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Medizin
15. April 2021

Schwere atopischer Dermatitis: Dupilumab nun auch für Kinder von 6-11 Jahre

Eine Systemtherapie mit Dupilumab verbessert Hautläsionen, Juckreiz und die Lebensqualität von Kindern mit schwerer atopischer Dermatitis (1-3). In Deutschland sind 12,4 bis 13,6% der Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahren von atopischer Dermatitis betroffen (4). Studien aus dem europäischen Ausland haben gezeigt, dass 11,5 %der Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren von AD betroffen sind, davon leiden 3,4% an einer schweren Form (5). Mit den betroffenen Kindern leiden auch die Eltern und Geschwister (6-8). Zum Beispiel schlafen Eltern schlecht, wenn Säuglinge und Kleinkinder wegen der AD in der Nacht an quälendem Juckreiz leiden, Jugendliche leiden aufgrund des schlechten Hautbildes und sozialer Ausgrenzung, schilderte Prof. Susanne Lau, Charité Universitätsmedizin, Berlin, anlässlich einer Online Fortbildung (6, 9).
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Dupilumab: Erste zugelassene Systemtherapie bei Kindern

Seit dem 25. November 2020 steht mit dem humanen, monoklonalen Antikörper Dupilumab (Dupixent®) erstmals eine Systemtherapie mit zielgerichtetem Wirkmechanismus zur Behandlung von Kindern im Alter von 6-11 Jahren mit schwerer atopischer Dermatitis, die für eine systemische Therapie in Betracht kommen, zur Verfügung (1, 10). Bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren stellt Dupilumab bereits seit September 2017 bzw. August 2019 eine mögliche Therapieoption zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer AD, die für eine systemische Therapie in Betracht kommen, dar (1).
 

Interleukin-4 und -13 als Treiber der Typ-2-Inflammation

Pathogenetisch liegt auch bei Kindern mit AD ein Th1/Th2-Ungleichgewicht der Immunabwehr vor, erklärt Prof. Andreas Wollenberg, München, „Das Ausmaß dessen ist allerdings ungleich stärker im Vergleich zu Erwachsenen, die kindliche Antwort auf AD also stärker Th2-dominiert“, so der Experte. Dieses Ungleichgewicht kann Treiber der AD bei Kindern sein (11).

Bei AD liegt eine Barrierestörung der Haut vor (12). Prof. Matthias Kopp, Universitätsspital Bern, Schweiz, erläuterte, dass bei der Th2-Immunantwort u.a. Interleukin(IL)-4, IL-5 und IL-13 überaktiv sind (13). Dabei sind IL-4 und IL-13 unter anderem treibende Faktoren der Typ-2-Inflammation (13) „Genau an dieser Stelle setzt Dupilumab an, indem es mittels dualer Rezeptorblockade gezielt die Signalwege von IL-4 und IL-13 hemmt“, erklärte Kopp (1, 13).
 
Atopische Dermatitis: Zulassungserweiterung von Dupilumab für Jugendliche erhöht Lebensqualität
© joey333 - stock.adobe.com

„Immer mehr Daten unterstreichen die erhebliche multidimensionale Belastung, die mit einer atopischen Dermatitis bei Jugendlichen und ihren Familien einhergeht“ (1-3), erklärte Prof. Dr. Matthias Augustin, Hamburg, im Rahmen der EADV-Jahrestagung und ergänzte: „Trotz Standardbehandlung besteht bei vielen jugendlichen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis, die unter unkontrollierten,...
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Signifikante Verbesserungen von Hautläsionen, Juckreiz und Lebensqualität

„Die Zulassung von Dupilumab im Bereich schwere AD bei Kindern ist ein Meilenstein“, stellte Dr. Andreas Pinter, Universitätsklinikum Frankfurt/Main, fest. „Denn bisher standen wir vor einem therapeutischen Konflikt: mit relativ nebenwirkungsreichen Medikamenten, die wir eigentlich nicht lange Zeit einsetzen möchten, eine chronische Erkrankung zu behandeln“, sagte er.

