Hitzetipps für ältere Menschen
Birgit Frohn Dipl. biol.Heiß und heißer – die Temperaturen in ganz Europa klettern in enorme Höhen hinauf. Das trifft alle hart; Menschen, Tiere wie Pflanzen. Ältere Menschen sind indessen in gravierendem Ausmaß zu den Leidtragenden geworden. So können sie sich schützen.
Nach der Hitzewelle ist vor der Hitzewelle und in vielen Regionen muss beinahe täglich vor hohen Temperaturen gewarnt werden. Dass die Sommer sukzessive heißer und Rekordwerte bereits immer früher im Jahr gemessen werden, ist inzwischen belegter Fakt [1]. Besonders betroffen von der Erwärmung durch den Klimawandel ist Europa [1] – und damit mittendrin wir alle zwischen Flensburg und Garmisch.
Hitze ist wie ein unsichtbares Erdbeben. Sie hinterlässt weitgehend keine sichtbaren Zerstörungen, fordert aber dennoch zahllose Todesopfer.
Warum Ältere noch mehr gefährdet sind
Alle lebenden Wesen, auch Tiere und Pflanzen leiden sehr unter Hitze. Das größte gesundheitliche Risiko tragen jedoch die älteren und meist mehrfach erkrankten Menschen. Die aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts zeigen leider, wie deutlich stärker Hitzewellen diese Altersgruppe treffen. Das liegt vor allem daran, dass sich der Körper mit zunehmendem Alter nicht mehr so gut an hohe Temperaturen anpassen kann, was die Medizin Thermoregulation nennt. So schlagen unter anderem die Thermorezeptoren in Haut und Blutgefäßen langsamer als früher Alarm. Auch die eigentliche sensorische Wahrnehmung von Hitze an sich lässt nach. Das gilt auch für das Empfinden von Durst – ohnehin ein Problem bei älteren Menschen. Erschwerend hinzu kommt, dass sich alleinlebende oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Senioren bei großer Hitze oft nicht mehr selbst ausreichend versorgen können und nicht mehr selbstständig genug trinken. Die typischen Altersbeschwerden wie Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder Herzschwäche tragen ihr Übriges zum erhöhten Risiko bei.
Wie Hitze ans Herz geht
Bei hohen Temperaturen weiten sich die Blutgefäße an der Hautoberfläche, damit mehr Wärme abgegeben werden kann. An sich ist das sehr sinnvoll, doch leider auch enorm anstrengend für das Herz. Denn es muss nun schneller und kräftiger schlagen, um die anderen Körperbereiche – Muskeln, innere Organe und vor allem Gehirn – mit ausreichend Blut zu versorgen. Der Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen stresst das Herz zusätzlich, da das Blut dadurch dicker wird. Damit wird es umso schwerer, den Lebenssaft durch den Körper zu pumpen. Plötzliche Anstiege oder Abfälle von Blutdruck und Puls sind deshalb eine häufige Folge von Hitze. Besonders riskant können rasche Erhöhungen der Temperatur für das Herz werden [2].
Ausreichend trinken
Ohne Frage ist das die Königsdisziplin zum Schutz vor Hitze und im Grunde allseits bekannt. Doch bei Älteren lässt wie erwähnt das Durstgefühl nach. Das führt dazu, dass der Körper viel Flüssigkeit verliert, ohne dass es bemerkt wird. Um das zu vermeiden, sollte stets eine Flasche mit Nachschub in direkter Nähe parat sein. Denn das erinnert an das so wichtige Trinken. Ideal sind Mineralwasser, Früchte- oder Kräutertees und starke verdünnte Fruchtsaftschorlen. Wichtig, trotz der Hitze: nicht eisgekühlt, sondern moderat temperiert trinken. Bei stark gekühlten Getränken geht der Körper nämlich auf Gegenangriff und produziert noch mehr Wärme zur Abwehr. Nicht umsonst wird in heißen Ländern so gerne warmer Tee getrunken.
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Als bevorzugte Quelle auswählenEiskalt bitte nicht
Glücklicherweise ereilen uns extreme Temperaturen inzwischen nicht mehr ohne Vorwarnung. Das gibt die gute Gelegenheit, den Tagesablauf anzupassen. Das heißt, alles, was draußen stattfinden muss, sollte für die frühen Morgenstunden oder den späteren Abend eingeplant werden. Das betrifft sportliche Aktivitäten wie etwa Joggen, Einkäufe, Amtsgänge oder Arztbesuche. Ab der Mittagszeit bis zum späten Nachmittag ist der Aufenthalt in geschlossenen Räumen sowie zuhause vorzuziehen. Apropos zuhause: dieses sollte bestmöglich kühl gehalten werden. Dazu hilft es sehr, die Fenster über den Tag hinweg mit Jalousien oder/und Vorhängen zu verschatten. Gelüftet werden sollte erst, wenn es draußen kühler als drinnen ist. Das ist in der Regel nachts und frühmorgens der Fall. Am späteren Abend muss geprüft werden; gerade in den Innenstädten steht zu diesem Zeitpunkt oft noch die Hitze in den Straßen.
