Samstag, 15. Mai 2021
Navigation öffnen
Patientenbereich
18. Oktober 2019

Schulfach „Gesundheit“: Besonderes Augenmerk auf Sport und Bewegung

Zu Beginn des neuen Schuljahres unterstützt die Gesellschaft für orthopädisch-traumatologische Sportmedizin (GOTS) die Forderung der Bundesärztekammer nach einem neuen Schulfach „Gesundheit“. Der Grund: Viele Kinder in Deutschland, Österreich und der Schweiz leiden unter Bewegungsmangel, Übergewicht und eingeschränkter Motorik. Die Gesellschaft wird immer kränker, warnen die Ärzte.
Anzeige:
Eigenwerbung
 
Allein in Deutschland leidet fast jedes siebte Kind zwischen 3 und 17 Jahren unter Übergewicht. Knapp 6 % davon sind sogar fettleibig. Doch damit nicht genug. In den orthopädischen Praxen werden immer häufiger Kinder vorstellig, die durch sitzende Lebensweise und körperliche Inaktivität Fehlstellungen, Dysbalancen oder eine völlig eingeschränkte Motorik zeigen. Hier gilt es nicht nur, das Essen in Schulen zu verbessern, sondern intensiv auf Sport und Bewegung Einfluss zu nehmen und richtige Ansätze zu vermitteln.

Steigende körperliche Inaktivität und ihre Folgen
 
Zum Vergleich nennt die GOTS einige Zahlen: Während ein Mensch in Deutschland 1910 noch im Schnitt 20 Kilometer am Tag gelaufen ist, waren es 2005 nur noch 800 Meter. Viele kommen heute nicht einmal mehr auf 500 Meter Gehstrecke täglich. Es ist bereits schwierig, Kinder und Enkel zum Teil überhaupt noch dazu zu bewegen, nach draußen zu gehen. Rund die Hälfte der Erwachsenen Deutschen ist übergewichtig. Es gibt rund 8 Millionen Diabetiker,  25 Millionen Hypertoniker und 20 Millionen Menschen mit Fettstoffwechselstörungen. 80 % aller Erkrankungen in Deutschland entstehen derzeit durch Fehlernährung und Bewegungsmangel. 
 
Kaum jemand kennt dagegen das empfohlene Maß der WHO an körperlicher Aktivität. Bei den 5 bis 17 Jährigen sollten es 60 Minuten Bewegung mit moderater bis hoher Intensität pro Tag, überwiegend im aeroben Bereich, dazu 3 Mal pro Woche kräftigende Aktivitäten (spielerischer Natur) sein. Zwischen 18 und 64 Jahren liegt das Maß bei  150 Minuten mit moderater oder 75 Minuten mit hoher Intensität pro Woche, überwiegend aerob, dazu mindestens 2 Mal pro Woche kräftigende Übungen. Über 65 bleibt es dabei, allerdings kommen mindestens 3 Mal pro Woche Übungen zur Sturzprävention hinzu.
 
Rund 31 % der über 15 Jährigen sind jedoch körperlich inaktiv – Frauen (34%) mehr als Männer (28%). Gründe sind laut Umfragen Mangel an Motivation und Zeit, anderweitige Freizeitgestaltung, Zunahme passiver Verkehrsmittel, Urbanisierung mit Zunahme an Verkehr und Luftverschmutzung, Abnahme von Grünflachen und Sporteinrichtungen. 
 
Das Resultat der körperlichen Inaktivität sind koronare Herzerkrankungen, Diabetes und Krebs. 

Steigerung der körperlichen Aktivität in Bildungseinrichtungen
 
Prof. Martin Engelhardt, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie und Ärztlicher Direktor des Klinikums Osnabrück ist einer der Vorstände in der GOTS. Er mahnt: „Wir müssen sofort anfangen, etwas zu tun und in unserer Gesellschaft umsteuern. Ursachen und Folgen der körperlichen Inaktivität und sitzenden Lebensweise für die Gesundheit zeigen, dass politische bevölkerungsbezogene, multisektorale und multidisziplinäre Instrumente zur Steigerung des körperlichen Aktivitätsniveaus notwendig sind! Struktur und Erziehung sind wichtig. Vereine müssen mit Kitas und Schulen zusammen arbeiten. Kinder lernen in Deutschland zum Teil nicht einmal mehr schwimmen! Es muss Schulpläne für Schwimmen, Radfahren und Laufen geben. Eine qualitätsvolle Sportlehrerausbildung muss auf den Weg gebracht werden.“
 
Mit ihrem Global Action Plan will die WHO die Quote der Inaktivität bis 2030 rapide senken. Um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, ist die Politik gefragt. Damit die Jüngsten schon für Bewegung und Sport (z.B. auch in Vereinen) begeistert und sie zu den Risiken des „No-Sports“ aufgeklärt werden, ist ein Unterrichtsfach „Gesundheit“ unabdingbar. Weder der Biologie- noch der begrenzte Sportunterricht können das leisten. 
 
