Gebündeltes Wissen über Depression auf dem Frankfurter Patientenkongress
Lukas HoffmannRund 1.200 Gäste haben sich am vergangenen Samstag auf den Weg in die Alte Oper in Frankfurt gemacht, um mehr über die Depressionserkrankung zu erfahren. Der zum achten Mal stattfindende Deutsche Patientenkongress Depression richtete sich explizit an Betroffene und Angehörige.
Harald Schmidt, der auch Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist, führte in der Alten Oper in Frankfurt durch den Tag und begrüßte prominente und weniger prominente Betroffene mit Depression. Auf die Bühne kamen Gäste, wie der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, Radprofi Jan Ullrich und Sanna Lindström, die durch die Brautmoden-TV-Sendung „Tüll und Tränen“ bekannt wurde. Alle drei litten an Depressionen und haben die Krankheit überwunden.
In gewohnter Manier, die man aus seinen Late-Night-Shows kennt, flachste Harald Schmidt mit seinen prominenten Gästen, die sich alle schon in der Öffentlichkeit als Betroffene geoutet hatten und deshalb souverän über ihre Erkrankung sprachen. Dennoch wurde das Publikum gut unterhalten. Einige Lacher erntete beispielsweise zu Guttenberg, als er erzählte, wie ihm erst sein inzwischen verstorbener Freund Frank Schirrmacher, ehemals Feuilleton-Chef der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, und einige Jahre später dann auch ein in sich ruhender junger Mann, der in einem Skiort Skischuhe anpasst, den spirituellen Autor Eckhart Tolle empfohlen haben. „Wenn der Feuilleton-Chef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Herr, der in einem Schweizer Skiort, ständig stinkende Füße im Gesicht hängen hat, mir den gleichen Autor empfehlen, dann sollte ich ihn mal lesen“, sagte zu Guttenberg. Auch er ist nach der Lektüre der Meinung, dass die Bücher von Tolle für Menschen mit Depressionen eine heilsame Wirkung haben können.
Ärztin spricht über nichtansprechende Therapieresistenz
Aber nicht nur Prominente kamen zu Wort. Auch Ärzt:innen berichteten über den neuesten Stand der Therapie. So sprach etwa Dr. Christine Reif-Leonhard, Oberärztin am Universitätsklinikum Frankfurt, über nichtansprechende Therapieresistenz (TRD) bei chronischer Depression und mögliche Behandlungsoptionen. „Wenn Sie fünf Antidepressiva nacheinander wechseln, gibt es einen mäßigen Beleg dafür, dass das etwas bringen kann“, sagte die Ärztin. Zielführender sei die Frage, ob die Dosierung angepasst werden könne. Oder ob eine Komorbidität wie ADHS vorliegt. Vielleicht steckt auch eine andere Krankheit, wie eine bipolare Störung, hinter den Symptomen, die eine andere Medikation erfordert. Auch ein Trauma kann eine Depression auslösen. Hier wäre dann eine Traumabehandlung die Therapie der Wahl.
Digitale Hilfsangebote wurden auf der Bühne ebenfalls empfohlen. Etwa das Diskussionsforum Depression [1], in dem sich Betroffene kostenlos informieren und mit anderen austauschen können. Einige der dort aktiven Schreibenden hätten eine große Expertise mit der Erkrankung, weil sie zum Teil schon lange darunter leiden und hilfreiche Tipps zu Nebenwirkungen von Medikamenten geben können, sagte Dr. Nico Niedermeier, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Verhaltenstherapie und Gründungsmitglied des Diskussionsforums. „Diese Betroffenen wissen oft viel mehr als Ärzte oder psychologische Psychotherapeuten“, sagte Niedermeier.
Nicht nur Fachinhalte, sondern auch Kunst und Musik
Das Bühnenprogramm wurde von musikalischen Einlagen, einer Lightshow und Yoga zum Mitmachen gerahmt. In den Pausen konnten die Teilnehmer:innen kostenlos Filterkaffee und Wasser trinken und Müsliriegel und Suppe essen. Die Verpflegung wurde durch die Eintrittsgebühr von 55 Euro pro Person und die finanzielle Unterstützung einiger Stiftungen gedeckt. Auf mehreren Stockwerken waren außerdem Stände vertreten. Hier informierten die Verantwortlichen über Bündnisse gegen Depressionen aus verschiedenen Regionen, oder die Arbeit von Stiftungen, wie der Karin und Walter Blüchert Gedächtnisstiftung. Diese unterstützt auf Antrag Betroffene, die sich aufgrund ihrer Depression in einer wirtschaftlichen Notsituation befinden.
Der Kongress richtet sich in erster Linie an Betroffene und Angehörige. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Erkrankung blieb daher eher an der Oberfläche. Dennoch kann das Programm Betroffenen und ihren Angehörigen gute Anregungen liefern. Für manche Teilnehmer:innen war der Kongress auch einfach nur wohltuend, weil er ein Gefühl der Zusammengehörigkeit schaffte. Vor dem Ausgang war ein Flipchart mit der Überschrift „Das nehme ich vom Kongress mit …„ aufgestellt, auf dem man eine Nachricht hinterlassen konnte. Mehrmals stand dort der Satz: „Ich bin nicht allein mit der Krankheit“.
Quelle:Deutscher Patientenkongress Depression am 30. Mai 2026 in Frankfurt a. M.
Literatur:
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Diskussionsforum Depression, abrufbar unter: https://forum.diskussionsforum-depression.de