Journal MED
Medizin
Inhaltsverzeichnis

Krankhafte Prozesse erstmals direkt im Gehirn beobachten

„Mit diesem neuen Verfahren können wir krankhafte Prozesse erstmals direkt im Gehirn beobachten – und weitere Arbeiten werden zeigen, ob dies auch gelingt, bevor klinische Symptome eindeutig sind“, sagt Prof. Dr. Kristina Herfert vom Werner Siemens Imaging Center am Universitätsklinikum Tübingen, die die Studie zusammen mit Prof. Dr. Armin Giese und Prof. Dr. Christian Griesinger leitete [1]. „Das eröffnet neue Möglichkeiten für eine frühere und genauere Diagnose.“

Von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung am Menschen

Der neue Tracer mit dem Namen [¹¹C]MODAG-005 wurde in mehreren Entwicklungsschritten chemisch optimiert unter Zuhilfenahme von Tiermodellen bis hin zu ersten Untersuchungen bei Patient:innen. „Die Kombination von Chemie und den geeigneten biochemischen und tierexperimentellen Tests war nur in Teamarbeit möglich„, sagt Prof. Dr. Christian Griesinger, Direktor am Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften [1]. Erste Ergebnisse aus der vorklinischen Studie anhand dreier Patient:innen deuten darauf hin, dass sich unterschiedliche Krankheitsformen anhand charakteristischer Muster im Gehirn unterscheiden lassen. „Die Übereinstimmung der Bilder mit den Erwartungen der Neuropathologen für die unterschiedlichen Erkrankungen ist ein entscheidender Schritt hin zu einer verlässlichen bildgebenden Diagnostik bei diesen neurologischen Erkrankungen“, erklärt der Neuropathologe Prof. Dr. Armin Giese, Chief Scientific Officer von MODAG [1].

Neue Chancen für Therapien und personalisierte Medizin

Neben der Diagnostik bietet die neue Technologie auch großes Potenzial für die Entwicklung und Bewertung neuer Medikamente. So kann erstmals direkt im Gehirn überprüft werden, ob ein Wirkstoff tatsächlich an seinem Ziel ankommt und wirkt. Dies könnte zukünftige klinische Studien effizienter machen und die Entwicklung neuer Therapien beschleunigen. Gleichzeitig eröffnet sich die Möglichkeit, Krankheitsverläufe individueller zu verfolgen und Behandlungen besser auf einzelne Patient:innen abzustimmen. „Für die pharmazeutische Forschung ist das ein Meilenstein“, betont Armin Giese, CSO von MODAG [1]. „Wir können künftig viel gezielter prüfen, ob neue Wirkstoffe tatsächlich das krankheitsauslösende Protein beeinflussen.“

Perspektiven für Patient:innen und Gesundheitssystem

Langfristig könnte die neue Bildgebungstechnologie dazu beitragen, Krankheitsverläufe durch eine frühe Diagnose zu verlangsamen und Therapien gezielter einzusetzen. Die Forschenden sehen ihre Arbeit als wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer besseren Versorgung von Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen – vergleichbar mit den Fortschritten, die bildgebende Verfahren bereits in der Alzheimer-Forschung ermöglicht haben.

Immuno-Infrarot-Sensor erkennt Alzheimer und Parkinson im Blut

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

Immuno-Infrarot-Sensor erkennt Alzheimer und Parkinson im Blut

Jetzt lesen
Quelle:

Universitätsklinikum Tübingen

Literatur:

(1)

Saw RS et al. (2026) The PET tracer [11C]MODAG-005 targets alpha-synuclein aggregates in the brain, Science Translational Medicine, DOI: 10.1126/scitranslmed.aec0813

Stichwörter