Donnerstag, 30. Juni 2022
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Morbus Crohn

von Palma Pelaj

Morbus Crohn
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Morbus Crohn wurde lange Zeit als rein „westliche“ Erkrankung klassifiziert, dennoch stiegen die Inzidenzen in den neu industrialisierten Ländern in den letzen Jahren deutlich. Die höchste Prävalenz der Erkrankung hat Deutschland mit 322 Erkrankungen auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Aber was ist Morbus Crohn eigentlich genau? Wie entsteht die Erkrankung? Was sind typische Symptome von Morbus Crohn? Wie verlaufen Diagnose und Behandlung? Im Folgenden finden Sie die Antworten auf diese Fragen! 
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Was ist Morbus Crohn?

Etymologie und Definition von M. Crohn

Morbus Crohn (M. Chron) ist eine chronische Darmentzündung. Die Erkrankung wurde nach dem amerikanischen Arzt Burrill Bernard Crohn (1884-1983) benannt, der M. Crohn (Ileitis terminalis) 1932 zum ersten Mal beschrieb. Zusammen mit der Colitis ulcerosa wird M. Crohn den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) zugerechnet. Der Unterschied: Bei M. Chron können alle Abschnitte des Magen-Darm-Bereichs entzündet sein. Bei der Colitis ulcerosa beschränkt sich die Darmentzündung auf das Kolon (Dickdarm).

Inzidenz bei M. Crohn

M. Crohn ist eine häufige Erkrankung des Darms und tritt meist zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr erstmals auf. Die entzündliche Darmerkrankung kann jedoch Menschen aller Altersgruppen betreffen.
 
 

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Wie entsteht Morbus Crohn?

Die Pathogenese ist noch nicht abschließend geklärt, diskutiert wird ein autoimmunologischer Krankheitsmechanismus. Möglicherweise liegt eine gestörte Barrierefunktion der Darmschleimhaut zugrunde. Das Mikrobiom des Darms wird ebenfalls für die chronische Entzündung verantwortlich gemacht. Der Konsum vieler Süßigkeiten oder Nikotin sowie die häufige Einnahme von Antibiotika in Kindheit und Jugend können das Erkrankungsrisiko erhöhen. Auch psychosomatische Ursachen werden diskutiert. Die Krankheit erzeugt einen hohen Leidensdruck, sodass Depressionen entstehen können.

Das Risiko, an Morbus Crohn zu erkranken, beeinflussen

•    Immunsystem
•    genetische Veranlagung
•    Umwelteinflüsse

Faktoren, die die Schwere der Symptome von M. Crohn beeinflussen

•    Tabakkonsum
•    Alter
•    Rektum betroffen / nicht betroffen
•    wie lange der Patient / die Patientin bereits an der Krankheit leidet
•    Ernährung

Was sind typische Symptome bei Morbus Crohn?

Erste Anzeichen der chronisch-entzündlichen Erkrankung machen sich meist bereits in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter bemerkbar.

Zu den Hauptsymptomen von M. Crohn gehören

•    chronischer Durchfall (flüssiger bis wässriger Stuhl, gelegentlich mit Blut- oder Schleimbeimengung)
•    Bauchschmerzen und Krämpfe (meist Schmerz im rechten Unterbauch)
•    Abgeschlagenheit / Müdigkeit
•    Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
•    Fieber
•    Anämie (durch Eisen- oder Vitamin-B12-Mangel)

Weitere typische Symptome von M. Crohn sind

•    Gelenkschmerzen
•    Osteoporose
•    Entzündungen der Augen
•    Nierensteine (bis hin zu einer Beteiligung der Leber – sog. primär sklerosierende Cholangitis, Autoimmunhepatitis)
•    häufiges Auftreten von Magen-Darm-Infekten

Bei folgender M. Crohn-Symptomatik sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden

•    Blut im Stuhl; blutige Durchfälle
•    Durchfall seit mehr als 7 Tagen
•    häufige krampfartige Bauchschmerzen
•    nicht nachvollziehbarer Gewichtsverlust
•    verlangsamtes Wachstum (bei Kindern)

Was sind Komplikationen bei Morbus Crohn?

