Journal MED
nicht-alkoholische Fettleber
Inhaltsverzeichnis

Was ist eine nicht-alkoholische Fettleber?

Die Metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung ist eine der häufigsten Lebererkrankungen mit weltweit zunehmender Prävalenz. Es handelt sich hierbei um ein Spektrum von Erkrankungen der Leber, die ohne andere bekannte Ursachen wie z.B. dem übermäßigen Konsum von Alkohol bei der alkoholischen Fettleber auftreten .

Man spricht von einer Fettleber, wenn mehr als 5% des Lebergewichts aus Fett besteht. Entwickeln Patient:innen entzündliche Reaktionen, kann die metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung in eine schwerere Form der Erkrankung, die Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis (MASH), eine Fibrose und schließliche in eine Leberzirrhose übergehen. Während Entzündungen für das Fortschreiten der Erkrankung von wesentlicher Bedeutung sind, ist die Leberfibrose der stärkste Prädiktor für die Mortalität von betroffen Patient:innen.

Neue Fachterminologie seit 2023/2024

Der Begriff „nicht-alkoholisch“ wurde als stigmatisierend empfunden und beschrieb die Erkrankung nur negativ (= nicht durch Alkohol verursacht). Die neue Terminologie fokussiert auf die tatsächliche Ursache – die metabolische Dysfunktion – und ist für Patient:innen weniger belastend.

  • NAFLD (Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung) → MASLD (Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung)

  • NASH (Nicht-alkoholische Steatohepatitis) → MASH (Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis)

Wie häufig ist eine Metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung und wer ist betroffen?

Die weltweite Prävalenz der MASLD ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen und liegt aktuellen Schätzungen zufolge bei 38%. Auch in Deutschland zeigt sich die hohe Krankheitslast deutlich: Nahezu jede:r vierte Bundesbürger:in ist von einer Fettlebererkrankung betroffen, bei etwa vier Prozent der Bevölkerung liegt bereits eine metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis (MASH) vor.

Die Fettleber gehört zu den häufigsten Ursachen für hepatozelluläre Karzinome (HCC) und Lebertransplantationen. Sie wird zudem mit verschiedenen Erkrankungen außerhalb der Leber, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, in Verbindung gebracht. Die Fettleber steht auch in Zusammenhang mit Adipositas und Typ-2-Diabetes. Bis zu 70% der Menschen mit Übergewicht und mehr als 90% der krankhaft fettleibigen Menschen sind betroffen. Die Prävalenz der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung nimmt auch bei Kindern und Jugendlichen zu.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

Mikrobiom-Signaturen ermöglichen präzise Diagnosen der NAFLD

Jetzt lesen

Was ist die Ursache der Metabolisch assoziierten Fettlebererkrankung?

Die genauen Mechanismen, warum sich bei manchen Menschen Fett in der Leber einlagert und bei anderen nicht, sind noch nicht vollständig geklärt. Ebenso ist nicht abschließend verstanden, welche Faktoren dazu führen, dass eine einfache hepatische Steatose in eine MASH übergeht. Gesichert ist jedoch, dass MASLD und MASH multifaktorielle Erkrankungen darstellen, bei denen genetische, metabolische und Lebensstil-assoziierte Faktoren zusammenwirken. Als Hauptrisikofaktoren gelten:

  • Adipositas – insbesondere die viszerale Fettakkumulation

  • Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes

  • Hyperlipidämie, vor allem erhöhte Triglyzeridspiegel

  • Diäten mit hohem Anteil an gesättigten Fettsäuren, Transfetten, ultraprozessierten Lebensmitteln (insbesondere fruktosehaltig) und raffinierten Kohlenhydraten

  • Körperliche Inaktivität

  • Genetische Faktoren

Welche Symptome zeigen sich bei einer Metabolisch assoziierten Fettlebererkrankung?

Die metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung verläuft in vielen Fällen klinisch stumm, was die Früherkennung erschwert. Treten Beschwerden auf, sind diese meist unspezifisch und umfassen:

  • Müdigkeit und Erschöpfung

  • Allgemeines Krankheitsgefühl

  • Druckgefühl odder Schmerzen im rechten Oberbauch

Mit Progression zur MASH und insbesondere bei Entwicklung einer Leberzirrhose können charakteristischere klinische Zeichen auftreten:

  • Pruritus (anhaltender Juckreiz)

  • periphere Ödeme, vor allem der unteren Extremitäten

  • Aszites

  • Ikterus

  • Leberhautzeichen

  • Splenomegalie

Mundbakterien im Darm verschlimmern chronische Lebererkrankung

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

Mundbakterien im Darm verschlimmern chronische Lebererkrankung

Jetzt lesen

Wie wird die Fettlebererkrankung diagnostiziert?

