Mittwoch, 14. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Prolastin
Prolastin
Medizin
07. April 2021

Hyperkaliämie: Anhaltende Kaliumreduktion unter Natriumzirconiumcyclosilicat

Seit dem 1. April 2021 ist der hoch selektive Kaliumbinder Natriumzirconiumcyclosilicat auch in Deutschland erhältlich. Damit steht eine neue Möglichkeit zur Behandlung von PatientInnen mit Hyperkaliämie zur Verfügung, welche die Kalium-Konzentration im Serum rasch und anhaltend reduzieren kann und zudem gut verträglich ist. Natriumzirconiumcyclosilicat hilft, schwere Komplikationen einer Hyperkaliämie zu vermeiden und die Versorgung bei einem breiten Patientenkollektiv unabhängig von Komorbiditäten, der Einnahme von Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS)-Inhibitoren oder dem Ausgangs-Serumkaliumwert zu verbessern.
Anzeige:
Pradaxa
Pradaxa
Eine Hyperkaliämie (Serumkaliumwerte > 5,0 mmol/l) geht häufig mit chronischen Erkrankungen wie Hypertonie, Diabetes mellitus, einer Herz- oder Niereninsuffizienz einher und kann aus der Einnahme bestimmter Medikamente wie Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) resultieren (1-3). Unbehandelt kann eine Hyperkaliämie zu Herzrhythmusstörungen und Herzstillstand führen (3). Zudem erhöht sich bei Betroffenen die Sterblichkeit, wobei das Risiko mit steigender Kalium-Konzentration immer weiter zunimmt (4). Trotz des klinischen Bedarfs standen bisher kaum medizinische Interventionen für eine effektive, sichere und langfristige Kaliumkontrolle zur Verfügung (2, 5). „Das Hyperkaliämierisiko ist bei Patienten mit Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus und arterieller Hypertonie, die mit RAAS-Inhibitoren behandelt wird, 2- bis 3-fach erhöht“, erläutert Dr. Klaus Hinterding, AstraZeneca Deutschland. „Mit Natriumzirconiumcyclosilicat ist nun eine rasche und nachhaltige Therapieoption für PatientInnen mit Hyperkaliämie erhältlich, die so hilft, eine wichtige Versorgungslücke zu schließen“.
 

Rasche und anhaltende Wirksamkeit von Natriumzirconiumcyclosilicat

Die rasche Absenkung des Serumkaliumspiegels und der längerfristige Erhalt normalisierter Kalium-Werte durch Natriumzirconiumcyclosilicat wurde unter anderem in der HARMONIZE-Studie nachgewiesen (7). Diese untersuchte bei 258 PatientInnen mit Hyperkaliämie den Erhalt einer Normokaliämie über 28 Tage nach einer initialen Kalium-Normalisierung für 48 Stunden, und zwar in den Dosierungen 3x täglich 10 g in der offenen 48-h-Korrekturphase und 5 g, 10 g und 15 g je 1x täglich in der verblindeten Erhaltungsphase. Bereits eine Stunde nach einer Dosis Natriumzirconiumcyclosilicat (10 g) war der Kaliumserumspiegel signifikant gegenüber Baseline reduziert (p < 0,001) (7). Die mediane Zeit bis zur Normokaliämie betrug 2,2 Stunden (Interquartilbereich 1,0 – 22,3), wobei 66 % der PatientInnen die Normokaliämie nach 24 Stunden und 88% der PatientInnen nach 48 Stunden erreichten (6, 7). In der Erhaltungsphase (Tage 8 bis 29) wiesen mehr Natriumzirconiumcyclosilicat-PatientInnen durchschnittliche Kaliumwerte von < 5,1 mmol/l auf als PatientInnen der Placebo-Gruppe (80 % für 5 g bzw. 90 % für 10 g vs. 46% für Placebo; p < 0,001) (7). In einer weiteren anschließenden 11-monatigen unverblindeten Verlängerungsstudie betrug der Anteil von PatientInnen mit einem durchschnittlichen Serumkaliumspiegel < 5,1 mmol/l unter Natriumzirconiumcyclosilicat 88% (6, 8). So konnte eine fortgesetzte Behandlung die Normokaliämie bis zu einem Jahr aufrechterhalten.
 