Um selbst anzufangen, haben viele Ärzte, Trainer und Pädagogen bereits in Einzelprojekten begonnen. So gibt es in Osnabrück beispielsweise die Kinder-Bewegungsstadt (KIBS) mit vielen Elementen, an die richtige Bewegung heran geführt zu werden. In Fulda nehmen Grundschüler regelmäßig an Motoriktests teil. 
 
„Unser Ziel ist es, solche Projekte für den gesamten deutschsprachigen Raum zu erreichen. Als trinationale Gesellschaft für orthopädisch-traumatologische Sportmedizin sehen wir uns in der Pflicht die Politik auf die Gefahren des Nichtstuns hinzuweisen“, so Prof. Engelhardt.

Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin - GOTS


Anzeige:
Eigenwerbung
 
Weitere Beiträge zum Thema
Kinder im zweiten Lockdown: Bewegungszeit sinkt
Kinder im zweiten Lockdown: Bewegungszeit sinkt
©famveldman - stock.adobe.com

Durchschnittlich 75 Minuten am Tag betrug die Bewegungszeit von Kindern und Jugendlichen im zweiten pandemiebedingten Lockdown seit Dezember 2020. Damit lag sie deutlich unter den Werten aus dem Frühjahr letzten Jahres, als alle Sportvereine und Freizeitangebote zum ersten Mal wegen der Corona-Pandemie schließen mussten. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Auswertung einer Langfrist-Studie von Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), für die Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 17 Jahren befragt wurden. Vor einem Jahr zog das Team noch...

Ein Gefühl der Kontrolle zurückgewinnen
Ein Gefühl der Kontrolle zurückgewinnen
© fotorince / Fotolia.de

Wohlfühlen im Home-Office: Psychologen der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und der Erasmus-Universität Rotterdam haben sich im letzten Jahr mit der Frage beschäftigt, wie sich das Wohlbefinden beim Arbeiten zuhause – für die meisten zunächst neu und ungewohnt – durch eine aktive Freizeitgestaltung steigern lässt. Eine wichtige Erkenntnis aus der aktuellen Studie: Das Streamen von Serien auf dem heimischen Sofa reicht zum Ausgleich offenbar nicht aus. Je aktiver und herausfordernder die Freizeitgestaltung, umso zufriedener...

Die neuen Leitlinien zur Wiederbelebung 2021 – Sehr viel mehr Menschen könnten gut überleben
Die neuen Leitlinien zur Wiederbelebung 2021 – Sehr viel mehr Menschen könnten gut überleben
©psdesign1 / Fotolia.de

70.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland am plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand. Viele könnten gerettet werden, wenn frühzeitig mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen würde. Die neuen und in dieser Woche publizierten internationalen Leitlinien zur Wiederbelebung unterstreichen: Auf die ersten Minuten kommt alles an! Daher müssen mehr Laien mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, bevor der Rettungsdienst eintrifft. So fordert der Deutsche Rat für Wiederbelebung (GRC): 1. Mehr Schülerinnen und Schüler in Wiederbelebung schulen. 2....

Epilepsie: Es kann jeden treffen
Epilepsie: Es kann jeden treffen
©storm / Fotolia.de

Epilepsie ist eine der am weitesten verbreiteten neurologischen Erkrankungen. In Europa leiden darunter rund 6 Millionen Menschen (1), allein in Deutschland bis zu 800.000 (2). Was nur wenige wissen: Die Krankheit kann jeden treffen. Um die Menschen auf das Thema aufmerksam zu machen und Vorurteilen entgegenzuwirken, hat das unabhängige italienische Forschungsinstitut SWG eine Umfrage zur Wahrnehmung von Epilepsie durchgeführt. Befragt wurden 4.000 Menschen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien – mit einer statistisch signifikanten Stichprobe...

Falsches Sitzen im Homeoffice und zu wenig Bewegung: Klinikum Nürnberg gibt Tipps für einen gesunden Rücken!
Falsches Sitzen im Homeoffice und zu wenig Bewegung: Klinikum Nürnberg gibt Tipps für einen gesunden Rücken!
©Proxima Studio - stock.adobe.com

Statistiken zufolge ging im vergangenen Jahr jeder 12. Fehltag in Deutschland* auf das Konto von Rückenschmerzen. Spätestens seitdem rund ein Viertel der Berufstätigen mit dem Laptop im Esszimmer sitzt und „Homeoffice macht“, nimmt die Zahl der Menschen mit Beschwerden im Kreuz zu. Anlässlich des Tags der Rückengesundheit erklärt Dr. med. Sabine Rikart, Oberärztin der Abteilung für Physikalische Therapie im Klinikum Nürnberg, wie schon Kleinigkeiten Rückenschmerzen vermeiden oder zumindest lindern können.

Jod – wichtig für die Gehirnentwicklung von Kindern
Jod – wichtig für die Gehirnentwicklung von Kindern
©SENTELLO - stock.adobe.com

Die Zeiten, in denen schwere Jod-Mangelerscheinungen wie der Jodmangelkropf bei Erwachsenen und der mit geistiger Behinderung einhergehende Kretinismus bei Kindern in Deutschland weit verbreitet waren, sind glücklicherweise lange vorüber. Seit den 1980er Jahren, als das jodierte Speisesalz eingeführt wurde, gilt Deutschland nicht mehr als Jodmangelgebiet. Diesen Status sieht der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) aktuell jedoch gefährdet. Denn wie Monitoring-Daten zeigen, ist mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Deutschland nicht mehr...