  • Anamnese und Körperliche Untersuchung

  • Laboruntersuchungen

  • Ultraschall

  • Risikostratifizierung hinsichtlich des zugrundeliegenden Fibrosestadiums, z.B. mittels Elastografie

  • Ggf. Biopsie

Patient:innen, bei denen mittels nicht-invasiver Verfahren oder histologisch Hinweise auf eine Zirrhose bestehen, sollen regelmäßig bezüglich der Entwicklung von Leber-assoziierten Komplikationen überwacht werden.

Wie wird die Metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung therapiert?

Eine kausale Therapie existiert nicht. Seit 2025 steht mit Resmeritom eine medikamentöse Therapie zur Verfügung.

Bei übergewichtigen bzw. adipösen Patient:innen mit MASLD stellt die Gewichtsreduktion die wichtigste therapeutische Maßnahme dar. Bereits eine Gewichtsabnahme von mindestens 5% des Körpergewichts führt zu einer messbaren Verbesserung der hepatischen Steatose, der Inflammation sowie der Transaminasenwerte. Für eine Rückbildung der Leberfibrose ist jedoch eine deutlichere Gewichtsreduktion erforderlich: Hier sollte eine Abnahme von mindestens 10% des Ausgangsgewichts angestrebt werden, um strukturelle Verbesserungen des Lebergewebes zu erreichen. Patient:innen mit MASLD wird ein regelmäßiges aerobes Training von moderater bis mittlerer Intensität empfohlen. Als Zielwert gelten mindestens drei Stunden körperliche Aktivität pro Woche, um metabolische Parameter und die Leberfunktion positiv zu beeinflussen.

Die konsequente Behandlung metabolischer Komorbiditäten ist integraler Bestandteil der MASLD-Therapie. Insbesondere ein Typ-2-Diabetes, arterielle Hypertonie und Dyslipidämie sollten leitliniengerecht therapiert werden, da diese Erkrankungen sowohl die hepatische Progression fördern als auch das kardiovaskuläre Risiko erhöhen.

Patient:innen-FAQ

Häufig gestellte Fragen zum Thema Fettlebererkrankung

Rund um das Thema Metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung stellen sich für Betroffene und Angehörige oft viele Fragen: zur Diagnose, zu Behandlungsmöglichkeiten, zu Nebenwirkungen oder zum Alltag mit der Erkrankung. In dieser Patient:innen-FAQ finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen.

Literatur:

(1)

Younossi Z.M., Koenig A.B., Abdelatif D., Fazel Y., Henry L., Wymer M. Global epidemiology of nonalcoholic fatty liver disease-Meta-analytic assessment of prevalence, incidence, and outcomes. Hepatology. 2016;64:73–84. DOI: 10.1002/hep.28431

(2)

NAFLD: Mechanisms, Treatments, and Biomarkers. Nassir F. Biomolecules. 2022 Jun 13;12(6):824. DOI: 10.3390/biom12060824.

(3)

Eslam M., Sanyal A.J., George J., Sanyal A., Neuschwander-Tetri B., Tiribelli C., Kleiner D.E., Brunt E., Bugianesi E., Yki-Järvinen H., et al. MAFLD: A Consensus-Driven Proposed Nomenclature for Metabolic Associated Fatty Liver Disease. Gastroenterology. 2020;158:1999–2014. DOI: 10.1053/j.gastro.2019.11.312.

(4)

Dulai P.S., Singh S., Patel J., Soni M., Prokop L.J., Younossi Z., Sebastiani G., Ekstedt M., Hagstrom H., Nasr P., et al. Increased risk of mortality by fibrosis stage in nonalcoholic fatty liver disease: Systematic review and meta-analysis. Hepatology. 2017;65:1557–1565. DOI: 10.1002/hep.29085.

(5)

Wong R.J., Aguilar M., Cheung R., Perumpail R.B., Harrison S.A., Younossi Z.M., Ahmed A. Nonalcoholic steatohepatitis is the second leading etiology of liver disease among adults awaiting liver transplantation in the United States. Gastroenterology. 2015;148:547–555. DOI: 10.1053/j.gastro.2014.11.039.

