Freitag, 20. September 2019
Navigation öffnen

Medizin

30. Juli 2019 Höhergradige Niereninsuffizienz: Gezielte kardiologische Untersuchungen empfohlen

Experten zufolge leidet jeder 20. Bundesbürger an einer höhergradigen Niereninsuffizienz, bei der die Nieren kaum noch in der Lage sind, den Körper zu entgiften. Gleichzeitig erkranken Nierenpatienten wesentlich häufiger am Herzen als der Bevölkerungsdurchschnitt, doch bleibt dies oft unentdeckt. Daher raten Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) dazu, Patienten mit fortgeschrittenen chronischen Nierenerkrankungen gezielt auf zusätzliche kardiologische Erkrankungen zu untersuchen. Dies ist eine von 12 neuen „Klug entscheiden“-Empfehlungen (KEE) aus allen Bereichen der Inneren Medizin, welche die DGIM in einem Sammelband zusammengestellt hat. Zur Verbesserung der Patientenversorgung fordert die Fachgesellschaft zudem, dass Nierenpatienten zukünftig nicht mehr aus kardiologischen Studien ausgeschlossen werden.
Anzeige:
Erhöhtes Risiko für akutes Koronarsyndrom

„Bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz soll bei entsprechenden Hinweisen ein akutes Koronarsyndrom ausgeschlossen werden.“ Mit dieser neuen „Klug entscheiden“-Empfehlung will die DGIM die Aufmerksamkeit der Ärzte auf Zusammenhänge zwischen Erkrankungen der Nieren und des Herzens lenken. Denn bei nierenkranken Patienten bleiben Probleme, wie ein akutes Koronarsyndrom, etwa ein Herzinfarkt, im Krankenhaus häufiger unentdeckt als bei Patienten ohne Nierenerkrankung. Auch die Zahl der Todesfälle in Folge einer Herzerkrankung liegt bei Nierenpatienten erheblich höher. Darauf weist die Fachgesellschaft in der neuen KEE unter Berufung auf Ergebnisse US-amerikanischer Wissenschaftler hin. „Nierenerkrankte Patienten kämpfen zusätzlich oft mit weiteren Krankheiten, häufig auch am Herzen“, sagt Prof. Dr. med. Jürgen Floege, Vorsitzender der DGIM und Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, rheumatologische und immunologische Erkrankungen der Uniklinik der RWTH Aachen. Vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Bevölkerung sei es entscheidend, die Aufmerksamkeit von Ärzten und Forschung verstärkt auf multimorbide Patienten und ihre Beschwerden zu lenken.

Zusammenarbeit zwischen Kardiologie und Nephrologie

Floege fordert mehr Interdisziplinarität der internistischen Forschung: „Gerade Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion werden nahezu regelhaft aus kardiologischen Studien ausgeschlossen. Damit vernachlässigen wir in den Studien eine wichtige Hochrisiko-Gruppe von Patienten.“ Von einer verstärkten wissenschaftlichen Zusammenarbeit von Kardiologie und Nephrologie könnten jedoch viele Tausende Patienten profitieren, so der DGIM-Vorsitzende. Aus diesem Grund widmet sich der 126. Internistenkongress im April 2020 unter dem Leitthema „Herz und Niere: eine unheilige Allianz“ den Wechselwirkungen zwischen Erkrankungen der beiden Organe. Zuvor soll bereits die neue KEE die behandelnden Ärzte für die Problematik sensibilisieren.

Instrument für den Praxisalltag 

Seit 2016 gibt die DGIM die KEE für Ärzte heraus. 11 weitere Fachgesellschaften haben sich der Initiative der DGIM angeschlossen. 12 neue KEE sind im April 2019 hinzugekommen, sodass das Programm nun 149 Positiv- und Negativempfehlungen umfasst. „Mit der Initiative KEE geben wir den Ärzten der beteiligten Fachbereiche ein praktisches Instrument für den Klinik- und Praxisalltag an die Hand“, sagt Prof. Dr. med. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM und Internist und Kardiologe aus Würzburg. „Die Handlungsempfehlungen richten sich sowohl gegen Über- als auch Unterversorgung und sollen die Qualität und Effektivität der Patientenversorgung weiter verbessern“, so Ertl. Ärzte können in der eAkademie der DGIM Schulungen zu den KEE absolvieren und ein Zertifikat erhalten. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage https://www.klug-entscheiden.com.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin


Das könnte Sie auch interessieren

Faktencheck: Welchen Nutzen haben Vitamin-D-, Vitamin-E- und Selen-Präparate?

