Sonntag, 2. Oktober 2022
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Medizin

Post-COVID-Syndrom: Patient:innen fast immer vorerkrankt

Post-COVID-Syndrom: Patient:innen fast immer vorerkrankt
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Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat ein neues virtuelles Dialogformat gestartet, mit dem aktuelle Studienergebnisse aus dem Bereich der Versorgungsforschung vorgestellt und öffentlich diskutiert werden. Das Livestreaming-Format „Zi insights“ hatte seine Premiere mit einer aktuellen Studie zum Post-COVID-Syndrom und dessen Folgen für die ambulante Versorgung.

Fast all Patient:innen mit Post-COVID-Syndrom wiesen bereits vorher somatische und psychische Erkrankungen auf

Das Zi konnte in einer Auswertung der vertragsärztlichen Abrechnungsdaten für das zweite Quartal 2021 zeigen, dass mehr als 97% der Patient:innen mit Post-COVID-Syndrom im Jahr 2020 bereits in vertragsärztlicher Behandlung waren. Dabei wiesen diese signifikant häufiger spezifische somatische und psychische Vorerkrankungen auf als die Allgemeinbevölkerung – allen voran Adipositas, Rückenschmerzen oder Anpassungsstörungen. Adipositas etwa ist bereits in anderen Studien als Risikofaktor für Post-COVID-Komplikationen identifiziert worden. Mit über 70%des Versorgungsbedarfs erbringen Hausärzt:innen einen ganz erheblichen Teil der Patientenbetreuung, insbesondere durch zeitintensive Konsultationen wie das problemorientierte Gespräch und telefonische Beratungen. Die Identifizierung von Post-COVID-Patient:innen wurde erstmalig mit der Einführung eines eigenen ICD-Codes ab dem Jahr 2021 möglich.

Post-COVID-Syndrom seltener als ursprünglich berichtet

„Im ersten Quartal 2021 führte etwa jede zwanzigste Infektion mit SARS-CoV-2 zu einem ärztlich dokumentierten Post-COVID-Syndrom. Demnach ist Post-COVID seltener als in vielen anderen Studien berichtet.
 
 

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Post-COVID bei vormals gesunden Patient:innen sehr selten

Zudem wird die Rolle von Vorerkrankungen deutlich, die das Auftreten eines Post-COVID-Syndroms begünstigen. Nur sehr selten erkranken Menschen am Post-COVID-Syndrom, die bis zur SARS-CoV-2-Infektion völlig gesund waren. Vielmehr handelt es sich bei den 160.000 Erkrankten im zweiten Quartal 2021 fast ausschließlich um Patient:innen, die bereits wegen zahlreicher, meist chronischer Erkrankungen in vertragsärztlicher Behandlung waren. 3 von 4 Erkrankten sind dabei alleine hausärztlich versorgt worden. Jede sechste Patientin bzw. jeder sechste Patient musste darüber hinaus fachärztlich durch Pneumolog:innen oder Kardiolog:innen betreut werden. Jedem 200. Patienten mit einer Post-COVID-19-Diagnose ist zudem eine medizinische Rehabilitation verordnet worden. So ergibt sich ein Mengengerüst für eine gestufte Versorgung von Post-COVID-19-Erkrankten in Deutschland.

Aufgrund der Vorerkrankungen muss Post-COVID interdisziplinär behandelt werden

Fest steht: Die spezifische Behandlung dieser Personengruppe ist mit einem hohen Konsultationsbedarf und Koordinationsaufwand verbunden. Wegen der Bedeutung der Vorerkrankungen für den weiteren Behandlungsverlauf sollte die Koordination primär durch die Hausärztin oder den Hausarzt erfolgen“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Post-COVID mit unspezifischer Symptomatik verbunden

Dr. Kristina Spöhrer, Hausärztin aus Winsen/Luhe und Mitglied des Landesvorstandes des Hausärzteverbandes Niedersachsen, verwies auf den hohen Koordinationsaufwand bei der Diagnostik und Behandlung von Post-COVID-19-Patient:innen: „Wir sehen viele Patient:innen mit sehr unspezifischen Symptomen. Nach einer differenzierten Diagnostik geht es dann darum, Behandlungspfade für die Betroffenen möglichst individuell zu strukturieren. Neben dem Faktor Zeit ist hier die Vernetzung der verschiedenen Versorgungsangebote, von Atemtherapie und Physiotherapie bis hin zur Rehabilitation, entscheidend für den nachhaltigen Erfolg der Behandlung.“

Behandlung des Post-COVID-Syndroms trägt zur transsektoralen Vernetzung bei

Auch Dr. Jördis Frommhold, Chefärztin der Abteilung für Atemwegserkrankungen und Allergien an der MEDIAN Klinik Heiligendamm, hob auf die zentrale Bedeutung der transsektoralen Vernetzung medizinscher Versorgungsangebote ab: „Wichtig ist, dass alle an einem Strang ziehen, um die Menschen, die an Long- oder Post-COVID leiden, optimal zu versorgen. Auch in der Rehabilitation geht es darum, geeignete Versorgungspfade zu entwickeln, die auch die Potenziale der Digitalisierung ausschöpfen. Hier ist in den letzten Jahren sehr viel liegen geblieben. Wir sehen aber, dass COVID auch als Beschleuniger für die digitale Vernetzung wirkt. Fehlende Kapazitäten der Physio- oder Ergotherapie können so ausgeglichen werden. Aber wir müssen das jetzt angehen, viel zu viel Zeit ist schon verloren gegangen.“

„Zi insights“ erscheint alle 6 Wochen

Mit der virtuellen Reihe „Zi insights“ wird das Zi ca. alle 6 Wochen kurz und knapp neue Studien- und Projektergebnisse vorstellen und diese mit Expert:innen sowie digital zugeschalteten Gästen diskutieren.

Quelle: Zi



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