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Medizin

Rauchen: Folgeerkrankungen kosten jährlich fast 100 Mrd. Euro

Rauchen: Folgeerkrankungen kosten jährlich fast 100 Mrd. Euro
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In Deutschland rauchen rund 20 Millionen Menschen regelmäßig. Dieser bedeutende Anteil an der Gesamtbevölkerung zeigt sich auch an der Höhe der rauchbedingten Folgekosten bzw. der Produktivitätsverluste für die deutsche Wirtschaft. Gesundheitsökonom Dr. Anant Jani hat für Smoke Free, den Anbieter einer BfArM-zertifizierten DiGA für den Rauchstopp, diese jährlich wiederkehrenden Summen von insgesamt ca. 100 Milliarden Euro untersucht (1, 2). Sein Fazit: Die Kosten könnten langfristig gesenkt werden – indem die Anzahl der Raucher:innen gesenkt wird (3). Dafür bräuchten sie in den Augen des Experten allerdings mehr und bessere Unterstützung. Diese Forderung äußern das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. bereits seit Jahren.  

Jährlich 97,24 Milliarden Euro Kosten durch Raucher:innen

Mit seiner Untersuchung zeigt Dr. Anant Jani, Gesundheitsökonom an der Oxford Martin School und am Heidelberger Institut für Global Health, dass rauchbedingte Folgeerkrankungen die deutsche Gesellschaft jährlich 97,24 Milliarden Euro kosten. Allein die deutschen Krankenkassen und -versicherungen investieren pro Jahr 30,32 Milliarden Euro in die Behandlung rauchbedingter Erkrankungen oder in die entsprechenden Medikamente. Das entspricht rund 15% aller deutschen Gesundheitsausgaben und jährlichen Ausgaben von 1.477 Euro pro Raucher:in (4).
 
 

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Ökonomischer Schaden durch Rauchen: 2% des BIP

Zudem verzeichnet die deutsche Wirtschaft jährlich Produktivitätseinbußen in Höhe von 66,92 Milliarden Euro, weil ihre rauchenden Mitarbeiter:innen erkrankt ausfallen. Neben Fehlzeiten wegen medizinischen Behandlungen zählen dazu auch Produktivitätsverluste durch schwerwiegende persönliche Schicksale wie Arbeitsunfähigkeit, Frühverrentung oder vorzeitigem Tod (5). Laut Dr. Anant Janis Untersuchungen entsprechen die ökonomischen Einbußen durch Tabakkonsum 3.260 Euro pro Arbeitnehmer:in und damit rund 2% des jährlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP) (6).  

Rauchstopp-Angebote fördern und hohe rauchbedingte Kosten senken entlastet die Wirtschaft

„Verglichen mit den alljährlichen finanziellen Auswirkungen des Rauchens wäre es für den deutschen Staat günstiger, verstärkt in Unterstützungsangebote für die Entwöhnung zu investieren”, fasst Gesundheitsökonom Dr. Anant Jani zusammen. Denn nur wenige Raucher:innen nutzen Rauchstopp-Kurse, psychologische Begleitungen oder digitale Unterstützungsangebote. Dabei steigt die Wahrscheinlichkeit eines dauerhaften – und damit erfolgreichen – Rauchstopps um ein Vielfaches, wenn Raucher:innen Unterstützung erhalten (4). Diese Erkenntnis vertreten Fachkreise seit Jahren (5, 6). Im Vergleich dazu scheitern 95% aller Entwöhnungen ohne Begleitung innerhalb eines Jahres (2). 

Smoke Free – viele Angebote für Raucher:innen

„Smoke Free steht hinter den Forderungen der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. sowie des Deutschen Krebsforschungszentrums, die schon vor Jahren angeprangert haben, dass Raucher:innen mit Aufhörwunsch eine adäquate Unterstützung erhalten sollten“, sagt Dr. David Crane, Gründer von Smoke Free. „Mittlerweile gibt es niedrigschwellige und kostengünstige Angebote, die Raucher:innen in ihren Alltag einbinden können. Dazu zählen auch Apps. Nun liegt es an der Politik, die Forderung der Fachkreise endlich umzusetzen.”

DiGA für den Rauchstopp

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) zur Raucherentwöhnung haben das Potential, diese Versorgungslücke zu schließen. Raucher:innen können jederzeit auf die Inhalte der Apps zugreifen, gerade auch in Situationen mit hoher Rückfallgefahr. Zudem wurde ihre Wirksamkeit durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bestätigt. Dadurch sind DiGAs auch erstattungsfähig: Die Kosten werden zu 100% von den gesetzlichen Krankenkassen getragen. Aus diesem Investment ergeben sich hohe Einsparpotentiale für das deutsche Gesundheitswesen. Schafft eine Person den dauerhaften Rauchstopp mit Hilfe von DiGAs, sinkt ihr Risiko, zukünftig eine rauchbedingte Folgeerkrankung zu entwickeln, stark. Dadurch entfallen wiederum Behandlungskosten für die Krankenkassen.

Quelle: Smoke Free

Literatur:

(1) https://www.aerzteblatt.de/archiv/226093/GKV-Finanzdefizit-Die-17-Milliarden-Euro-Frage
(2) https://www.debra-study.info
(3) Hughes, J. R., Keely, J., & Naud, S. (2004). Shape of the relapse curve and long‐term abstinence among untreated smokers. Addiction, 99(1), 29-38
(4) Effertz, T. (2019). Die Kosten des Rauchens in Deutschland im Jahr 2018 – aktuelle Situation und langfristige Perspektive. Atemwegs- und Lungenkrankheiten.
(5) https://www.bundestag.de/resource/blob/765190/19cef3f721d1f7b9a02a24b437e64d86/02-Effertz-data.pdf
(6) https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/sonstVeroeffentlichungen/Tabakatlas-Deutschland-2020.pdf
(7) Nowak, H. Gohlke, T. Hering et al (2015). Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) zur elektronischen Zigarette (E-Zigarette). http://dx.doi.org/ 10.1055/s-0034-1391491 Pneumologie 2015; 69: 131–134 



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