Vorsicht vor Betrügern beim Online-Kauf von Corona-Schnelltests
Vorsicht vor Betrügern beim Online-Kauf von Corona-Schnelltests
© Fernando - stock.adobe.com

Corona-Schnelltests sollen nach den aktuellen Plänen der Bundesregierung zügig Fortschritte auf dem Weg aus dem Lockdown bringen. Die Tests auch für zu Hause sollen frei erhältlich sein, also auch in Online-Shops. Beim zu erwartenden Run auf die Teststreifen könnten auch Cyberkriminelle gute Geschäfte wittern, vermuten die Cybersicherheitsexperten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Sie geben Tipps, wie Verbraucherinnen und Verbraucher betrügerische Angebote im Internet, auch Fake Shops genannt, erkennen.

Das könnte Sie auch interessieren

Jeder 12. Junge süchtig nach Computerspielen

Jeder 12. Junge süchtig nach Computerspielen
© Photographee.eu / Fotolia.com

In Deutschland ist jeder zwölfte Junge oder junge Mann süchtig nach Computerspielen. Nach einer neuen DAK-Studie erfüllen 8,4 Prozent der männlichen Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 12 bis 25 Jahren die Kriterien für eine Abhängigkeit nach der sogenannten „Internet Gaming Disorder Scale“. Bei den Betroffenen verursacht die exzessive Nutzung von Computerspielen massive Probleme. Der Anteil der betroffenen Mädchen und jungen Frauen liegt mit 2,9 Prozent deutlich niedriger. Das zeigt der Report „Game over“...

Ein Gefühl der Kontrolle zurückgewinnen

Ein Gefühl der Kontrolle zurückgewinnen
© fotorince / Fotolia.de

Wohlfühlen im Home-Office: Psychologen der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und der Erasmus-Universität Rotterdam haben sich im letzten Jahr mit der Frage beschäftigt, wie sich das Wohlbefinden beim Arbeiten zuhause – für die meisten zunächst neu und ungewohnt – durch eine aktive Freizeitgestaltung steigern lässt. Eine wichtige Erkenntnis aus der aktuellen Studie: Das Streamen von Serien auf dem heimischen Sofa reicht zum Ausgleich offenbar nicht aus. Je aktiver und herausfordernder die Freizeitgestaltung, umso zufriedener...

Forsa-Umfrage belegt: Mediennutzung nimmt durch Schulschließungen zu

Forsa-Umfrage belegt: Mediennutzung nimmt durch Schulschließungen zu
© vege / Fotolia.com

Morgens länger schlafen und nicht zur Schule gehen, Hausaufgaben im Kinderzimmer oder am Küchentisch erledigen, Mama und Papa im Homeoffice, kein Besuch von Oma und Opa: Das Corona-Virus wirbelt in diesen Wochen den Familienalltag gehörig durcheinander. Hinzu kommt, dass Medien auf Kinder derzeit noch mehr als sonst magische Anziehungskräfte ausüben. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse berichten nahezu alle Eltern (95 %), dass ihr Kind zwischen 6 und 18 Jahren PC, Smartphone und Co. während der...

Mittelmeerdiät ist gesund – auch fernab mediterraner Gefilde

Mittelmeerdiät ist gesund – auch fernab mediterraner Gefilde
© Daniel Vincek / fotolia.com

Neue Analysen der EPIC-Potsdam-Studie zeigen, dass eine mediterrane Kost auch außerhalb des Mittelmeerraums das Risiko für Typ-2-Diabetes senken kann. Zudem können Menschen mit Gemüse, Obst, Olivenöl und Co wahrscheinlich zusätzlich ihr Herzinfarkt-Risiko verringern. Die Ergebnisse zum Zusammenhang von regionalen Diäten und chronischen Erkrankungen haben DIfE-Wissenschaftler im Rahmen des Kompetenzclusters NutriAct jetzt im Fachblatt BMC Medicine publiziert.

Schlaflose Nächte und grüner Star gehen oft Hand in Hand

Schlaflose Nächte und grüner Star gehen oft Hand in Hand
© HQUALITY - stock.adobe.com

Menschen, die an der Augenerkrankung grüner Star (Glaukom) leiden, sind häufig auch von Schlafstörungen betroffen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass verschiedene Probleme beim Ein- oder Durchschlafen mit einem grünen Star verbunden sind1. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Schlafstörungen entweder ein Risikofaktor für das Glaukom oder eine Folge dessen sein könnten. Die DOG – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft erinnert vor diesem Hintergrund daran, dass der grüne Star nur durch eine augenärztliche Untersuchung entdeckt...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Schulfach „Gesundheit“: Besonderes Augenmerk auf Sport und Bewegung"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Corona-Regeln werden für Geimpfte und Genesene gelockert
  • Corona-Regeln werden für Geimpfte und Genesene gelockert