Montag, 17. Juni 2019
Navigation öffnen

Patientenbereich

03. Mai 2017 Befunde mitbringen und Fragen notieren: Arztbesuch vorbereiten

Beim Verdacht auf einen Herzinfarkt muss man sofort ins Krankenhaus - klar. Bei Beschwerden, die nicht lebensbedrohlich sind, sollte man sich aber etwas Zeit nehmen und den Arztbesuch vorbereiten. Damit tut man nicht nur sich selbst einen Gefallen.
Berlin/Düsseldorf (dpa/tmn) - Erst überlegt man, ob man mit seinen Beschwerden überhaupt zum Arzt geht. Dann wartet man eine gefühlte Ewigkeit auf den Termin - und vergisst im Behandlungszimmer doch die Hälfte zu fragen. Oder der Arzt kann keine Diagnose stellen, weil wichtige Informationen fehlen. Damit das nicht passiert, sollten Patienten sich auf einen Arzttermin vorbereiten - Notfälle wie der Verdacht auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall sind davon natürlich ausgenommen. Gute Vorbereitung erleichtert dem Arzt die Diagnose, spart Zeit und hilft, wirklich alle Fragen zu klären.

Welche Themen müssen bei akuten Beschwerden geklärt werden?

«Das Arztgespräch sollte dem Patienten auf jeden Fall Aufschluss geben über die Diagnose, die Therapie und die voraussichtliche weitere gesundheitliche Entwicklung», erklärt Regina Behrendt, Referentin Gesundheitsmarkt bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. «Außerdem muss der Patient wissen, wie er sich verhalten soll.»

Welche Unterlagen sollte man zum Arztbesuch mitbringen?

Wenn man das erste Mal in eine Praxis geht, hat man am besten vorhergehende Befunde anderer Ärzte wie Röntgenbilder, Laborergebnisse oder den Entlassungsbrief vom Krankenhaus dabei, wie Johannes Schenkel, ärztlicher Leiter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD), rät. Außerdem sollte man seinen Impfpass und gegebenenfalls Allergieausweis, Mutterpass oder Implantatpass mitbringen.

Der Arzt muss wissen, welche Medikamente man einnimmt - diese kann man entweder selbst auflisten oder einen Medikationsplan vorlegen. «Patienten, die mindestens drei Medikamente einnehmen, haben ein Anrecht darauf», sagt Schenkel. In dem Plan werden elektronisch alle eingenommenen Medikamente aufgelistet, der Patient bekommt einen Ausdruck, und Ärzte und Apotheker können die Medikamente über einen Barcode wieder auslesen. Ausgestellt wird der Plan vom Hausarzt.

Auf welche Fragen vom Arzt sollte der Patient gefasst sein?

Der Arzt wird wissen wollen, seit wann und in welchen Situationen man die Beschwerden hat, wie stark die Schmerzen sind und ob man eine bestimmte Ursache im Verdacht hat. Er wird aber auch nach Lebensgewohnheiten wie Rauchen oder Alkohol fragen, sagt Sabine Schwarz, die beim Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin im Bereich Patienteninformation tätig ist. Auch frühere Operationen oder Krankheiten in der Familie werden meist abgefragt.

Manche Fragen sind dem einen oder anderen vielleicht unangenehm: zum Beispiel solche nach der Verdauung, dem Körpergewicht, dem Wasserlassen, der Potenz oder ob man schon einmal schwanger war. Manchmal fragt der Arzt auch nach dem Beruf und dem Stresslevel. Alles sollte man offen und ehrlich beantworten. «Das sind für den Arzt ganz normale Fragen, die wichtig sind, um eine Diagnose zu stellen», sagt Schwarz.

Was tun, damit man nicht die Hälfte vergisst?

Es kann hilfreich sein, sich vorher Notizen zu machen. Am besten schreibt man sich die eigene Krankengeschichte in Stichpunkten auf, empfiehlt Schenkel. Dann listet man die drängendsten Fragen auf. Wer ganz sicher gehen will, dass er nichts vergisst, kann auch eine Vertrauensperson mit zum Termin bringen. «Vier Ohren hören einfach mehr als zwei», sagt Schwarz. Wenn trotzdem noch Informationen fehlen, kann man auch um einen zweiten Termin bitten.

Wie kann man sich verhalten, wenn der Arzt wenig Zeit hat?