•    Darmverschluss: M. Crohn kann die gesamte Dicke der Darmwand befallen. Mit Fortschreiten des Krankheitsverlaufs können Teile des Darms vernarben oder sich verengen. Dadurch wird die Verdauung blockiert.
•    Geschwüre: Chronische Entzündungen führen häufig zu offenen Wunden (Geschwüren) im gesamten Verdauungstrakt (z.B. Mund, Magen, Darm, Anus, Genitalbereich).
•    Fisteln: Wenn Geschwüre die Darmwand vollständig durchdringen, können sich abnormale Verbindungen zwischen verschiedenen Körperteilen bilden. Diese Verbindungen werden als Fisteln bezeichnet. Fisteln
      können zwischen dem Darm und der Haut oder zwischen dem Darm und einem anderen Organ entstehen. Am häufigsten Treten sie im Bereich des Afters auf (perianale Fisteln). Fisteln können zu einem ständigen
      Abfluss von Darminhalt in die Haut führen. In einigen Fällen kann sich eine Fistel infizieren und einen Abszess bilden. Dies kann ohne Behandlung lebensbedrohlich sein.
•    Dickdarmkrebs: Greift der M. Crohn den gesamten Dickdarm an, besteht ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs.
•    weitere Komplikationen: Seltener treten weitere Komplikationen in anderen Bereichen des Körpers auf. Zu diesen Problemen gehören: Anämie, Hauterkrankungen, Osteoporose, Arthritis und Gallenblasen- oder Lebererkrankungen.
 
 

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Wie wird Morbus Crohn diagnostiziert?

Morbus Crohn: Diagnose

Da die Symptome der chronischen Entzündung anderen Erkrankungen ähneln, reicht ein einzelnes Testergebnis nicht für eine gesicherte Diagnose. Andere Ursachen für die Beschwerden müssen ausgeschlossen werden. Vor allem muss M. Chron von Magen-Darm-Infektionen abgegrenzt werden.

Folgende Testverfahren stehen bei M. Crohn zur Verfügung

•    allgemeine körperliche Untersuchung
•    Bluttest: gibt Aufschluss über mögliche Indikatoren der Erkrankung (bspw. Anämie, Entzündungswert)
•    Stuhltest: prüft, ob sich Blut im Magen-Darm-Trakt befindet
•    Endoskopie / Koloskopie + Gewebeprobe

Bildgebende Verfahren bei M. Crohn

•    MRT-Scan
•    CT-Scan

Wird nach diesen Tests die Diagnose Morbus Crohn gestellt, können sie im Verlauf der Erkrankung wiederholt werden, um die Krankheitsprogression zu bewerten.

Wie wird Morbus Crohn behandelt?

Auch der Patient oder die Patientin kann dazu beitragen, weitere Schübe möglichst hinauszuzögern. Die beschwerdefreien Zeiten können durch gesunde Ernährung ohne Fertigprodukte und zu viel Zucker aktiv verlängert werden. Auch Stressreduktion ist bei CED ein wesentlicher Faktor, um das Krankheitsbild zu lindern. Eine Ernährungstherapie ist als begleitende Maßnahme zur Linderung der Symptome und zur Kontrolle der Erkrankung zielführend.

Eine Kombination von Behandlungsmöglichkeiten kann dabei helfen, die Erkrankung unter Kontrolle zu halten und die Lebensqualität der Patienten und Patientinnen verbessern. Es gibt keine Standardtherapie, die für alle Betroffenen geeignet ist. Die Behandlung muss also individuell angepasst werden.

Welche Medikamente werden bei Morbus Crohn eingesetzt?

