Journal MED
Medizin
Inhaltsverzeichnis

Weltweit erste Leitlinie zur Nachsorge von Lungentransplantierten

„Es ist weltweit die erste Leitlinie, die sich strukturiert und evidenzgestützt mit der Nachsorge von Lungentransplantierten beschäftigt“, erklärt Prof. Jens Gottlieb, stellvertretender Direktor der Klinik für Pneumologie und Infektiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover und Mitglied der DGP. Zusammen mit Prof. Nikolaus Kneidinger, Leiter der Klinischen Abteilung für Pneumologie der Medizinischen Universität Graz, hat er die Leitlinie koordiniert. „Wir schließen damit eine erhebliche Lücke in der klinischen Versorgung.“ Beteiligt an der Erstellung waren insgesamt 15 Fachgesellschaften und Organisationen, auch aus Österreich und der Schweiz.

Im Fokus: Ein strukturierter Nachsorgeplan

Im Fokus der Leitlinie steht ein strukturierter Nachsorgeplan, der auf den Erfahrungen der größten Transplantationszentren im deutschsprachigen Raum basiert – darunter München, Wien und Hannover. Der Plan legt detailliert fest, welche Kontrolluntersuchungen in welchen zeitlichen Abständen erfolgen sollten: von wöchentlichen Untersuchungen unmittelbar nach der Transplantation bis zu jährlichen Checks ab dem zweiten Jahr. „Bisher gab es so einen strukturierten Plan nur für andere Organtransplantationen, etwa für das Herz“, so Prof. Gottlieb. Der Plan sieht unter anderem regelmäßige Lungenfunktionsprüfungen, Bronchoskopien, Schulungen und Screenings auf Komplikationen wie Diabetes oder Hautkrebs vor – selbst das Risiko eines Rückfalls beim Rauchen ist Teil der Nachsorgestrategie.

Zwölf Empfehlungen auf wissenschaftlicher Evidenzbasis

Neben Tipps für die Praxis basierend auf Expertenmeinungen enthält die Leitlinie auch zwölf evidenzbasierte Empfehlungen. Sie betreffen zentrale Aspekte der medizinischen Versorgung, etwa die Auswahl und Steuerung der Immunsuppression, die Prophylaxe gegen das Zytomegalievirus (CMV) und Pneumocystis-Pneumonien sowie Strategien zur Vorbeugung von chronischem Transplantatversagen. Auch ausgewählte begleitende Erkrankungen wie Osteoporose werden berücksichtigt. „Das ist in dieser Breite und Tiefe bislang einzigartig für die Lungentransplantation“, sagen die Koordinatoren.

Das Ziel: Verbesserung der Langzeitergebnisse

Hintergrund für das Leitlinienprojekt ist auch der medizinische Handlungsbedarf: Im Vergleich zu anderen Organtransplantationen sind die Überlebensraten nach Lungentransplantation niedrig. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt laut internationalen Erhebungen bei rund 60% – deutlich niedriger als bei Herz- (75%), Leber- (65%) oder Nierentransplantationen (90%). „Unser Ziel ist klar: Wir wollen die langfristigen Ergebnisse nach Lungentransplantation verbessern“, erklärt Prof. Gottlieb. „Eine strukturierte Nachsorge ist dabei ein zentraler Hebel. Und weil es sich hierbei um ein sehr komplexes Verfahren handelt, ist die enge Kooperation von Pneumologen und Transplantationsmedizinern unerlässlich.“

Internationale Aufmerksamkeit bereits jetzt

Obwohl die Leitlinie zunächst für den deutschsprachigen Raum entwickelt wurde, zeichnet sich bereits jetzt großes internationales Interesse ab. Eine englischsprachige Kurzfassung der neuen Empfehlungen ist in Vorbereitung und soll im renommierten Fachjournal Respiration eingereicht werden.

Die S3-Leitlinie zur Nachsorge von Erwachsenen nach Lungentransplantation ist ab sofort im AWMF-Leitlinienregister online verfügbar: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/020-033

mRNA-Therapie gegen Lungenfibrose verlängert Telomere erfolgreich

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

mRNA-Therapie gegen Lungenfibrose verlängert Telomere erfolgreich

Jetzt lesen
Quelle:

Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP)

Stichwörter