Grundsätzlich ist jeder mal im Stress - so darf es auch einem Arzt gehen. Wer pünktlich und gut vorbereitet zum Termin geht, trägt auch seinen Teil zum reibungslosen Ablauf in der Praxis bei. Als Patient sollte man dem Arzt deutlich machen, dass einem bestimmte Themen wichtig sind und man diese gern erklärt haben möchte. Im Zweifel kann man auch einen neuen Termin ausmachen und um mehr Zeit bitten. «Wenn ein Patient dauerhaft das Gefühl hat, seine Fragen werden nicht beantwortet, sollte man überlegen, ob das der richtige Arzt ist», sagt Schenkel. «Patienten haben ein Recht auf eine ausführliche mündliche Aufklärung, bevor sie in eine Behandlung einwilligen», betont auch Behrendt.

Was, wenn der Arzt zu Leistungen rät, die man selbst zahlen soll?

Nicht selten bekommen Patienten beim Arzt Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), die sie selber bezahlen müssen, angeboten. Wichtig zu wissen ist: «Man hat immer Bedenkzeit», sagt Schwarz. Zunächst sollte sich der Patient die Vor- und Nachteile erklären lassen. «Man sollte gezielt nachfragen, ob Nutzen und Schaden wissenschaftlich belegt sind und wie zuverlässig diese Belege sind.»

Außerdem kann man nachhaken, warum die angebotene Leistung nicht von der Krankenkasse bezahlt wird und ob es alternative Untersuchungen oder Behandlungen gibt, für die die Kosten übernommen werden. Wichtig in Bezug auf die Selbstzahlerleistungen ist außerdem, dass man eine schriftliche Vereinbarung trifft und die Kosten vorab genau aufgeschlüsselt werden, ergänzt Behrendt: «Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und informieren Sie sich bei Unsicherheiten aus weiteren Quellen.»

Weiterführende Informationen im Internet:
 

Elena Zelle

dpa


Weitere Beiträge zum Thema

Wie ändert sich die Wahrnehmung im Alter?

Wie ändert sich die Wahrnehmung im Alter?
© Universitätsklinikum Jena / fotolia.com

Im Gedächtniszentrum am Universitätsklinikum Jena untersuchen und behandeln Ärzte, Neuropsychologen und Ergotherapeuten Patienten mit dem Verdacht einer beginnenden Demenzerkrankung. Sie erforschen, wie sich Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Alter verändern und worin sich diese Veränderungen beim gesunden Altern und der beginnenden Demenz unterscheiden. Ihr Ziel ist die frühzeitige Identifikation von Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine Demenz, um deren Entwicklung bestmöglich entgegen wirken zu können.

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun
© science photo / fotolia.com

Es gibt Bakterien, die Wasserstoff und Naturstoffe produzieren, was sowohl für die Umwelt als auch für die Medizin wichtig ist. In Jena hat ein Forschungsteam nun die Fähigkeit zur Wasserstoff- und Naturstoffproduktion in einer Gruppe von Bakterien nachgewiesen, die bis dahin eher als Krankheitserreger bekannt waren. In Gemeinschaft mit einem methanproduzierenden Bakterium konnten diese Bakterien Milchsäure zu Methan umwandeln.

Rauchstopp lohnt sich – trotz zusätzlicher Kilos auf der Waage

Rauchstopp lohnt sich – trotz zusätzlicher Kilos auf der Waage
© Oleg / fotolia.com

Wer darüber nachdenkt, mit dem Rauchen aufzuhören, sollte sich von einer möglichen Gewichtszunahme nicht abhalten lassen. Denn obwohl auch Übergewicht mit Gesundheitsrisiken verbunden ist, überwiegt der gesundheitliche Nutzen durch einen Nikotinverzicht noch immer deutlich. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen US-Studie, die kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ erschienen ist. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) nimmt den Forschungsbericht zum Anlass, einmal mehr auf die...

Arzneimittelbehörden rufen weltweit zur verstärkten Meldung von Nebenwirkungen auf

Arzneimittelbehörden rufen weltweit zur verstärkten Meldung von Nebenwirkungen auf
© nmann77 / fotolia.com

In einer gemeinsamen Kampagne fordern derzeit Arzneimittelbehörden weltweit Patientinnen und Patienten dazu auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf dem Appell, Verdachtsfälle von Nebenwirkungen bei Kindern zu melden. Weitere Zielgruppen sind Schwangere sowie stillende Frauen, die eine sichere Anwendung von Arzneimitteln sowie die Meldung möglicher Nebenwirkungen sensibilisiert werden sollen. In Deutschland werden diese Meldungen durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte...

