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Medizin

Menschen mit Schizophrenien profitieren von psychodynamischer Psychotherapie

Menschen mit Schizophrenien oder schizoaffektiven Störungen profitieren von einer psychodynamischen Psychotherapie. Sie kommen im Alltag selbstständiger zurecht und leiden weniger unter sogenannten Negativsymptomen, wie sozialem Rückzug und Antriebslosigkeit, als Menschen in der Vergleichsgruppe, die lediglich die übliche Behandlung ohne Psychotherapie (treatment as usual = TAU) erhielten. Diese Effekte waren auch im Follow-up nach drei Jahren nachweisbar. Das zeigt die MPP-S-Studie, die im Fachjournal The Lancet Psychiatry erschienen ist. Geleitet wurde sie von Prof. Dr. Dorothea von Haebler (International Psychoanalytic University Berlin), Prof. Dr. Christiane Montag (Charité – Universitätsmedizin Berlin) und Dr. Günter Lempa (München).

Eine jahrzehntealte Praxis erstmals systematisch geprüft

Dass Psychotherapie bei Psychosen wirkt, gilt als belegt. Psychodynamische Verfahren werden in der Behandlung von Menschen mit Schizophrenien seit Jahrzehnten eingesetzt – ein Wirksamkeitsnachweis nach heutigen wissenschaftlichen Standards stand jedoch bislang aus. Die MPP-S-Studie, an der das Team über elf Jahre hinweg gearbeitet hat, trägt dazu bei, diese Lücke zu schließen.

Menschen, die zusätzlich zur üblichen Behandlung eine für Psychosepatient:innen modifizierte, psychodynamische Psychotherapie erhielten, verbesserten sich in ihrem psychosozialen Funktionsniveau – also in ihrer Fähigkeit, Alltag, Beziehungen und Teilhabe selbstständig zu gestalten. Diese Verbesserung war statistisch signifikant stärker als in der Vergleichsgruppe. Der Unterschied war nach zwei Jahren deutlich nachweisbar und nach drei Jahren Nachbeobachtung noch weiter ausgeprägt.

Auch bei den sogenannten Negativsymptomen zeigte sich ein deutlicher, statistisch signifikanter Vorteil der Psychotherapiegruppe im Vergleich zu TAU, der auch nach drei Jahren nachweisbar war. Dies sind beispielsweise sozialer Rückzug, verflachter Ausdruck von Gefühlen und Antriebsmangel: Negativsymptome schränken den Alltag besonders ein und gelten als besonders schwer behandelbar. Kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen zeigte sich dagegen bei sogenannten Positivsymptomen (z. B. Wahn, Halluzinationen), bei depressiven Symptomen und bei der Zahl stationärer Behandlungstage.

Wie die Studie angelegt war

Untersucht wurden 130 ambulant behandelte Patient:innen mit der Diagnose einer Schizophrenie oder schizoaffektiven Störung im Alter von 18 bis 64 Jahren. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeteilt: Die eine erhielt zusätzlich zur üblichen psychiatrischen Behandlung eine psychodynamische Psychotherapie nach einem eigens für die Studie entwickelten Manual (mindestens 30 Einzelsitzungen), die andere ausschließlich die bisherige psychiatrische Regelbehandlung. Wer den Behandlungserfolg beurteilte, wusste nicht, welcher Gruppe die Teilnehmenden angehörten. Die behandelnden Therapeut:innen waren erfahren in der Behandlung von Psychosen und wurden während der gesamten Studie supervidiert.

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Quelle:

International Psychoanalytic University Berlin

Literatur:

(1)

Montag C. et al. (2026) The efficacy of modified psychodynamic psychotherapy for patients with schizophrenia-spectrum disorders in Germany: a prospective, single-centre, assessor-blinded, parallel-group, randomised controlled trial The Lancet Psychiatry, DOI: 10.1016/S2215-0366(26)00240-3.

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