Zum Weltnichtrauchertag: Rauchen schadet auch dem Gehirn
Rauchen schädigt nicht nur Lunge und Herz – auch das Gehirn leidet massiv unter Tabakkonsum. Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Demenz, ALS, Migräne oder Polyneuropathien treten bei Raucherinnen und Rauchern häufiger auf oder verlaufen z. T. schwerer. Viele dieser Zusammenhänge sind in der Öffentlichkeit bislang kaum bekannt. Zum Weltnichtrauchertag 2026 am 31. Mai macht die Deutsche Gesellschaft für Neurologie auf die oft unterschätzten neurologischen Folgen des Rauchens aufmerksam.
Tabakkonsum auf Platz zwei der Schlaganfall-Risikofaktoren
Rauchen gilt bei zahlreichen neurologischen Erkrankungen als Risikofaktor bzw. als mitverursachender oder begünstigender Faktor. Bekannt ist das beim Schlaganfall, denn jeder weiß, dass Rauchen die Gefäße schädigt. Überraschend ist jedoch das Ausmaß: In einer aktuellen Arbeit zur Prävention [1], die im Journal Neurological Research and Practice erschienen ist, wird dargelegt, dass Tabakkonsum Platz zwei unter den Risikofaktoren für Hirninfarkte (ischämische Schlaganfälle, die durch Gefäßverstopfungen entstehen und 80−85% aller Schlaganfälle ausmachen) und Platz fünf unter denen für Hirnblutungen (hämorrhagische Schlaganfälle) belegt.
Demnach hat Rauchen einen Anteil von 14,6% an den sog. Disability-Adjusted Life Years („behinderungsbereinigte Lebensjahre“), also den Lebensjahren, die durch Schlaganfälle aufgrund von Behinderung oder Tod verloren gehen.
Demenzrisiko durch Rauchen um 30% erhöht
Sehr viel weniger bekannt sind die durchaus auch drastischen Auswirkungen des Rauchens auf das Demenzrisiko, sowohl auf Alzheimer als auch auf das Risiko vaskulärer Demenzen. Diese sind nach Alzheimer die zweithäufigste Demenzform und entstehen durch Gefäßveränderungen im Gehirn, wodurch Nervenzellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.
Schon vor gut zehn Jahren zeigte eine große Metaanalyse [2], die 37 Studien auswertete: Im Vergleich zu Nichtraucher:innen haben aktuelle Raucher:innen ein deutlich erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken. Die Metaanalyse zeigte ein um etwa 30% höheres Risiko für Demenz insgesamt, ein um rund 40% erhöhtes Risiko für Alzheimer-Demenz und ein um etwa 38% höheres Risiko für vaskuläre Demenz. Zudem stieg das Demenzrisiko mit der Menge der konsumierten Zigaretten weiter an: Pro 20 Zigaretten täglich erhöhte es sich um etwa 34%. Die Studie zeigte aber auch: Ehemalige Raucherinnen und Raucher hatten kein erhöhtes Risiko mehr – es lohnt sich also, das Rauchen aufzugeben.
ALS-Risiko besonders bei Frauen erhöht
Was bisher kaum öffentlich thematisiert wird, ist, dass Rauchen auch einen relevanten Risikofaktor für Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) darstellt. Als mögliche Mechanismen werden oxidativer Stress, Entzündungsprozesse, Schädigungen der Mitochondrien, Gefäßschäden sowie neurotoxische Substanzen im Tabakrauch diskutiert. Eine aktuelle Metaanalyse [3] weist auf einen signifikanten Zusammenhang zwischen Rauchen und einem erhöhten Risiko für ALS hin, und zwar dosisabhängig ; besonders ausgeprägt war dieses bei Frauen. Wie die Autor:innen diskutieren, sind Frauen häufig von der sogenannten bulbären Form der Erkrankung betroffen, die vom Hirnstamm ausgeht und zunächst Symptome beim Sprechen und Schlucken verursacht. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass Rauchen möglicherweise als Risikofaktor für bulbäre ALS wirkt oder zu einem früheren Krankheitsbeginn bei Frauen beiträgt.
Rauchen verschlimmert Polyneuropathie und Migräne
Rauchen gilt auch als einer von vielen Risikofaktoren bei nicht lebensbedrohlichen neurologischen Erkrankungen wie der peripheren Polyneuropathie oder der Migräne. Rauchen beeinflusst hier auch den Krankheitsprozess. Bei Polyneuropathie wird die Regeneration peripherer Nerven beeinträchtigt und neuropathische Schmerzen werden verstärkt. Bei Migräne kann Nikotin Kopfschmerzattacken triggern.
DGN fordert verstärkte Prävention und Aufklärung
„Aus neurologischer Sicht ist Rauchen einer der wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren überhaupt. Umso wichtiger ist es, Menschen dazu zu bewegen, nicht zu rauchen bzw. sie beim Aufhören zu unterstützen. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) setzt sich deshalb gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften konsequent für Prävention, Aufklärung und wirksame Maßnahmen zur Tabakentwöhnung ein und ist Mitglied im Aktionsbündnis Nichtrauchen e. V. [4]“, erklärt DGN-Generalsekretär Prof. Dr. Peter Berlit zum Weltnichtrauchertag 2026.
Quelle:Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.
Literatur:
- (1)
Thielscher CS et al. (2026) Prevention in stroke - Current state, present gaps and probable next steps. Neurol Res Pract, DOI: 10.1186/s42466-026-00479-3.
- (2)
Zhong G et al. (2015) Smoking is associated with an increased risk of dementia: a meta-analysis of prospective cohort studies with investigation of potential effect modifiers. PLoS One. DOI: 10.1371/journal.pone.0118333.
- (3)
Kim K et al. (2024) Association of smoking with amyotrophic lateral sclerosis: A systematic review, meta-analysis, and dose-response analysis. Tob Induc Dis. DOI: 10.18332/tid/175731.
- (4)
Das Aktionsbündnis Nichtrauchen e.V. (ABNR), abrufbar unter: https://www.abnr.de/