Freitag, 30. Juli 2021
Navigation öffnen
Patientenbereich
12. April 2021

Krampfadern: Wann Beinvenen behandelt werden müssen

Viele Eingriffe an Krampfadern, die für den Winter 2020/2021 geplant waren, sind aufgrund der Coronapandemie verschoben worden und werden jetzt in den kühleren Frühlingsmonaten nachgeholt. Wer unter hervortretenden Venen am Bein leidet und sie entfernen lassen will, dem stellt sich die Frage: Stripping, Radiowelle oder Laser – welche Eingriffstechniken sind wann empfehlenswert? Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e. V. (DGG) klärt auf, wann Krampfadern behandelt werden sollten und warum Venenkleber in Zukunft eine größere Rolle spielen könnten. 
Anzeige:
Eigenwerbung
 
Krampfadern, die am Unterschenkel bläulich hervortreten, sind für viele Menschen nicht nur ein kosmetisches Problem. „Krampfadern können auch Beschwerden oder Hautschäden an den Beinen auslösen“, sagt Dr. med. Jochen Peter, Vertreter der niedergelassenen Gefäßchirurginnen und Gefäßchirurgen im Vorstand der DGG. Wenn die Beine schwer werden, sich Krämpfe, Stechen, Wassereinlagerungen, braune Flecken oder gar offene Stellen am Unterschenkel bemerkbar machen, sollte ein Gefäßchirurg aufgesucht werden. Krampfadern können zu Venenentzündungen, Hautgeschwüren, Thrombosen oder sogar zu einer Lungenembolie führen.

Die klassische Stripping-Methode 

„Ab einem Durchmesser von etwa 3 Millimetern sprechen wir von Krampfadern“, erläutert Peter. „Treten dann auch noch Beschwerden auf, kann die medizinische Notwendigkeit für einen Eingriff gegeben sein.“ Welche Methode der Venenentfernung zum Einsatz kommt, hängt vom Krankheitsbild und Wunsch des Patienten ab. „Sind die Varizen stark ausgeprägt, bietet sich die klassische Stripping-Methode an“, erklärt der Wiesbadener Gefäßchirurg. Bei dieser offenen Operation setzt der Chirurg 2 kleine Schnitte am Bein und zieht die Vene durch diese heraus. „Stripping ist bewährt, erfolgt in kurzer Narkose, zeigt sehr gute Langzeitergebnisse und wird von allen Krankenkassen übernommen“, so Peter.

Die Radiowellen-/Laser-Methode 

Liegt die Vene nicht zu oberflächlich und ist sie nicht stark geschlängelt, kommen auch endovaskuläre Methoden in Frage, die Radiowellen oder Laser nutzen. Bei diesem hitzegestütztem Katheterverfahren schiebt der Chirurg über einen kleinen Einstich am Bein einen dünnen Schlauch mit einer Sonde in die Vene, die durch Wärme versiegelt und vom Körper anschließend abgebaut wird. „Wir verschließen in diesem Fall die tiefer liegenden Stammvenen, anstatt sie herauszuziehen“, erklärt Peter. „Auch für diese beiden Methoden liegt viel Erfahrung vor, sie sind fest etabliert.“ 
 
Da Eingriffe mit Radiowellen oder Laser ohne Vollnarkose in einer speziellen örtlichen Betäubung erfolgen können – zum Teil auch in Kombination mit einem Dämmerschlaf – und keine wesentlichen Schnitte benötigt werden, bezeichnet man diese Methoden als schonend. „Die Patienten sind meist recht schnell wieder auf den Beinen und leiden deutlich weniger unter Blutergüssen“, so Peter. Zwar übernehmen nicht alle gesetzlichen Versicherer die Kosten für eine Behandlung mit Radiowellen oder Laser. „Es lohnt sich aber, bei der Krankenkasse nachzufragen und gegebenenfalls einen Einzel-Antrag auf Kostenübernahme zu stellen“, ergänzt DGG-Präsident Professor Dr. med. Markus Steinbauer.

Venenkleber statt Kompressionsstrümpfe? 

Die meisten Krampfader-Eingriffe können ambulant erfolgen, unter Umständen ist auch ein stationärer Aufenthalt in einer Klinik sinnvoll. Was im Einzelfall richtig ist, sollte in einem Gefäßzentrum oder einer zertifizierten Gefäßpraxis mit dem Chirurgen besprochen werden. Für alle 3 genannten Eingriffsarten gilt: Um den Heilungsprozess zu beschleunigen und Thrombosen zu vermeiden, müssen Patienten einige Zeit Kompressionsstrümpfe tragen. „Das gestaltet sich natürlich in kühleren Jahreszeiten angenehmer als im Sommer, wenn man schwitzt“, so Peter. 
 
Die Kompressionsstrümpfe mögen auch ein Grund sein, warum sich Venenkleber zur Behandlung von Krampfadern zunehmender Beliebtheit erfreuen – bei dieser relativ neuen Methode versiegelt der Chirurg die Stammvene über einen Spezialkatheter mit einem Gewebekleber. „Dafür ist nur eine örtliche Betäubung an der Einstichstelle erforderlich, und die Kompressionsbehandlung entfällt ganz oder ist von sehr kurzer Dauer“, erklärt Peter. Eine Übernahme der Kosten durch gesetzliche Krankenkassen ist allerdings noch nicht in Sicht.

