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Gesundheitspolitik
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Renteneintrittsalter: Wie lange können wir arbeiten?

Über die geplante Rentenreform der Bundesregierung wird heiß diskutiert. Im Juni hatten die Expert:innen der Alterssicherungskommission 33 Empfehlungen vorgelegt, wie die Rente reformiert werden könnte. Eine davon: Die Regelaltersgrenze für den Renteneintritt solle nach 2031 an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Steigt also die Lebenserwartung, steigt auch das Renteneintrittsalter.

Die Frage ist aber: Sind die Menschen in Deutschland dann überhaupt noch arbeitsfähig? Eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gibt Hinweise darauf, ob eine längere Lebensarbeitszeit realistisch ist [1]. Die Studie stammt aus dem DFG-geförderten Forschungsprojekt „Wie lange können wir arbeiten? Die Entwicklung der Lebensarbeitszeit aus gesundheitlicher Perspektive“ der Forschungs- und Lehreinheit Medizinische Soziologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Was empfiehlt die Kommission zum Renteneintrittsalter?

Stiege die Lebenserwartung, solle sich diese zusätzliche Zeit im Verhältnis 2:1 auf die Erwerbs- und die Rentenphase aufteilen, empfehlen die Expert:innen der Alterssicherungskommission in ihrem Bericht. So soll das heutige Verhältnis von Lebenserwartung nach Renteneintritt (heute circa 20 Jahre) und durchschnittlicher Dauer der Erwerbsphase (heute etwa 40 Jahre) erhalten werden. „Auf Basis der aktuellen (mittleren) Annahme des Statistischen Bundesamtes zur Entwicklung der Lebenserwartung wäre mit einer Erhöhung der Regelaltersgrenze um etwa sechs Monate alle zehn Jahre zu rechnen“, schreibt die Kommission. Ziel der Maßnahme ist es primär, die gesetzliche Rentenversicherung zu stabilisieren. Der Bericht enthält auch noch weitere Empfehlungen zum Renteneintritt.

Was haben die Forschenden untersucht?

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Die Forschenden konzentrierten sich dafür auf die Lebenserwartung bei guter Gesundheit (Healthy Life Expectancy, HLE) im erwerbsfähigen Alter. Für die Studie untersuchten sie, wie sich diese Lebenserwartung in den vergangenen 20 Jahren in unterschiedlichen Altersgruppen entwickelt hat. Die Forschenden stützten sich dafür auf Befragungsdaten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) - speziell auf Daten dazu, wie Befragte ihre Gesundheit einschätzen (Self-rated Health) und die physische und mentale gesundheitsbezogene Lebensqualität (p/mHRQoL). Das SOEP ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitpanelstudie in Deutschland.

Bei Jüngeren nimmt die Anzahl der Lebensjahre in guter Gesundheit ab

Die Forschenden fanden heraus, dass sich der Gesundheitszustand im jüngeren Erwerbsalter verschlechterte, was zu mehr Jahren bei schlechterer subjektiver Gesundheit führte. Dagegen verbesserte sich der Gesundheitszustand im älteren Erwerbsalter, was zu mehr Jahren bei guter Gesundheit führte.

„Insgesamt zeigt unsere Studie, dass die gesundheitliche Entwicklung oft nicht mit dem Anstieg der Lebensarbeitszeit Schritt hält“, sagt Erstautorin Dr. Tetzlaff in einer Pressemitteilung der MHH. Zur Einordnung ihrer Forschungsergebnisse nutzen die Autor:innen der Studie auch Untersuchungen anderer Forschender zur Entwicklung von Erkrankungen in Deutschland. Dr. Tetzlaff ordnet in der Pressemitteilung ein: „Vor allem in der Altersspanne zwischen 18 und 44 Jahren nimmt die Zahl der Lebensjahre in guter subjektiver Gesundheit im erwerbsfähigen Alter ab, während gleichzeitig Muskel-Skelett-Erkrankungen zunehmen, die für einen erheblichen Teil der Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland verantwortlich sind.“

Frühe Gesundheitsprävention empfohlen

Was noch nicht klar ist: Ob der Gesundheitszustand der Jüngeren sich im Alter wieder verbessert. „Die Ergebnisse sind teilweise besorgniserregend und deuten darauf hin, dass die Erwerbsbevölkerung nicht nur aufgrund der Bevölkerungsalterung, sondern auch aufgrund der sich verschlechternden Gesundheit zurückgehen könnte, was sowohl für die Gesundheits- als auch für die Arbeitsmarktpolitik wachsende Herausforderungen mit sich bringt“, sagt Dr. Tetzlaff in der Pressemitteilung.

Die Forscherin empfiehlt daher eine frühere gesundheitliche Prävention. „Präventionsprogramme setzen derzeit noch zu oft erst im höheren Lebensalter an, wenn bereits gesundheitliche Einschränkungen vorliegen", sagt sie.

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Quelle:

Pressemitteilung der MHH, Empfehlungen der Alterssicherungskommission vom Juni 2026

Literatur:

(1)

Tetzlaff J. et al. (2026) Getting better or worse? How trends in healthy life expectancy within working age are shaped by diverging trends among age groups, DOI: 10.1093/eurpub/ckag059.

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