Fortsetzung der RAAS-Inhibitor-Therapie unter Natriumzirconiumcyclosilicat

Eine weitere Studie zeigte zudem, dass die Mehrzahl der PatientInnen ihre RAAS-Inhibitor-Therapie unter Natriumzirconiumcyclosilicat bei gleichzeitiger Kaliumkontrolle fortsetzen konnte (9). RAAS-Inhibitoren können die kardiorenale Morbidität und Mortalität reduzieren, können aber auch die Serumkaliumwerte erhöhen, weshalb sie infolge einer Hyperkaliämie häufig heruntertitriert oder die Therapie unterbrochen wird (10). In der offenen, randomisierten ZS-005-Studie nahmen 751 PatientInnen mit Hyperkaliämie teil, 65 % davon mit begleitender RAAS-Inhibitor-Therapie (6, 9). Während der Korrekturphase über 24 bis 72 Stunden wurde mit 10 g Natriumzirconiumcyclosilicat 3x täglich behandelt. Für die Erhaltungsphase wurde schrittweise auftitriert von zunächst 5 mg täglich bis zu einer Maximaldosis von 15 mg täglich. Während der Korrekturphase erreichten 66%, 75% bzw. 78% der PatientInnen eine Normokaliämie nach 24, 48 bzw. 72 Stunden (6). Diese konnte in der Erhaltungsphase aufrechterhalten werden (6). Dabei setzten 89% jener PatientInnen, die RAAS-Inhibitoren einnahmen, diese nicht ab und 74% der PatientInnen behielten ihre RAAS-Inhibitor-Dosis unter Natriumzirconiumcyclosilicat bei (6, 9).
 

Auch DialysepatientInnen profitieren

Bei DialysepatientInnen konnte Natriumzirconiumcyclosilicat zudem das Risiko prädialytischer Hyperkaliämien in der Phase-III-Studie DIALIZE signifikant gegenüber Placebo reduzieren (11). Die placebokontrollierte Studie schloss 196 PatientInnen mit stabiler Hämodialyse (seit ≥ 3 Monaten) sowie persistierender, prädialytischer Hyperkaliämie ein. Behandelt wurde mit 5 g Natriumzirconiumcyclosilicat 1x täglich an Tagen ohne Dialyse. Die Dosis konnte wöchentlich in 5 g-Schritten auf bis zu 15 g 1x täglich erhöht werden. Im Ergebnis erreichten 41% der PatientInnen in der Natriumzirconiumcyclosilicat-, aber nur 1% der PatientInnen in der Placebo-Gruppe ein prädialytisches Serumkalium von 4,0-5,0 mmol/l bei mindestens 3 von 4 Messungen (p < 0,001) (6, 11). „Hyperkaliämien treten häufig am Ende eines langen interdialytischen Intervalls auf und sind mit einem erhöhten Risiko für Hospitalisierungen, Notaufnahmebesuchen und Mortalität assoziiert“, so Dr. Klaus Hinterding. „Natriumzirconiumcyclosilicat kann das Risiko für Hyperkaliämien reduzieren und erleichtert das Management dieser potenziell lebensbedrohlichen Komplikation bei DialysepatientInnen“.
 

