Mechanismen, warum sich bei manchen Menschen Fett in der Leber einlagert und bei anderen nicht, sind noch nicht vollständig geklärt. Ebenso ist nicht abschließend verstanden, welche Faktoren dazu führen, dass eine einfache hepatische Steatose in eine MASH übergeht. Gesichert ist jedoch, dass MASLD und MASH multifaktorielle Erkrankungen darstellen, bei denen genetische, metabolische und Lebensstil-assoziierte Faktoren zusammenwirken. Als Hauptrisikofaktoren gelten:
Adipositas – insbesondere die viszerale Fettakkumulation
Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes
Hyperlipidämie, vor allem erhöhte Triglyzeridspiegel
Diäten mit hohem Anteil an gesättigten Fettsäuren, Transfetten, ultraprozessierten Lebensmitteln (insbesondere fruktosehaltig) und raffinierten Kohlenhydraten
Körperliche Inaktivität
Genetische Faktoren
Welche Symptome zeigen sich bei einer Metabolisch assoziierten Fettlebererkrankung?
Die metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung verläuft in vielen Fällen klinisch stumm, was die Früherkennung erschwert. Treten Beschwerden auf, sind diese meist unspezifisch und umfassen:
Müdigkeit und Erschöpfung
Allgemeines Krankheitsgefühl
Druckgefühl odder Schmerzen im rechten Oberbauch
Mit Progression zur MASH und insbesondere bei Entwicklung einer Leberzirrhose können charakteristischere klinische Zeichen auftreten:
Pruritus (anhaltender Juckreiz)
periphere Ödeme, vor allem der unteren Extremitäten
Aszites
Ikterus
Leberhautzeichen
Splenomegalie
Wie wird die Fettlebererkrankung diagnostiziert?
Anamnese und Körperliche Untersuchung
Laboruntersuchungen
Ultraschall
Risikostratifizierung hinsichtlich des zugrundeliegenden Fibrosestadiums, z.B. mittels Elastografie
Ggf. Biopsie
Patient:innen, bei denen mittels nicht-invasiver Verfahren oder histologisch Hinweise auf eine Zirrhose bestehen, sollen regelmäßig bezüglich der Entwicklung von Leber-assoziierten Komplikationen überwacht werden.
Wie wird die Metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung therapiert?
Eine kausale Therapie existiert nicht. Seit 2025 steht mit Resmeritom eine medikamentöse Therapie zur Verfügung.
Bei übergewichtigen bzw. adipösen Patient:innen mit MASLD stellt die Gewichtsreduktion die wichtigste therapeutische Maßnahme dar. Bereits eine Gewichtsabnahme von mindestens 5% des Körpergewichts führt zu einer messbaren Verbesserung der hepatischen Steatose, der Inflammation sowie der Transaminasenwerte. Für eine Rückbildung der Leberfibrose ist jedoch eine deutlichere Gewichtsreduktion erforderlich: Hier sollte eine Abnahme von mindestens 10% des Ausgangsgewichts angestrebt werden, um strukturelle Verbesserungen des Lebergewebes zu erreichen. Patient:innen mit MASLD wird ein regelmäßiges aerobes Training von moderater bis mittlerer Intensität empfohlen. Als Zielwert gelten mindestens drei Stunden körperliche Aktivität pro Woche, um metabolische Parameter und die Leberfunktion positiv zu beeinflussen.
Die konsequente Behandlung metabolischer Komorbiditäten ist integraler Bestandteil der MASLD-Therapie. Insbesondere ein Typ-2-Diabetes, arterielle Hypertonie und Dyslipidämie sollten leitliniengerecht therapiert werden, da diese Erkrankungen sowohl die hepatische Progression fördern als auch das kardiovaskuläre Risiko erhöhen.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Fettlebererkrankung
Rund um das Thema Metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung stellen sich für Betroffene und Angehörige oft viele Fragen: zur Diagnose, zu Behandlungsmöglichkeiten, zu Nebenwirkungen oder zum Alltag mit der Erkrankung. In dieser Patient:innen-FAQ finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen.
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