Heiße Nächte meistern
Die Zahl der sogenannten Tropennächte nimmt hierzulande ebenfalls zu. Das sind Nächte, in denen die Temperaturen nicht unter 20°C sinken. Das macht dem Organismus zusätzlich zu schaffen. Denn die so wichtige Nachtruhe ist dann nicht mehr ausreichend erholsam: wärmebedingt wird der Schlaf oberflächlicher, da die Tiefschlafphasen weniger und kürzer werden. Um sich gegen Tropennächte zu wappnen, sollte die Bettwäsche aus Leinen oder Seide sein. Oftmals genügt ein Laken als Bettdecke. Auf Nachthemd und Schlafanzug kann verzichtet werden. Wenn Kleidung des Nachts getragen wird, sollte diese unbedingt luftig und atmungsaktiv sein. Zu gutem Schlaf trotz Hitze verhelfen zudem Ventilatoren im Schlafraum. Vor dem Schlafengehen feuchte Tücher auf Arme, Beine, Nacken und Stirn zu legen, hat sich ebenfalls bewährt. Denn das entzieht dem Körper über die Verdunstungskälte ganz einfach überschüssige Wärme. Außerdem sollte generell, und in heißen Perioden noch wichtiger, das Abendessen leicht und keinesfalls zu üppig sein.
Elektrolythaushalt ausgleichen
Über den Schweiß verliert der Körper nicht nur Wasser, sondern auch Elektrolyte. Das kann rasch den Elektrolythaushalt durcheinander bringen, was sich unter anderem durch Schwindel oder Kreislaufbeschwerden bemerkbar macht. Für schnelle Abhilfe sorgen hier leichte, salzhaltige Speisen wie Gemüsebrühe. Auch mit dem Knabbern von Salzgebäck lässt sich der Verlust an Elektrolyten einfach und flott ausgleichen. Das beruhigt auch den Magen und hilft gegen den kleinen Hunger zwischendurch.
Dresscode bei Hitze
Klettert die Quecksilbersäule in die Höhe, lautet die Devise: weite, leichte Kleidung aus kühlenden Materialien wie Seide und Leinen. Alles, was eng sitzt und einengt, ist jetzt zu meiden. Unbedingt empfehlenswert ist eine Kopfbedeckung. Statt zum Cap sollte jedoch besser zum Stoff- oder Strohhut gegriffen werden. Denn die Krempe schützt zusätzlich vor der heißen UV-Strahlung.
Behandlung anpassen
Viele Senior:innen müssen regelmäßig Medikamente einnehmen. Bei deren Dosierung kann Hitze eine Anpassung erforderlich machen. Das sollte bestenfalls vor Beginn der Sommerzeit oder einer angekündigten Hitzeperiode ärztlich abgeklärt werden. Auch die erforderliche Trinkmenge kann sich durch hohe Temperaturen ändern, gerade bei Herzschwäche oder Nierenerkrankungen. Das gilt es ebenso in der Arztpraxis zu besprechen. Für Menschen mit Diabetes oder Bluthochdruck gilt generell die Empfehlung, die Kontrollen bei Hitze häufiger durchzuführen. Der Blutzucker sollte zwei- bis dreimal täglich und der Blutdruck zweimal am Tag gemessen werden.
Der Fall für 112
Hitze kann kritische und mitunter lebensbedrohliche Folgen haben. Bei diesen Alarmzeichen ist unbedingt und sofort der Notarzt unter 112 anzurufen:
Bewusstseins- und Sprachstörungen
schwere Atemnot
Brustschmerz oder Brustenge
starke Schwäche und Verwirrtheit
deutlich weniger Urin
Verlust von mehr als zwei Kilogramm Körpergewicht an einem Tag
Ohnmacht
Deutsche Herzstiftung, Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG),
Literatur:
- (1)
Der Spiegel: Europa ist angekommen im Hitzezeitalter, abrufbar unter: https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/hitze-in-europa-warum-hitzewellen-und-extremtemperaturen-zunehmen-a-25346a41-a1cb-466a-bafe-8b8b26b0c653
- (2)
Lechner K et al. (2026) Upward Air Temperature Shifts and Acute Cardiovascular Events in Individuals with Atherosclerotic Cardiovascular Disease. DOI: 10.1016/j.lanepe.2026.101730