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten
© J.Mühlbauer exclus. / fotolia.com

„Zöliakie?? Keine Angst!“, heißt es auf einem Informations-Portal, das seit Kurzem online kostenlos zur Verfügung steht. Der von der Stiftung Kindergesundheit gemeinsam mit dem Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München erarbeitete Online-Kurs www.zoeliakie-verstehen.de bildet den maßgeblichen Teil des EU-Projekts Focus IN CD (Fokus auf Zöliakie). Das Lernprogramm soll Betroffenen aktuelles und umfassendes Wissen zu Zöliakie bieten und medizinisches „Fachchinesich“ anschaulich erklären. Ein weiterer Kurs für...

5 Tipps für ein Leben mit Diabetes

5 Tipps für ein Leben mit Diabetes
© pikselstock / fotolia.com

Laut der Deutschen Diabetes-Hilfe erkranken jeden Tag rund 1.000 Menschen in Deutschland neu an Diabetes. Mediziner unterscheiden dabei je nach Ursache zwischen zwei Typen. Sowohl der Typ 1 als auch der Typ 2 äußern sich in einem chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel aufgrund von Insulinresistenz oder -mangel. Dadurch staut sich Zucker in den Blutgefäßen an. Bleibt eine Diabeteserkrankung unentdeckt, führt dies zur Schädigung der Blutgefäße und anderer Organe. Damit Betroffene trotz Erkrankung ihr Leben genießen können, gilt es...

Das könnte Sie auch interessieren

Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden

Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden
© lev dolgachov / Fotolia.com

Die Osteoporose ist in Deutschland weit verbreitet: Etwa 6,3 Millionen sind davon betroffen. Die Techniker Krankenkasse fand im Jahr 2009 bei nahezu einem Viertel der über 50-jährigen Frauen in Deutschland einen Osteoporose-bedingten Knochenbruch oder knochenstabilisierende Medikamente. Auch Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 haben ein erhöhtes Osteoporoserisiko und dadurch auch für Knochenbrüche. Diese können Folgeerkrankungen wie Immobilität, Lungenentzündungen oder Langzeitbehinderung nach sich ziehen. Folgeerkrankungen sind mit erheblichen...

Handhygiene stärken – Krankenhausinfektionen vermeiden

Handhygiene stärken – Krankenhausinfektionen vermeiden
© Picture-Factory / fotolia.com

Es ist die denkbar einfachste Hygienemaßnahme der Welt: das Händewaschen. Vielleicht wird seine Effizienz gerade deshalb oft unterschätzt. Anlässlich des Internationalen Tages der Händehygiene, den die WHO am 5. Mai begeht, erinnert die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) daran, dass eine sorgsame Händehygiene das mit Abstand wichtigste und effektivste Mittel ist, um die Übertragung und Ausbreitung von Infektionen zu begrenzen. Dies gilt nicht nur im Alltag, sondern gerade auch in Kliniken und Gesundheitseinrichtungen. Anstatt ineffiziente...

Wie ändert sich die Wahrnehmung im Alter?

Wie ändert sich die Wahrnehmung im Alter?
© Universitätsklinikum Jena / fotolia.com

Im Gedächtniszentrum am Universitätsklinikum Jena untersuchen und behandeln Ärzte, Neuropsychologen und Ergotherapeuten Patienten mit dem Verdacht einer beginnenden Demenzerkrankung. Sie erforschen, wie sich Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Alter verändern und worin sich diese Veränderungen beim gesunden Altern und der beginnenden Demenz unterscheiden. Ihr Ziel ist die frühzeitige Identifikation von Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine Demenz, um deren Entwicklung bestmöglich entgegen wirken zu können.

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll
© beats_ / fotolia.com

Fasten liegt im Trend: Immer mehr Deutsche halten es für gesundheitlich sinnvoll. Die Zahl der Fasten-Befürworter stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Lag sie vor acht Jahren noch bei 53 Prozent, sind es nun 63 Prozent – ein Plus von fast 20 Prozent. Vor allem unter jungen Menschen ist der bewusste Verzicht weit verbreitet. Dabei möchten immer mehr Fasten-Fans auf Alkohol verzichten: Die geplante Abstinenz liegt mit 73 Prozent so hoch wie nie zuvor. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Auch auf...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Befunde mitbringen und Fragen notieren: Arztbesuch vorbereiten"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.