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Venöse Thrombosen nach Atemwegsinfekt

Ein zwölfjähriger Patient entwickelte eine Woche nach Beginn eines normalen Atemwegsinfekts plötzlich lebensbedrohliche Blutgerinnsel in Kombination mit niedrigen Blutplättchen. Am vierten Tag im Krankenhaus der Medizinischen Universität Innsbruck diagnostizierten die behandelten Ärzt:innen venöse Thrombosen, darunter eine tiefsitzende Venenthrombose sowie eine Lungenembolie. Aufgrund dieses schwerwiegenden Verlaufes konsultierten die behandelnden Ärzt:innen aus Innsbruck direkt das Institut für Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald, welches das Krankheitsbild der Virus-induzierten Immunthrombozytopenie und Thrombose (VITT) seit Jahren im Schwerpunkt erforscht. In Greifswald wiesen das Team um Priv.-Doz. Dr. Linda Schönborn und Prof. Thomas Thiele Antikörper gegen das körpereigene Protein Plättchenfaktor 4 als Ursache für die Blutgerinnsel nach. Das ermöglichte eine gezielte Behandlung. Das Kind erholte sich und ist heute beschwerdefrei. Aus einem Abstrich des Patienten wurde in Innsbruck das für den Infekt verantwortliche humane Adenovirus Typ 3 (HAdV-B3) identifiziert und genetisch charakterisiert.

Internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtig

„Bei einer so seltenen Erkrankung ist die schnelle Zusammenarbeit über Fach- und Ländergrenzen hinweg entscheidend“, sagt Priv.-Doz. Dr. Linda Schönborn vom Institut für Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald, Verantwortliche der Studie. „Die Innsbrucker Kolleginnen und Kollegen haben den ungewöhnlichen Krankheitsverlauf erkannt und uns für die spezialisierte Diagnostik hinzugezogen. Gemeinsam konnten wir das für diese seltene Immunreaktion verantwortliche Adenovirus identifizieren und erstmals mit der Entstehung der Blutgerinnsel in Verbindung bringen.“

Es ist bekannt, dass natürliche Adenovirus-Infektionen in seltenen Fällen durch eine fehlgeleitete Immunantwort Blutgerinnsel auslösen können. Unklar war jedoch bisher, welche Adenoviren genau dafür verantwortlich sind.

Sichere Impfstoffe entwickeln

Besonders wichtig ist diese neue Erkenntnis für die Entwicklung sicherer Impfstoffe. Bei sogenannten Vektorimpfstoffen dienen abgeschwächte und veränderte Adenoviren als Transportmittel. Sie schleusen den Bauplan für ein typisches Merkmal eines anderen Krankheitserregers in menschliche Zellen ein, sodass das Immunsystem dieses Merkmal kennenlernt und einen Schutz gegen den eigentlichen Erreger aufbauen kann. Die verwendeten Adenoviren sind dabei so verändert, dass sie sich im Körper nicht vermehren können. „Adenoviren interessieren uns besonders aus zwei Gründen: Sie verursachen weltweit häufig Infektionen und sind gleichzeitig wichtige Werkzeuge moderner Impfstoffe und Gentherapien“, sagt Prof. Dr. Thomas Thiele, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin. „Wenn wir besser verstehen, welche Virusbestandteile Blutgerinnsel auslösen, können wir sowohl die Komplikationen der Infektionen besser einordnen als auch Impfungen sicherer machen.“

Großes Forschungsprojekt zu Adenoviren

Die aktuelle Studie fügt sich damit in ein größeres Forschungsprojekt ein: In der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit rund 5,9 Millionen Euro geförderten Forschungsgruppe FOR 5898 „AdBHealth“ erforschen Wissenschaftler:innen verschiedener deutscher Universitäten Adenoviren, ihre Wechselwirkungen mit dem Immunsystem und ihre Nutzung als medizinische Vektoren. Beteiligte aus Greifswald sind Priv.-Doz. Dr. Linda Schönborn und Prof. Dr. Thomas Thiele vom Institut für Transfusionsmedizin sowie Priv.-Doz. Dr. Wibke Bayer von der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen, die die aktuelle Studie ebenso federführend mit verantwortet.

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Quelle:

Universität Greifswald

Literatur:

(1)

Irsara C. et al. (2026) Human Adenovirus B3-Induced Immune Thrombocytopenia and Thrombosis, New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMc2605960.

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