Donnerstag, 20. Februar 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

01. Juli 2019 Asthma und COPD: Digitale Lösungen befördern Adhärenz

Mangelnde Adhärenz sowie Fehler bei der Inhalation von Medikamenten sind die großen Herausforderungen bei Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen. „Um die Versorgung von Asthma- und COPD-Patienten zu verbessern und auch in Zukunft sicherzustellen, benötigen wir digitale Lösungen“, erläuterte Dr. Sabine Häussermann auf dem Kongress Pneumologische Versorgung 2019 in Berlin. Tools wie sogenannte Smart Inhaler und Apps bieten sowohl bei der Asthma- als auch der COPD-Therapie Hilfestellungen für eine korrekte Anwendung des Inhalationsgerätes. Die ersten Apps sind bereits auf dem Markt, weitere befinden sich in der Entwicklung.
Anzeige:
Basis für Adhärenz: Schulung

„Für Ärzte und Medizinische Fachangestellte führt kein Weg daran vorbei, sich mit der Digitalisierung zu beschäftigen“, so Häussermann. „Dann können sie Patienten die richtigen Tools empfehlen, die sie bei der korrekten Anwendung unterstützen können.“
Ob ein Patient adhärent ist, hängt von vielen verschiedenen Faktoren und individuell notwendigen Wirkstoffen ab. „Die Basis ist es, einen passenden und einfach anzuwendenden Inhalator zu finden und den Patienten angemessen zu schulen“, so Dr. Lars Rellin, Chiesi. „Es kommen laufend neue Inhalatoren auf den Markt, die jeweils unterschiedlich funktionieren.“ Digitale Tools können dabei helfen, Anwendungsfehler zu minimieren und die Therapie zu unterstützen.

Kontinuierliche Unterstützung statt Momentaufnahme

Bei einem Besuch in der Praxis sieht der Arzt jeweils nur eine Momentaufnahme des Patientenzustandes, in der restlichen Zeit ist der Patient auf sich selbst gestellt. „Digital Health eröffnet neue Möglichkeiten, indem es Ärzte und Patienten auf Wunsch digital miteinander verbindet und durch validierte Informationen die Therapie unterstützt“, erläuterte Häussermann. „Denn durch digitale Tools können kontinuierlich Daten erfasst und auf Wunsch mit dem Arzt geteilt werden.“ Die weiteren Vorteile laut Häussermann sind eine tägliche Begleitung und Motivation der Patienten sowie Sensibilisierung für den Krankheitsverlauf und den Nutzen der Therapie. So könnten digitale Tools dazu beitragen, die Therapietreue und damit die Effektivität der Inhalation zu verbessern.

Unterstützung via Smartphone

Zurzeit werden verschiedene Tools zur Unterstützung von Patienten entwickelt, die sich in 3 Gruppen einteilen lassen. „Die erste Gruppe, sogenannte Smart Devices, sind Inhalationsgeräte, bei denen mittels integrierter Hardware der Inhalationsvorgang unterstützt wird. „Diese befinden sich aktuell in der Erprobung und eine Einführung hierzulande ist noch offen“, so Häussermann. Ein weiteres Tool, das in naher Zukunft in Deutschland verfügbar sein wird, sind Smart-Add-Ons. Diese werden auf den Inhalator, beispielsweise auf ein Dosieraerosol, aufgesteckt und übertragen mittels Bluetooth Daten zur Anwendung an das Smartphone. So kann mithilfe einer App zum Beispiel gezählt werden, ob die verordnete Dosis angewendet wurde. „Zudem kann der Patient in der App Symptome und deren Auslöser ergänzen und so bestimmte Trigger identifizieren“, erläuterte Rellin. „Außerdem gibt es eine Funktion, die an die Anwendung erinnert.“

