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Praxismanagement

18. August 2020 Emotionale Bedenken: Kommunikation zwischen Hausarzt und Patient

Hausärzte gehören zu den wichtigsten Ansprechpartnern, wenn es um die Betreuung der emotionalen Anliegen von Patienten geht. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Zahl der Menschen, die zu Hausärzten gehen, nach COVID-19 zunehmen wird, da Experten einen „Tsunami“ psychischer Gesundheitsprobleme nach dem Lockdown voraussagen. Eine kürzlich durchgeführte systematische Forschungsübersicht legt nahe, dass eine positive Beziehung zwischen Patient und Hausarzt eine wirksame Kommunikation über die Sorgen der Patienten bezüglich ihrer emotionalen Gesundheit und deren Behandlung erleichtert. Es wird ebenfalls daraus hingewiesen, dass die Diagnose nicht ausschließlich dem Hausarzt vorbehalten ist, sondern eher ein in beide Richtungen ausgehandelter Prozess ist.
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Fachinformation
Im Rahmen einer Zusammenarbeit von Wissenschaftlern der City, University of London, der Plymouth University und der University of Exeter wurde die britische Forschungsübersicht als Aktualisierung und Erweiterung einer ähnlichen, im Jahr 2000 veröffentlichten Untersuchung durchgeführt. In der aktuellen Übersicht wurde der Wert auf die Ermittlung von Hindernissen und Erleichterungen bei der Kommunikation zwischen Hausarzt und Patient sowie auf die zunehmende Rolle des Hausarztes bei der Bewältigung der psychischen Gesundheitsprobleme von Patienten gelegt.

„Emotionale Bedenken“

Dreißig Forschungsarbeiten wurden in die Übersicht einbezogen, an der 342 Allgemeinärzte und 720 Patienten aus sämtlichen Studien beteiligt waren. Dazu gehörten Studien, die sowohl qualitative (nicht numerische Methoden) als auch quantitative (numerische Methoden) verwendeten, um die Beziehung zwischen Hausarzt und Patient bei der Entscheidungsfindung bezüglich der emotionalen Bedenken der Patienten zu beurteilen.
Der Begriff „emotionale Bedenken“ wird in der Übersicht verwendet, um das breite Spektrum psychischer Gesundheitsprobleme zu erfassen, die häufig in der Grundversorgung, in der Praxis des Hausarztes, auftreten. Die Studien umfassten Patienten mit Symptomen von Angstzuständen und Depressionen, „psychiatrischen Störungen“, „psychischen Problemen“, „psychischer Belastung“ und „psychischen Gesundheitsproblemen“. Studien, die sich auf Patienten mit schwereren psychischen Erkrankungen wie Psychosen konzentrierten, wurden jedoch ausgeschlossen.
Es wurde eine „thematische Analyse“ der Studiendaten durchgeführt. Hierbei handelt es sich um einen Ansatz zur Analyse qualitativer Daten, bei dem es darum geht, Themen (Bedeutungsmuster) zu identifizieren und die Daten entsprechend zu codieren.

4 Themen im Zusammenhang mit Hindernissen bei der Kommunikation zwischen Hausarzt und Patient wurden in der Analyse identifiziert:
  • Emotionale Bedenken sind für den Patienten schwer zu offenbaren. Symptome wie geringes Selbstwertgefühl, Zukunftspessimismus und Schuldgefühle über die Zeitverschwendung des Hausarztes veranlassten die Patienten, ihre Bedenken zu minimieren.
  • Sowohl Hausärzte als auch Patienten berichteten von Spannungen zwischen dem Verständnis emotionaler Bedenken als Krankheit oder als Folge sozialer Stressoren.
  • Es fehlte eine offene Diskussion zwischen Hausärzten und Patienten über die Präferenzen der Patienten hinsichtlich der Kontrolle über ihre Versorgung, was zu einem Missverhältnis zwischen dem Verständnis, den Prioritäten oder den Tagesordnungen und zu einer zu geringen oder zu großen Beteiligung der Patienten an Entscheidungen führte.
  • Der Hausarzt bietet aus Zeitgründen eine begrenzte Versorgung. Die Hausärzte beschrieben das Gefühl, dass sie die Zeitmessung mit der wirksamen Unterstützung der Patienten in Einklang bringen müssen. Eine weitere Herausforderung für die Hausärzte war der Mangel an psychologischen Dienstleistungen, wie z.B. Gesprächsbehandlung.

In der Analyse wurden 3 Themen identifiziert, die die Kommunikation zwischen Hausarzt und Patient erleichterten:

Eine menschliche Verbindung verbessert die Identifikation mit den emotionalen Bedenken eines Patienten. Eine einfühlsame und warmherzige Herangehensweise des Hausarztes war für die Patienten besonders wichtig, ebenso wie Zeit zum Reden zu haben und angehört zu werden. In der Lage zu sein, die Probleme zu besprechen, war für die Patienten eine Befreiung und an sich schon therapeutisch.
Der Hausarzt erforscht und erklärt die Art der emotionalen Bedenken des Patienten und verhandelt mit ihm, um ein gemeinsames Verständnis zu erreichen. Dies unterschied sich von dem eher konventionellen „diagnostischen Moment“ in Konsultationen, bei denen die Diagnose vom Hausarzt gestellt wird und bei denen Hausärzte und Patienten unterschiedliche Auffassungen haben, die von biomedizinischen bis hin zu sozialen Erklärungen reichen. Allein die Tatsache, dass den Patienten die Möglichkeit gegeben wurde, zu sprechen und Fragen zu stellen, wie z.B. „Wie wirkt sich das auf Sie aus?“, half den Patienten, ihre Erfahrungen zu reflektieren und zu klären.
Die Bereitstellung von Vorabinformationen über Antidepressiva und die Gesprächsbehandlung und Einbeziehung des Patienten durch den Hausarzt steuert die Erwartungen des Patienten an die Genesung und verbessert das Engagement in der Behandlung.

Professor Rose McCabe, Direktorin des Forschungszentrums für psychische Gesundheit an der City der Universität London, sagte: „Behandlungsrichtlinien und Schulungen sollten die entscheidende Bedeutung der Arzt-Patienten-Beziehung weiter hervorheben, um den Menschen zu helfen, emotionale Bedenken offenzulegen, von denen wir wissen, dass sie für viele Menschen sehr schwierig sind. Wenn Menschen ihrem Hausarzt nicht vertrauen, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie ihre Bedenken offenlegen und die benötigte Hilfe erhalten. Diese Beziehung ist auch von Natur aus therapeutisch für Menschen, von denen viele Antidepressiva oder Gesprächsbehandlungen nicht relevant oder hilfreich finden. Die Verbesserung der Arzt-Patienten-Beziehung ist nicht kostspielig und hat ein enormes ungenutztes therapeutisches Potenzial.“

Die Studie wurde in der Zeitschrift Family Practice veröffentlicht.

Quelle: City University of London


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