Faktencheck: Welchen Nutzen haben Vitamin-D-, Vitamin-E- und Selen-Präparate?
© mayakova / Fotolia.com

Jede vierte deutsche Frau und etwa jeder fünfte deutsche Mann nehmen Präparate zur Nahrungsergänzung. Im Zeitraum April 2015 bis März 2016 wurden insgesamt 177 Millionen Verpackungen verkauft.1 Doch schützt die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln tatsächlich vor Krankheiten? Die AOK Hessen hat Fakten zu Nutzen und Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln übersichtlich zusammengestellt.

So kommen Senioren gut durch den Winter

So kommen Senioren gut durch den Winter
© ARochau / Fotolia.com

Im Winter neigen vor allem ältere Menschen dazu, sich zu Hause einzuigeln. Aber zu wenig an Bewegung, frischer Luft und Tageslicht können schnell das Immunsystem schwächen, den Stoffwechsel verlangsamen und aufs Gemüt schlagen. „Senioren sollten auch im Winter auf ausreichend Bewegung achten. Andernfalls haben sie es im Frühjahr deutlich schwerer, wieder in Schwung zu kommen“, sagt Klaus Möhlendick, Diplom-Sportwissenschaftler bei der BARMER GEK. Regelmäßige Bewegung ist deshalb so wichtig, weil sie den altersbedingten physiologischen...

Herzrhythmusstörungen: Wann Herzstolpern gefährlich wird

Herzrhythmusstörungen: Wann Herzstolpern gefährlich wird
© psdesign1 - stock.adobe.com

Schlägt das Herz unregelmäßig und „stolpert“, sprechen Herzmediziner von Palpitationen. Das Stolperherz umfasst verschiedene Herzrhythmusstörungen, die ohne Vorwarnung auftreten können. Schlägt das Herz plötzlich anders als gewohnt, wird das von den meisten als beängstigend empfunden. „Ist mein Herz in Gefahr?“, fragen sich Betroffene, wenn kräftiges Herzklopfen, Herzrasen oder Aussetzer des Herzschlags wie aus dem Nichts kommen. „Herzstolpern beschreibt das unangenehme Wahrnehmen des Herzschlags, der...

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet
@ deagreez / Fotolia.com

Eine neue Studie zur männlichen Fruchtbarkeit, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Human Reproductive Update", sorgt derzeit für Aufsehen. Die Untersuchungen von Mediziner Hagai Levine und seinem Team der Hebräischen Universität Jerusalem zeigen, dass die Spermienanzahl von Männern aus westlichen Ländern immer weiter abnimmt. Laut den Wissenschaftlern ist die Spermienanzahl pro Milliliter Sperma um etwa 52 Prozent gesunken. Bei der Gesamtzahl der Spermien pro Samenerguss gaben die Forscher sogar einen Rückgang von nahezu 60 Prozent an....

Patientenportal für klinische Studien macht medizinische Forschung für alle transparent und zugänglich

Patientenportal für klinische Studien macht medizinische Forschung für alle transparent und zugänglich
© pressmaster / Fotolia.com

In Deutschland werden jedes Jahr über 500 klinische Forschungsstudien zu neuen Therapien und Medikamenten durchgeführt. Ein Großteil betrifft Volkskrankheiten wie Diabetes, Asthma, COPD, Arthrose oder Schuppenflechte und richtet sich an chronisch kranke Patienten. Leider weiß die Mehrheit dieser Patienten nichts über aktuelle Studien und die Möglichkeiten, die sich daraus für sie ergeben können. Hier setzt das Aufklärungsprinzip von Mondosano an und bietet einfach aufbereitete Informationen zu neuen Therapieformen und Forschungsprojekten. Bei...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Höhergradige Niereninsuffizienz: Gezielte kardiologische Untersuchungen empfohlen "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.