Das Ziel der medikamentösen Therapie von Morbus Crohn und anderen CED ist es, die Entzündungsreaktion des Immunsystems, die die Symptome verursacht, zu unterdrücken. Die Unterdrückung der Entzündung durch Medikamente führt nicht nur zur Linderung von Symptomen wie Fieber, Durchfall und Schmerzen, sondern ermöglicht auch die Heilung des Darmgewebes.

Bei einem akuten Crohn-Schub kommen entzündungshemmende Medikamente, wie

•    Kortikosteroide
•    Aminosalicylatem
•    Sulfasalzin
•    Mesalazin
•    Infliximab (TNF-alpha-Blocker)

oder andere Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva) zum Einsatz. In schweren Fällen können Biologika eingesetzt werden.

Unter bestimmten Umständen kann der Arzt oder die Ärztin eine zusätzliche Therapie empfehlen, die in Kombination mit der Anfangstherapie eingesetzt wird. Dies erhöht die Wirksamkeit. Eine solche Kombinationstherapie kombiniert zum Beispiel ein Biologikum mit einem Immunmodulator. Wie bei jeder Therapie gibt es auch bei der Kombinationstherapie Risiken und Vorteile. Die Kombination von Therapien kann die Wirksamkeit der CED-Behandlung erhöhen, aber es kann auch ein erhöhtes Risiko für zusätzliche Nebenwirkungen und Toxizität bestehen.

Chirurgische Therapie bei M. Crohn

Selbst bei richtiger Medikation und Ernährung müssen 18% der Betroffenen mit Morbus Crohn im Laufe ihres Lebens operiert werden. Ein solcher chirurgischer Eingriff kann die Erkrankung zwar nicht heilen, trägt jedoch zur Sicherung der Lebensqualität bei, indem sie Teile des Magen-Darm-Traktes erhält.

Die operative Therapie wird nötig, wenn die Symptome nicht mehr durch eine medikamentöse Therapie kontrollierbar sind. Operiert wird auch, sich eine Fistel, eine Fissur oder ein Darmverschluss entwickelt. Häufig wird bei diesem Eingriff zunächst das erkrankte Darmsegment entfernt (Resektion), um die beiden Enden des gesunden Darms anschließend miteinander zu verbinden (Anastomose). Zwar verschwinden die Symptome der Betroffenen nach solch einem Eingriff häufig für einige Jahre, kehren jedoch meist wieder zurück. Neue Studienergebnisse zeigen einen Vorteil für Betroffene, die mindestens 3 Monate vor der Operation die Einnahme von TNF-Blockern beenden.

Ernährungstherapie bei M. Crohn

Eine spezielle Diät kann die Lebensqualität Betroffener verbessern, indem sie zur Linderung der Beschwerden beiträgt. Selbst bei einem akuten Morbus-Crohn-Schub kann eine richtige Ernährung Abhilfe schaffen. Es gibt jedoch keinen Standarddiätplan, der bei allen Betroffenen mit M. Crohn gleichermaßen geeignet ist. Wie auch bei der medikamentösen Therapie ist die individuelle Herangehensweise an die Ernährung von großer Bedeutung für den Therapieerfolg. Wichtig ist es, durch Ausprobieren herauszufinden, welche Lebensmittel für eine Verbesserung und welche für eine Verschlechterung der Beschwerden sorgen.

Lebensmittel, die für die Ernährung bei M. Crohn geprüft werden sollten

•    Ballaststoffe (Weizen, Bohnen, Mais, etc.)
•    Fette
•    Milchprodukte
•    Omega-3-Fettsäuren
•    vegetarische Ernährung
•    Lebensmittel, die viele Vitamine enthalten

Außerdem ist verstärkt darauf zu achten, dass der Patient / die Patientin genug Wasser zu sich nimmt, da die Erkrankung die Fähigkeit des Körpers Wasser aufzunehmen, beeinträchtigen kann. Des Weiteren sollte im Einzelfall geprüft werden, ob ein Mangel an Vitaminen besteht. Bei Bedarf sollten Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden.

Weitere Informationen zu M. Crohn

Redaktion journalmed.de