Mit Dupilumab steht die 1st-Line-Systemtherapie mit dualer Rezeptorblockade zur Langzeitbehandlung der AD auch für jüngere Patienten zur Verfügung (1, 10, 14). In die Zulassungsstudie LIBERTY AD PEDS waren 367 Kinder (6-11Jahre alt) mit schwerer AD eingeschlossen, die mit topischen Therapien nicht ausreichend kontrolliert war (2). „Die Patienten hatten zur Baseline eine hohe Krankheitslast“, kommentierte Pinter. Der SCORAD lag zwischen 70 und 80 Punkten und die Lebensqualität der Kinder war deutlich eingeschränkt.
 

Unkompliziert für Arzt und Patient

Die Anwendung von Dupilumab ist unkompliziert – es sind keine Voruntersuchungen oder Laborkontrollen nötig (1). Kindern von 6 bis 11 Jahren steht Dupilumab als Fertigspritze zur Verfügung. Die empfohlene Anfangsdosis für Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren mit 15 kg bis < 60 kg Körpergewicht ist 300 mg an Tag 1, gefolgt von 300 mg an Tag 15¥ und nach 4 Wochen 300 mg alle 4 Wochen. Ab 60 kg beträgt die empfohlene Anfangsdosis 600 mg (2 Injektionen zu je 300 mg). Die empfohlenen Folgedosen bei Kindern > 60 kg Körpergewicht betragen 300 mg q2w (1).
 

Sicherheitsprofil

Das Sicherheitsprofil von Dupilumab bei Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren stand auch im Einklang mit dem Sicherheitsprofil bei Jugendlichen und Erwachsenen mit atopischer Dermatitis. Aufgetretene Nebenwirkungen, die im Rahmen der Studie LIBERTY AD PEDS beobachtet wurden, sind unter anderem Reaktionen an der Injektionsstelle, Nasopharyngitis und Konjunktivitis (1, 2).
 

Dupilumab in der Praxis

Ein 9-jähriges Mädchen war eines der ersten Kinder, die Dr. Pinter in seiner Klinik mit Dupilumab behandelte. Es zeigte starke Ekzeme der AD im Gesichts- und Kopf-Hals-Bereich sowie am Oberkörper und hatte seit über einem Jahr keine erscheinungsfreie Haut. Kurzfristige topische Therapien (TCS Klasse II und III) waren ohne relevanten Effekt. Zunächst erhielt das Mädchen 300 mg Dupilumab an Tag 1 als Anfangsdosis sowie eine weitere Dosis 300 mg nach 14 Tagen. Darauf folgte eine Erhaltungsdosis von 300 mg Dupilumab alle vier Wochen. Zusätzlich erhielt sie TCS für ca. 1 Monat und eine Basistherapie mindestens einmal die Woche. Es zeigte sich unter Dupilumab ein deutlich positiver Effekt, der EASI war nach ca. 3 Monaten Therapie bereits unter 3. „Der jungen Patientin konnten wir deutlich helfen“, schloss Pinter.

Quelle: Sanofi

Literatur:

(1) DUPIXENT® Fachinformation, Stand Januar 2021
(2) Paller AS et al. Am J Clin Dermatol 2020; 83(5): 1282-1293
(3) Siegfried E et al. Poster vorgestellt auf der PA & NP Fall Clinical Dermatology Virtual Conference; 13.-15. November 2020
(4) Thamm R, Poethko-Müller C, Hüther A, Thamm M (2018) Allergische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. Journal of Health Monitoring 3(3):03–18
(5) Sicras-Mainar A et al. Ther Clin Risk Manag 2019;15: 1393-1401
(6) Reid P & Lewis-Jones MS. Clin Exp Dermatol 1995; 20(1): 38-41
(7) Carroll CL et al. Pediatr Dermatol 2005; 22(3): 192-199
(8) Holm EA et al. Pediatr Dermatol 2004; 21(6): 623-627
(9) Zuberbier T et al. J Allergy Clin Immunol 2006; 118(1): 226-232
(10) Aktualisierung „Systemtherapie bei Neurodermitis“ zur Leitlinie Neurodermitis; https://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Leitlinien/013_D_Dermatologische_Ges/013-027l_S2k_Neurodermitis_Aktualisierung-Systemtherapie_2020-06.pdf
(11) Czarnowicki T et al J Allergy Clin Immunol 2015; 136(4):941-951
(12) Leung DYM & Guttman-Yassky,E. J Allergy Clin Immunol 2014; 134(4): 769-779
(13) Gandhi NA et al. Nat Rev Drug Discov 2016; 15: 35-50
(14) Blauvelt A et al. Lancet. 2017; 389(10086): 2287-2303


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