Tagebuchfunktion bis hin zur künstlichen Intelligenz

Es gibt bereits diverse Apps, die unabhängig von einem Inhalator-Aufsatz funktionieren – der Patient benötigt lediglich sein Smartphone. „Generell variiert die Qualität der Apps stark“, warnte Häussermann. Die Deutsche Atemwegsliga hat gerade ein Siegel (Pneumo Digital) entwickelt, das Nutzern helfen soll, die Qualität und Vertrauenswürdigkeit von pneumologischen Apps einzuschätzen. Die Funktionen unterscheiden sich von einer reinen Tagebuchfunktion bis hin zur künstlichen Intelligenz, bei der mittels Videoaufnahme der Inhalationsvorgang analysiert werden kann. Letztere Funktion nutzt beispielsweise die bereits gelaunchte App Kata®, die sowohl die richtige Anwendung des Inhalators, die Dauer der Inhalation sowie die Atempause überprüft.

Mögliche Daten-Auswertung in der Praxis

Neben der Hilfestellung für den Patienten könnten die Daten auch bei Bedarf im Rahmen des Arzt/Patienten-Dialogs genutzt werden. Dies wird z.B. durch Monatsberichte ermöglicht, die die App für den Patienten erstellt und die dieser dann auf Wunsch mit dem Arzt teilen kann. Solche Berichte werden beispielsweise vom Propeller Health- System (Smart-Add-On + App) generiert. Das System ist bereits in den USA im Einsatz und verfügt über eine CE-Zertifizierung für Europa.
Digitale Lösungen sind laut Häussermann für Patienten geeignet, die generell eine positive Einstellung gegenüber einer korrekten Anwendung haben: „Circa 2 Drittel der Patienten sind offen für eine Optimierung der Adhärenz.“

Quelle: Chiesi


Das könnte Sie auch interessieren

Antibiotika: Resistenzen vorbeugen – jeder Zweite unterschätzt seine Möglichkeiten

Antibiotika: Resistenzen vorbeugen – jeder Zweite unterschätzt seine Möglichkeiten
© anoli - stock.adobe.com

Mehr als die Hälfte der Bundesbürger (55 %) glaubt irrtümlicherweise, dass sie Antibiotikaresistenzen selbst nicht verhindern können. Und das, obwohl fast 9 von 10 Bundesbürgern (86 %) schon mal ein Antibiotikum verwendet und nahezu die gleiche Anzahl an Befragten (87 %) bereits von Resistenzbildungen gehört haben. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Gesundheitsmonitors des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH) vom Mai/Juni 2019. „Daran sehen wir, wie wichtig es ist, die Bevölkerung über...

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll
© beats_ / fotolia.com

Fasten liegt im Trend: Immer mehr Deutsche halten es für gesundheitlich sinnvoll. Die Zahl der Fasten-Befürworter stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Lag sie vor acht Jahren noch bei 53 Prozent, sind es nun 63 Prozent – ein Plus von fast 20 Prozent. Vor allem unter jungen Menschen ist der bewusste Verzicht weit verbreitet. Dabei möchten immer mehr Fasten-Fans auf Alkohol verzichten: Die geplante Abstinenz liegt mit 73 Prozent so hoch wie nie zuvor. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Auch auf...

Coronavirus: Die Angst geht um

Coronavirus: Die Angst geht um
© dottedyeti - stock.adobe.com

Das Coronavirus hält die Welt seit Wochen in Atem. Drastische Maßnahmen werden in China, aber zum Beispiel auch in Deutschland ergriffen, um die Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit zu verhindern. Auch wenn das Kern-Infektionsgebiet Wuhan rund 8.300 Kilometer Luftlinie von Deutschland entfernt liegt: Bei vielen Menschen weckt das Ängste. So sind in hiesigen Apotheken beispielsweise vereinzelt Mund- und Atemschutzmasken ausverkauft. Michael Falkenstein, Experte für Psychologie von der KKH Kaufmännische Krankenkasse, erklärt, woher solche Ängste kommen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Asthma und COPD: Digitale Lösungen befördern Adhärenz"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.