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Entzündliche Frühphase entscheidend für Wirksamkeit der Therapie

Die anti-IgLON5-Erkrankung wurde erst 2014 erstmals beschrieben und tritt typischerweise im höheren Lebensalter auf. „Die erste Phase ist durch entzündliche Prozesse im Gehirn gekennzeichnet“, erklärt Thomas Grüter, Bochum „Während dieser Phase kann eine Immuntherapie noch etwas bewirken.“ Später tritt die Entzündung in den Hintergrund, und es werden zunehmend Nervenzellen und -fasern abgebaut. Die Immuntherapie wirkt dann in der Mehrheit der Fälle nicht mehr effektiv.

Anti-IgLON5-Syndrom wird häufig zu spät diagnostiziert

Eingeschlossen werden konnten 107 Patient:innen aus aller Welt, deren Daten über drei große Zentren in Deutschland, den Niederlanden und Spanien gesammelt und ausgewertet wurden. Im Durchschnitt wurde die Erkrankung im Alter von 64 Jahren diagnostiziert. Jedoch erhielt nur gut ein Drittel der Betroffenen die Diagnose binnen eines Jahres nach dem Auftreten der ersten Symptome. „Die Erkrankung ist neu und selten. Ihre Symptome ähneln denen mehrerer anderer neurologischer Krankheiten – etwa der atypischen Parkinson-Erkrankung, der bulbären Myasthenie oder auch der Motoneuronerkrankung. Die Diagnose ist äußerst anspruchsvoll, aber von großer Bedeutung, da die Erkrankung im Frühstadium gut behandelbar ist“, erklärt Ilya Ayzenberg.

Immunglobuline in Studie Rituximab überlegen

23% der beobachteten Patient:innen erhielten während des ersten Jahres nach Ausbruch der Erkrankung eine Immuntherapie, 52% erst später. Im Schnitt begann die Behandlung rund zwei Jahre nach den ersten Symptomen. Behandelt wurde überwiegend mit zwei Immuntherapien – entweder mit dem Wirkstoff Rituximab oder mit Immunglobulin-Infusionen. „Rituximab wird in der Rheumatologie häufig eingesetzt und richtet sich gegen sogenannte B-Zellen, die bestimmte Antikörper herstellen“, erklärt Thomas Grüter. Immunglobuline basieren auf isolierten Eiweißen aus Spenderblut. Eine Überlegenheit der eher unspezifischen Therapie mit Immunglobulinen gegenüber der gezielten Antikörper-Therapie mit Rituximab war eine Überraschung. Diese Ergebnisse sollen zwar in weiteren, idealerweise prospektiven Studien bestätigt werden; die frühe Einleitung einer Therapie mit Immunglobulinen erscheint aber vielversprechend.

Aufruf zu Früherkennung und Teilnahme an Registern

„Wir appellieren an alle Neurologinnen und Neurologen, bei passenden Symptomen früh an die anti-IgLON5-Erkrankung zu denken und eine entsprechende Antikörper-Testung im Blut durchzuführen“, sagt Thomas Grüter. „Je eher die Diagnose gestellt und die Therapie begonnen wird, desto wahrscheinlicher ist es, die Erkrankung aufhalten zu können.“ Nicht oder zu spät behandelt, führt die Erkrankung zu schweren Beeinträchtigungen und häufig zum Tod. 40% der in die Studie eingeschlossenen Patient:innen starben innerhalb der Beobachtungszeit nach im Schnitt fünf Jahren, wobei bei mindestens zwei Dritteln die anti-IgLON5-Erkrankung die Ursache war.

„Forschung zu seltenen Erkrankungen kann nur dann Fortschritte machen, wenn Patientinnen und Patienten in den entsprechenden Registern erfasst werden“, betont Ilya Ayzenberg. „Deshalb appellieren wir eindringlich an die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, sich an diesen Registern zu beteiligen – in Deutschland zum Beispiel am Netzwerk für autoimmune Enzephalitis GENERATE.“

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Quelle:

Ruhr-Universität Bochum

Literatur:

(1)

Thomas Grüter et al. (2025): Early Treatment with Intravenous Immunoglobulins in the Outcome of Patients with Anti-IgLON5 Disease, JAMA Neurology, DOI: 10.1001/jamaneurol.2025.2574

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