Bradykardie
Dr. rer. nat. med. habil. Eva GottfriedHerzrhythmusstörungen mit verlangsamtem Herzschlag bezeichnet man als Bradykardie. Wenn der Körper nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt wird, kann es zu Schwindel, Übelkeit und Ohnmacht kommen. Verschiedene Varianten des EKG (Elektrokardiogramm) dienen zur Diagnose; die Therapie reicht von Atropin zur Notfallbehandlung bis Herzschrittmacher zur langfristigen Stabilisierung der Patient:innen.
Was ist eine Bradykardie?
Die Bradykardie ist eine Form von Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien). Eine langsame Herzfrequenz von weniger als 60 Schlägen pro Minute wird als Bradykardie bezeichnet.
Wie kommt es zur Bradykardie?
Die rhythmische Kontraktion und Relaxation von Vorhöfen und Kammern – Systole und Diastole – spiegelt sich in den systolischen und diastolischen Blutdruckwerten wider. Gesteuert wird die kardiale Aktivität durch elektrische Impulse, die vom Sinusknoten und dem Atrioventrikularknoten (AV-Knoten) ausgehen. Diese Strukturen fungieren als natürliche Schrittmacher des Erregungsleitungssystems und determinieren die am Puls messbare Herzfrequenz.
Pathologische Veränderungen im Bereich des Sinus- oder AV-Knotens führen zu Störungen der Erregungsbildung und -leitung. Bei Bradykardien resultiert die verlangsamte Herzfrequenz im Extremfall in kurzzeitigen Asystolien.
Was sind die Ursachen einer Bradykardie und welche Formen gibt es?
Bei der Beurteilung pathologischer Bradykardien sind physiologische Varianten zu berücksichtigen: Neugeborene, Kinder sowie gut trainierte Ausdauersportler:innen weisen häufig niedrigere Ruheherzfrequenzen auf, ohne dass Krankheitswert besteht. Behandlungsbedürftige Bradykardien können durch verschiedene Faktoren bedingt sein:
Endokrine Störungen, insbesondere Hypothyreose
Elektrolytstörungen, vor allem Kalium- und Kalziumimbalanzen
Medikamentöse Nebenwirkungen durch Herzglykoside, Kalziumantagonisten, Betablocker oder andere kardioaktive Substanzen
Strukturelle Herzerkrankungen, beispielsweise nach Myokardinfarkt oder als Komplikation kardiochirurgischer Eingriffe
Erhöhter intrakranieller Druck
Inflammatorische Erkrankungen wie Myokarditis, rheumatisches Fieber oder systemischer Lupus erythematodes
Angeborene Herzfehler
Störungen des Erregungsleitungssystems
Zu den Erregungsleitungsstörungen zählen das Sick-Sinus-Syndrom mit Dysfunktion des Sinusknotens sowie verschiedene Grade des AV-Blocks. Das Sinusknotensyndrom kann mit Sinuspausen einhergehen, bei denen das Erregungsbildungssystem einzelne oder mehrere Herzschläge aussetzt. Bei ausgeprägter Symptomatik oder häufigen Pausen ist die Schrittmacherimplantation indiziert, sofern keine reversible Ursache behandelt werden kann.
Das Tachy-Brady-Syndrom stellt eine Sonderform dar, bei der tachykarde und bradykarde Phasen alternieren. Diese Rhythmusstörung tritt häufig bei Patient:innen mit Vorhofflimmern auf und ist mit erhöhtem Schlaganfallrisiko sowie Synkopen assoziiert. Die Therapie umfasst gegebenenfalls eine Schrittmacherimplantation zur Bradykardie-Prophylaxe, antiarrhythmische Medikation zur Tachykardiekontrolle sowie eine Antikoagulation zur Schlaganfallprävention.
Was sind die Symptome einer Bradykardie?
Eine hämodynamisch relevante Bradykardie führt zu verminderter zerebraler Perfusion und kann verschiedene Symptome hervorrufen:
Schwindel bis hin zu Synkopen oder Präsynkopen
Fatigue und ausgeprägte Leistungsminderung
Belastungsdyspnoe mit rascher Erschöpfung bei körperlicher Aktivität
Thorakale Beschwerden
Verwirrtheitszustände
Vegetative Symptome wie Übelkeit und Schweißausbrüche
Wie wird eine Bradykardie festgestellt?
Nicht jede Rhythmusstörung ist behandlungsbedürftig. Jedoch sollten die Symptome abgeklärt und die Ursachen gesucht werden. Hierzu werden Symptome und Beschwerden sowie die Einnahme von Medikamenten oder sonstigen Substanzen erfasst.
Zur apparativen Untersuchung dienen:
Ruhe-EKG: Elektrokardiogramm zur Bestimmung der elektrischen Herzaktivität
Belastungs-EKG
Langzeit-EKG
Event-Recorder oder Loop-Recorder können über einen längeren Zeitraum auch sehr selten auftretende Störungen aufzeichnen
gegebenenfalls Herzkatheteruntersuchung/invasive elektrophysiologische Untersuchung (EPU)
Wie wird Bradykardie behandelt?
Die therapeutische Strategie bei Bradykardie richtet sich nach Ätiologie, Ausprägung und klinischer Symptomatik. Grenzwertige oder intermittierende Bradykardien ohne hämodynamische Relevanz erfordern häufig keine Intervention. Bei symptomatischen oder ausgeprägten Bradykardien stehen folgende Therapieoptionen zur Verfügung:
Kausale Therapie: Liegt eine behandelbare Grunderkrankung vor – beispielsweise eine Hypothyreose oder Elektrolytstörung – steht deren Behandlung im Vordergrund. Ebenso können medikamentös induzierte Bradykardien durch Dosisanpassung oder Umstellung der auslösenden Substanz behoben werden.
Schrittmacherimplantation: Bei strukturellen Schädigungen des Erregungsleitungssystems ist die Implantation eines permanenten Herzschrittmachers indiziert. Das Gerät gewährleistet eine adäquate Herzfrequenz und verhindert kritische Bradykardien.
Primäres Therapieziel ist die Normalisierung der Herzfrequenz sowie die Symptomkontrolle. Eine adäquate Behandlung kann schwerwiegende Komplikationen wie Synkopen, synkopenbedingte Verletzungen oder im Extremfall lebensbedrohliche Ereignisse verhindern.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Bradykardie
Rund um das Thema Bradykardie stellen sich für Betroffene und Angehörige oft viele Fragen: zur Diagnose, zu Behandlungsmöglichkeiten, zu Nebenwirkungen oder zum Alltag mit der Erkrankung. In dieser Patient:innen-FAQ finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen.