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Was ist das Bornavirus?

Das Bornavirus (BoDV-1) ist seit mehr als 250 Jahren als Erreger der Borna'schen Krankheit bei Pferden, Schafen und anderen Säugetieren bekannt. Erst 2018 wurde der Erreger erstmals als Ursache schwerer Gehirnentzündungen beim Menschen identifiziert. Seit 2020 ist die Erkrankung in Deutschland meldepflichtig. Das einzige bekannte natürliche Reservoir für BoDV-1 ist die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon). Die Tiere scheiden das Virus über Speichel, Urin und Kot aus. Feldspitzmäuse leben auf Brachgebieten, Straßenböschungen, in Steinmauern und unter Hecken, können aber auch in Ställe, Scheunen oder Wohnhäuser eindringen.

Wie infiziert man sich mit dem Bornavirus?

Menschen infizieren sich meist zufällig durch Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Feldspitzmäuse – eine direkte Begegnung mit dem Tier ist nicht erforderlich. Das Virus wird über Speichel, Kot oder Urin ausgeschieden. Die Übertragung kann auch über das Einatmen kontaminierter Staubpartikel erfolgen, etwa bei Gartenarbeiten oder beim Reinigen von Schuppen. Das Borna-Virus ist nach aktuellem Wissensstand nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Auch andere infizierte Tiere wie Pferde, Schafe oder Haustiere gelten als nicht infektiös für Menschen.

Welche Symptome hat man beim Bornavirus?

Die Inkubationszeit des Bornavirus kann zwischen wenigen Wochen bis zu vier Monaten betragen. Die Erkrankung beginnt mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen und allgemeinem Krankheitsgefühl. Diese ersten Anzeichen ähneln oft einer Grippe, was die frühe Diagnose erschwert. Im Anschluss entwickeln sich innerhalb weniger Tage neurologische Symptome wie Verhaltensauffälligkeiten, Sprach- und Gangstörungen, Verwirrtheit und Koordinationsstörungen. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer schweren Gehirnentzündung (Enzephalitis), und die Erkrankten fallen binnen Tagen bis Wochen in ein tiefes Koma. Die Viren befallen dabei die Zellen des zentralen Nervensystems.

Wie gefährlich ist das Bornavirus?

Das Bornavirus ist extrem gefährlich. Infektionen verlaufen fast immer tödlich, meist innerhalb weniger Wochen nach Ausbruch der Symptome. Die Letalität liegt bei über 80 bis 90%. Eine spezifische Therapie gegen Bornavirus-Infektionen gibt es bislang nicht. Die Behandlung beschränkt sich auf unterstützende Maßnahmen. Antivirale Wirkstoffe wie Ribavirin und Favipiravir zeigen im Labor hemmende Eigenschaften gegen Bornaviren, ein Einsatz bei humanen Infektionen ist jedoch noch nicht etabliert. Trotz der hohen Letalität bleibt das Infektionsrisiko für die Allgemeinbevölkerung sehr gering. Deutschlandweit werden jährlich nur etwa fünf bis zehn Fälle registriert.

Wie schützt man sich vor Bornavirus?

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) empfiehlt bei einer Beobachtung von Spitzmäusen im häuslichen Umfeld ihre Nahrungsquellen ausfindig zu machen und zu beseitigen. Nahrungsquelle für Spitzmäuse sind z.B. Insekten in Komposthaufen oder in anderen Abfällen sowie Tierfutter im Außenbereich. Wenn eine Spitzmaus entsorgt werden muss, z.B. wenn Sie eine Katze ins Haus gebracht hat, sollten Sie Einmalhandschuhe und eine eng anliegende Maske oder eine Feinstaubmaske (FFP2 oder KN95) sowie nach Möglichkeit eine Schutzbrille tragen. Die Spitzmaus selbst und ihre Ausscheidungen sollten vor dem Entsorgen mit einem Reinigungsmittel besprüht werden, um Aufwirbelung von virushaltigem Staub zu verhindern. Die tote Spitzmaus kann über den Hausmüll entsorgt werden. Sollten Sie Kontakt zu Spitzmäusen oder deren Ausscheidungen gehabt haben, waschen und desinfizieren Sie Ihre Hände und duschen Sie nach staubigen Arbeiten. Auch die benutzte Arbeitskleidung sollte gewaschen werden.

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Nipah-Virus: Wie gefährlich ist der Erreger aus Indien wirklich?

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Literatur:

(1)

Landratsamt Unterallgäu: Person aus dem Unterallgäu infiziert sich mit seltenem Borna-Virus, abrufbar unter: https://www.landratsamt-unterallgaeu.de/aktuell/person-aus-dem-unterallgaeu-infiziert-sich-mit-seltenem-borna-virus, letzter Zugriff: 12.05.2026.

(2)

Süddeutsche Zeitung: Erneuter Todesfall nach Infektion mit dem Bornavirus, abrufbar unter: https://www.sueddeutsche.de/bayern/augsburg-borna-virus-infektion-toedlich-feldspitzmaus-bayern-li.3480004, letzter Zugriff: 12.05.2026.

(3)

Friedrich-Loeffler-Institut: Bornaviren, abrufbar unter: https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/bornaviren, letzter Zugriff: 12.05.2026.

(4)

Bernhard-Nocht-Institut: Enzephalitiden durch Bornaviren (BoDV-1 und VSBV-1), abrufbar unter: https://www.bnitm.de/labordiagnostik/leistungen/bornaviren, letzter Zugriff: 12.05.2026.

(5)

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Erkrankung durch Bornavirus, abrufbar unter: https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borna/index.htm#pr%C3%A4vention, letzter Zugriff: 12.05.2026.

(6)

Humane Infektion mit dem Borna Disease Virus 1 – gemeinsames Merkblatt von Robert Koch-Institut, Bernhard-Nocht-Institut und Friedrich-Loeffler-Institut, abrufbar unter: https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/B/Bornavirus/Merkblatt.pdf?__blob=publicationFile&v=3, letzter Zugriff: 12.05.2026.