Stille Entzündungen machen uns krank im Alter
Lukas HoffmannEntzündliche Prozesse stünden in einem direkten Zusammenhang mit verschiedenen Alterskrankheiten, betonte Prof. Dr. Ursula Müller-Werdan, Leiterin der Forschungsgruppe Geriatrie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, auf der Pressekonferenz des 132. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden. Mit einer angepassten Ernährung könnten Patient:innen hier gegensteuern.
Entzündungen sind zentrale Treiber des Alterns
„Gebrechlichkeit ist nicht zwangsläufig Teil des Alterns“, sagte Müller-Werdan. „Nicht jeder wird gebrechlich, und wir in der Geriatrie wissen, dass wir das zum Teil auch ein wenig zurückdrehen können.“ Studien hätten gezeigt, dass knapp 85% der gebrechlichen Patient:innen anämisch sind. Die Anämie dieser Patient:innen sei dabei oft entzündungsbedingt, was Müller-Werdan zu dem Hauptthema ihres Vortrags führte: dem Konzept des Entzündungsalterns (Inflammaging).
Chronische, niederschwellige Entzündungen seien ein zentraler Treiber des Alterns, sagte Müller-Werdan. Diese Entzündungen machen den Körper anfälliger für Stressoren und Krankheiten. So konnten bei Patient:innen mit Vorhofflimmern erhöhte Entzündungsfaktoren im Blut nachgewiesen werden. Gleichzeitig seien Menschen mit rheumatologischen Erkrankungen, die ebenfalls entzündliche Ursachen haben, besonders anfällig für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Pflanzenbasierte Ernährung als Gegenmaßnahme
„Die Forschung zeigt, dass diese stillen Entzündungen modulierbar sind, zum Beispiel durch Ernährung“, sagte Müller-Werdan. Weniger entzündungsförderliche Lebensmittel würden das Entzündungsalter beeinflussen. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für eine pflanzenbasierte Ernährung. Dieser Empfehlung zufolge soll die Ernährung hauptsächlich aus pflanzlichen Lebensmitteln (Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse, Öle) und nur zu einem geringen Teil aus Lebensmitteln tierischen Ursprungs bestehen [1].
Gerade bei gebrechlichen Patient:innen konnte zudem ein Mangel an Zink und Selen festgestellt werden. Dies schwächt die Wundheilung. Auch die Eisenhomöostase ist bei hoher Entzündungsaktivität gestört.
Altern ist Folge einer begrenzten Ressourcenallokation
Altern sei kein unveränderliches Schicksal, betonte Müller-Werdan, sondern die Folge einer begrenzten Ressourcenallokation. Höhere Lebewesen wie Menschen würden weniger Energie in Reparaturmechanismen investieren als einfachere Organismen wie Schildkröten. Deshalb sammelten sich bei Menschen Schäden mit der Zeit stärker an und würden eher sichtbar.
Wenn Altern aber eine Anhäufung von Reparaturversäumnissen wie Telomerverkürzung oder genomische Instabilität ist, dann ist dieser Prozess prinzipiell modulierbar und verdiene besser erforscht zu werden, sagte Müller-Werdan. Offenbar sehen das ihre internistischen Kolleg:innen ähnlich. Im nächsten Jahr wird der DGIM-Kongress unter dem Motto „Gesund älter werden“ stehen – mit Müller-Werdan als Kongresspräsidentin.
Quelle:Pressekonferenz anlässlich des 132. Kongresses der DGIM, 20.04.2026, Wiesbaden
Literatur:
- (1)
Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Pflanzenbasierte Ernährung, abrufbar unter: https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/pflanzenbasierte-ernaehrung, letzter Zugriff: 21.04.2026.