Natriumzirconiumcyclosilicat: allgemein gute Verträglichkeit

Natriumzirconiumcyclosilicat war in Studien mit 1.760 PatientInnen im Allgemeinen gut verträglich. Es zeigten sich wenige Nebenwirkungen und aufgrund der chemischen Eigenschaften ist das Potenzial für Arzneimittelwechselwirkungen begrenzt. Bei 4,1% der PatientInnen trat eine Hypokaliämie (Serumkaliumwerte < 3,5 mmol/l) auf, die sich nach einer Dosisanpassung oder dem Absetzen von Natriumzirconiumcyclosilicat normalisierte (6). Ereignisse, die mit Ödemen in Zusammenhang gebracht wurden, zeigten 5,7% der mit Natriumzirconiumcyclosilicat behandelten PatientInnen (6). Bei bis zu 53% der Betroffenen konnten die Ereignisse mit einem Diuretikum behandelt werden (6). Die übrigen PatientInnen benötigten keine Behandlung. Das gute Sicherheitsprofil in Kombination mit der einfachen Anwendung und der raschen und anhaltenden Wirksamkeit bei PatientInnen mit RAAS-Inhibitor-Therapie sowie PatientInnen mit dialysepflichtiger terminaler Niereninsuffizienz unterstreicht den Nutzen von Natriumzirconiumcyclosilicat in einem breiten Patientenkollektiv.
 

Einfache Anwendung, geschmacks- und geruchsneutrale Suspension

Natriumzirconiumcyclosilicat ist ein unlösliches, nicht resorbierbares Pulver, das als Suspension oral eingenommen wird. Es riecht nicht, schmeckt neutral und ist bei Raumtemperatur stabil (6, 12). Das Medikament bindet Kalium-Ionen in einer einzigartigen kristallinen Gitterstruktur im Austausch gegen Wasserstoff- und Natrium-Ionen und wirkt im gesamten Verdauungstrakt, wobei die Wirkung bereits im oberen Gastrointestinaltrakt beginnt, was den frühen Wirkeintritt erklären kann. Dieser Mechanismus ist hoch selektiv, auch in Anwesenheit anderer Kationen wie Kalzium- oder Magnesium-Ionen und führt zu einer frühen Bindung von Kalium (6).

Quelle: AstraZeneca

Literatur:

(1) Di Lullo L et al. Chronic Hyperkalemia in Cardiorenal Patients: Risk Factors, Diagnosis, and New Treatment Options. Cardiorenal Med 2019; 9(1):8–21.
(2) Kovesdy CP. Management of hyperkalaemia in chronic kidney disease. Nat Rev Nephrol 2014; 10(11):653–62.
(3) Rosano GMC et al. Expert consensus document on the management of hyperkalaemia in patients with cardiovascular disease treated with renin angiotensin aldosterone system inhibitors: Coordinated by the Working Group on Cardiovascular Pharmacotherapy of the European Society of Cardiology. Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother 2018; 4(3):180–8.
(4) Collins AJ et al. Association of Serum Potassium with All-Cause Mortality in Patients with and without Heart Failure, Chronic Kidney Disease, and/or Diabetes. Am J Nephrol 2017; 46(3):213–21.
(5) Chaitman M, Dixit, Deepali, Bridgeman, Mary Barna. Potassium-Binding Agents for the Clinical Management of Hyperkalemia. P & T 2016; 41(1):43–50.
(6) Fachinformation Lokelma® 5 g bzw. 10 g, Stand Januar 2021.
(7) Kosiborod M et al. Effect of sodium zirconium cyclosilicate on potassium lowering for 28 days among outpatients with hyperkalemia: The HARMONIZE randomized clinical trial. JAMA 2014; 312(21):2223–33.
(8) Roger SD et al. Efficacy and Safety of Sodium Zirconium Cyclosilicate for Treatment of Hyperkalemia: An 11-Month Open-Label Extension of HARMONIZE. Am J Nephrol 2019; 50(6):473–80.
(9) Spinowitz BS et al. Sodium Zirconium Cyclosilicate among Individuals with Hyperkalemia: A 12-Month Phase 3 Study. Clin J Am Soc Nephrol 2019; 14(6):798–809.
(10) Epstein M. Hyperkalemia constitutes a constraint for implementing renin-angiotensin-aldosterone inhibition: The widening gap between mandated treatment guidelines and the real-world clinical arena. Kidney Int Suppl (2011) 2016; 6(1):20–8.
(11) Fishbane S et al. A Phase 3b, Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Study of Sodium Zirconium Cyclosilicate for Reducing the Incidence of Predialysis Hyperkalemia. J Am Soc Nephrol 2019; 30(9):1723–33.
(12) Stavros F et al. Characterization of structure and function of ZS-9, a K+ selective ion trap. PLoS ONE 2014; 9(12):e114686.