DGG


Anzeige:
Eigenwerbung
 
Weitere Beiträge zum Thema
Neue KI-Technik: Erkennen von Pneumonien unter Wahrung der Privatsphäre
Neue KI-Technik: Erkennen von Pneumonien unter Wahrung der Privatsphäre
©kras99 - stock.adobe.com

Künstliche Intelligenz (KI) kann medizinisches Personal in der Diagnostik unterstützen. Sie zu trainieren erfordert allerdings den Zugriff auf ein schützenswertes Gut: medizinische Daten. Ein Forschungsteam der Technischen Universität München (TUM) hat eine Technik entwickelt, die die Privatsphäre der Patienten beim Trainieren der Algorithmen schützt. Anwendung findet die Technik nun erstmals in einem Algorithmus, der in Röntgenbildern Pneumonien erkennt.

Das Besondere ist der kleine Körper – „Das kritisch kranke Kind“ steht im Mittelpunkt des virtuellen Kongresses
Das Besondere ist der kleine Körper – „Das kritisch kranke Kind“ steht im Mittelpunkt des virtuellen Kongresses
©Photographee.eu - stock.adobe.com

Ein sicheres Berherrschen der Behandlungsabläufe und eine systematische Beurteilung von Notfallpatienten im Kindesalter sind die Voraussetzungen für eine gute und fachgerechte Versorgung von medizinischen Notfällen im Kindesalter. Um die neuesten Entwicklungen in diesem Fachgebiet der Medizin geht es bei den Rhein-Neckar-Pädiatrietagen 2021 unter dem Titel „Das kritisch kranke Kind“. 

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2
Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2
© Robert Kneschke / Fotolia.com

Aktuell sind in Deutschland rund 17 Millionen Menschen älter als 65 Jahre. Die Zahl wird aufgrund der sich verändernden Altersstruktur auf voraussichtlich 22 Millionen im Jahr 2030 anwachsen. Die Anzahl der Hochbetagten (80 Jahre und älter) wird von derzeit vier Millionen auf sechs Millionen im Jahr 2030 ansteigen. Gleichzeitig erkranken immer mehr Menschen an Diabetes Typ 2, so dass Diabetologinnen und Diabetologen sowie Pflegende künftig viele geriatrische Patienten mit Diabetes versorgen werden: Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland derzeit rund vier Millionen Menschen über 65...

Betroffene teilen Erfahrungen und geben Depression eine Stimme – nutzergenerierte Website gestartet
Betroffene teilen Erfahrungen und geben Depression eine Stimme – nutzergenerierte Website gestartet
© Artem Furman / fotolia.com

Eine interaktive und multimediale Aufklärungs-Webseite über Depression ist neu an den Start gegangen. Auf der Seite können Betroffene und Angehörige in eigenen Beiträgen über ihre Erfahrungen mit Depression berichten und der Erkrankung so eine Stimme geben. Die Betroffenen können für die Website schriftliche Erfahrungsberichte oder Audio- und Video-Dateien einreichen.

Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem
Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem
© vanillya / fotolia.com

Etwa jede zehnte Frau in Deutschland leidet unter einem Lipödem, auch als Reiterhosenphänomen bekannt. Hierbei treten symmetrische schwammige Schwellungen an den Beinen und in 30 Prozent der Krankheitsfälle auch an den Armen auf. Die Ursache: eine Fettverteilungsstörung, die mit Wassereinlagerungen einhergeht. Lipödempatienten stehen aus mehreren Gründen unter einem sehr hohen Leidensdruck. Sie haben nicht nur sehr starke Berührungs- und Druckschmerzen, sondern auch Spannungsgefühle, sodass bereits einfache Tätigkeiten wie Haare föhnen oder...

Das könnte Sie auch interessieren

So gelingt rückenfreundliches Gärtnern

So gelingt rückenfreundliches Gärtnern
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Steigende Temperaturen, mehr Sonnenschein und Freude am Pflanzen locken zu dieser Jahreszeit wieder viele in den Garten. Fernab von Büro und PC sorgt die Arbeit mit den eigenen Händen für wohltuende Abwechslung. Studien belegen zudem zahlreiche positive Effekte der Gartenarbeit auf die körperliche, geistige und soziale Gesundheit. Wer regelmäßig gärtnert, baut zum Beispiel Stress ab und zeigt bessere koordinative Fähigkeiten. Die Aktion Gesunder Rücken e. V. erklärt, worauf Sie achten sollten, um den Rücken dabei nicht zu überlasten.

Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Adipositas im Kindes- und Jugendalter
© kwanchaichaiudom / fotolia.com

Laut der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2), die vom Robert Koch-Institut durchgeführt wurde, haben nach dem Referenzsystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 26,3% der 5- bis 17-Jährigen Übergewicht; 8,8% sind von Adipositas betroffen (1). In der Versorgung dieser Kinder und Jugendlichen gibt es erhebliche Defizite: So werden in Deutschland überzeugende, wissenschaftlich-basierte Behandlungs- und Betreuungskonzepte im Gesundheitssystem nicht unterstützt und in der Regel von den Kostenträgern nicht finanziert....

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Krampfadern: Wann Beinvenen behandelt werden müssen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)