(6)

Adams L.A., Anstee Q.M., Tilg H., Targher G. Non-alcoholic fatty liver disease and its relationship with cardiovascular disease and other extrahepatic diseases. Gut. 2017;66:1138–1153. DOI: 10.1136/gutjnl-2017-313884.

(7)

Nobili V., Alisi A., Valenti L., Miele L., Feldstein A.E., Alkhouri N. NAFLD in children: New genes, new diagnostic modalities and new drugs. Nat. Rev. Gastroenterol. Hepatol. 2019;16:517–530. DOI: 10.1038/s41575-019-0169-z.

(8)

Mantovani A., Dalbeni A. Treatments for NAFLD: State of Art. Int. J. Mol. Sci. 2021;22:2350. DOI: 10.3390/ijms22052350.

(9)

Hallsworth K., McPherson S., Anstee Q.M., Flynn D., Haigh L., Avery L. Digital Intervention With Lifestyle Coach Support to Target Dietary and Physical Activity Behaviors of Adults With Nonalcoholic Fatty Liver Disease: Systematic Development Process of VITALISE Using Intervention Mapping. J. Med. Internet Res. 2021;23:e20491. DOI: 10.2196/20491.

(10)

Stefan N et al. (2025) Metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease: heterogeneous pathomechanisms and effectiveness of metabolism-based treatment, Lancet, DOI: 10.1016/S2213-8587(24)00318-8

(11)

Deutsche Leberhilfe e.V.: Deutscher Lebertag – Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen: Neue Fachbegriffe sollen Unterschiede klarer zeigen und Stigmatisierung vermeiden, abrufbar unter: https://www.leberhilfe.org/deutscher-lebertag-nicht-alkoholische-fettlebererkrankungen-neue-fachbegriffe-sollen-unterschiede-klarer-zeigen-und-stigmatisierung-vermeiden/

(12)

Fatty Liver Alliance: 10 Causes or Contributing Factors for MASLD and MASH, abrufbar unter: https://fattyliver.ca/blog/f/10-causes-or-contributing-factors-for-masld-and-mash

(13)

AWMF: Aktualisierte S2k-Leitlinie nicht-alkoholische Fettlebererkrankungder Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs-und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), abrufbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/021-025l_S2k_-NAFLD-Nicht-alkoholische-Fettlebererkrankungen_2022-10_01.pdf

Die metabolische Fettlebererkrankung MASLD ist in der Bevölkerung weit verbreitet und kann in eine nicht-alkoholische Steatohepatitis (MASH) mit Fibrose übergehen. Betroffene mit ausgeprägter Fibrose (Stadien F2 und F3) haben ein 10- bis 17-fach höheres Risiko für leberassoziierte Mortalität im Vergleich zu Patient:innen ohne Fibrose [1]. Mit Resmetirom steht in Deutschland jetzt eine leberspezifische Therapie für Patient:innen mit MASH (Metabolische Dysfunktion-assoziierter Steatohepatitis) und fortgeschrittener Leberfibrose zur Verfügung.
Lesen Sie mehr 
Medizin
Positives CHMP-Gutachten für Resmetirom zur Behandlung von MASH mit mittelschwerer bis fortgeschrittener Leberfibrose

Positives CHMP-Gutachten für Resmetirom zur Behandlung von MASH mit mittelschwerer bis fortgeschrittener Leberfibrose

Am 20. Juni 2025 hat der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) eine positive Stellungnahme zur Zulassung von Resmetirom abgegeben. Der Wirkstoff soll zur Behandlung von erwachsenen Patient:innen mit nicht-zirrhotischer Metabolischer Dysfunktion-assoziierter Steatohepatitis (MASH) und mittelschwerer bis fortgeschrittener Leberfibrose eingesetzt werden. Eine Entscheidung der Europäischen Kommission über die Zulassung wird im August 2025 erwartet.
Lesen Sie mehr 
Medizin

Mikrobiom-Signaturen ermöglichen präzise Diagnosen der NAFLD

Forschenden gelang es in einer Studie mit medizinischen Daten von mehr als 1.200 Personen, spezifische Mikrobiom-Signaturen zu identifizieren, die eine präzise Vorhersage der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD) ermöglichen. Die Probanden litten an verschiedenen Stoffwechselkrankheiten wie Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Atherosklerose, die alle als typische Begleiterkrankungen einer NAFLD gelten.
Lesen Sie mehr