Anzeige:
FIASP
 

Das könnte Sie auch interessieren

Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Adipositas im Kindes- und Jugendalter
© kwanchaichaiudom / fotolia.com

Laut der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2), die vom Robert Koch-Institut durchgeführt wurde, haben nach dem Referenzsystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 26,3% der 5- bis 17-Jährigen Übergewicht; 8,8% sind von Adipositas betroffen (1). In der Versorgung dieser Kinder und Jugendlichen gibt es erhebliche Defizite: So werden in Deutschland überzeugende, wissenschaftlich-basierte Behandlungs- und Betreuungskonzepte im Gesundheitssystem nicht unterstützt und in der Regel von den Kostenträgern nicht finanziert....

Es ist mehr als nur eine Ausrede: Migräne am Arbeitsplatz

Es ist mehr als nur eine Ausrede: Migräne am Arbeitsplatz
© deagreez / fotolia.com

Mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit zur Arbeit? Für viele Migränepatienten ist das Alltag. Ein Großteil der 900.000 an Migräne leidenden Deutschen schleppt sich trotz starker Schmerzen zur Arbeit – aus Angst einen schlechten Eindruck bei Arbeitskollegen und Vorgesetzten zu hinterlassen. Denn wer über Kopfschmerzen klagt, trifft immer noch auf Vorurteile. Nicht selten wird Migräne belächelt und als Ausrede abgetan. Zum Tag der Arbeit berichten Migränepatienten und Nutzer der Kopfschmerz- und...

Forsa-Umfrage: Jede dritte Frau hat Sorgen vor Klinikaufenthalt

Forsa-Umfrage: Jede dritte Frau hat Sorgen vor Klinikaufenthalt
© VILevi / Fotolia.com

Vergessenes OP-Besteck im Körper, Komplikationen durch fehlerhafte Medizinprodukte oder Infektionen mit Keimen – immer wieder kommt es in deutschen Krankenhäusern zu solchen Zwischenfällen. Laut Medizinischem Dienst der Krankenkassen (MDK) lag die offizielle Zahl der bestätigten Behandlungsfehler im vergangenen Jahr bundesweit bei knapp 3.500. Das verunsichert Patienten verständlicherweise vor wichtigen medizinischen Eingriffen. Frauen sorgen sich häufiger als Männer vor einem Klinikaufenthalt, so das aktuelle Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag...

Wenn das Wetter krank macht: Tipps gegen Wetterfühligkeit

Wenn das Wetter krank macht: Tipps gegen Wetterfühligkeit
© Thaut Images - stock.adobe.com

Mal Sonne, mal Regen, mal warm, mal kalt: Der Frühling bringt – oft in schneller Abfolge – die unterschiedlichsten Wetterverhältnisse mit sich. Viele Menschen leiden dann unter der sogenannten Wetterfühligkeit. Genaue Zahlen gibt es nicht, schätzungsweise kämpft aber jeder zweite Deutsche mit den entsprechenden Symptomen. Dr. Wolfgang Reuter, Gesundheitsexperte der DKV Deutsche Krankenversicherung, gibt Tipps, wie Wetterfühlige gegensteuern können.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Hyperkaliämie: Anhaltende Kaliumreduktion unter Natriumzirconiumcyclosilicat"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Kabinett beschließt Bundes-Notbremse: Nächtliche Ausgangssperren und geschlossene Läden
  • Kabinett beschließt Bundes-Notbremse: Nächtliche Ausgangssperren und geschlossene Läden