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Praxismanagement

14. April 2020 Zunahme häuslicher Gewalt: Handlungsempfehlungen für medizinisches Fachpersonal

Durch die Ausgangsbeschränkungen, die den deutschen Bürgern aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie auferlegt wurden, mehren sich die Hinweise auf einen Anstieg häuslicher Gewalt – der Berliner Verein S.I.G.N.A.L. hat als Service für Ärzte und Pschotherapeuten praxisnahe Tipps zum Umgang mit häuslicher Gewalt veröffentlicht.
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Die Maßnahmen zur Verhütung einer raschen Ausbreitung von SARS-CoV-2 erfolgen, um einer Überlastung des Gesundheitssystems und damit einer unzureichenden Versorgung und dem möglichen Tod von Menschen vorzubeugen. Durch die erhebliche Einschränkung des öffentlichen und sozialen Lebens verbringen viele Familien seit Wochen notgedrungen zusammen mehr Zeit denn je auf engem Raum.

Die Situation kann zu Stress, Konflikten, Übergriffen und Gewalthandlungen führen. Für Menschen, für die ihr Zuhause bereits jetzt ein von Angst und Gewalt geprägter Ort ist, kann es zu Eskalationen und damit einer massiven Erhöhung der Gefährdung kommen. Neben der Einschränkung des Bewegungsradius können die Maßnahmen weiteren Stress zur Folge haben: Ökonomischer Druck, Existenzängste, soziale Isolation, das Gefühl von Kontrollverlust oder andere hohe (Arbeits-)Belastungen.

Zahlreiche Studien zeigen, dass ökonomische Krisen und sozialer Stress die Zunahme häuslicher Gewalt begünstigen (1). In China zeigt sich bereits jetzt, dass seit Inkrafttreten der Ausgangssperren Frauen doppelt so häufig wegen häuslicher Gewalt die Polizei rufen. Laut der Pekinger Frauenrechtsorganisation „Weiping“ hat sich die Zahl der Beschwerden von Betroffenen sogar verdreifacht (2). Wir gehen davon aus, dass es auch in Deutschland vermehrt zu Übergriffen und Gewalttaten in Familien und vor allem gegenüber Frauen, Kindern und Schutzbedürftigen kommen wird. Betroffene häuslicher Gewalt benötigen auch jetzt Ihre Solidarität und Unterstützung!

Daher bitten wir Sie dringend auch und gerade in Zeiten dieser Pandemie:

Machen Sie Informationen für Betroffene in Ihrer Einrichtung zugänglich!
  • Hängen Sie Plakate auf, legen Sie Informationsmaterialien aus – am besten auf den Toiletten.
  • Vermitteln Sie Gewaltbetroffene bei Bedarf weiter! Die wichtigsten Anlaufstellen finden Sie am Ende dieses Artikels!
Achten Sie auf Hinweise für häusliche Gewalt!
  • Auffälligkeiten im Umgang des Patienten mit Verletzungen, Beschwerden oder Schwangerschaft?
  • Kontrollverhalten der Begleitperson? Mehrzeitige Verletzungen? Abwehrverletzungen?
Sprechen Sie Patienten bei Verdacht auf häusliche Gewalt aktiv und konkret an!
  • „Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber ich kenne solche Verletzungen auch als Folge von Schlägen.“
  • „Sie wirken ängstlich. Was macht Ihnen Angst? Fürchten Sie sich vor Ihrem Partner?“
Unterstützen Sie Betroffene, wenn sie Ihnen von häuslicher Gewalt berichten!
  • Hören Sie zu. Seien Sie verständnisvoll und machen Sie nicht den Betroffenen verantwortlich.
  • Positionieren Sie sich klar: Gewalt ist nie in Ordnung!
Die wichtigsten Anlaufstellen
  • Bundesweites Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ 08000/116 016 (24h) – Für Betroffene, Bezugspersonen und Fachpersonen
  • WEISSER RING e.V. – Opfer-Telefon 116 006 (7-22 Uhr täglich)
  • Medizinische Kinderschutzhotline 0800/19 210 00 (24h )Für Fachpersonen bei Verdachtsfällen von Kindesmisshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Kindesmissbrauch
  • Gewaltschutzambulanz  030 450570270 (Mo-Fr 8:30-15 Uhr) Für gerichtsfeste Dokumentation und Spurensicherung
Suchmaschinen für Angebote in Ihrer Nähe
  • Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/hilfe-vor-ort.html
  • Frauenhäuser https://www.frauenhauskoordinierung.de/hilfe-bei-gewalt/frauenhaussuche/
Materialien

S.I.G.N.A.L. stellt umfangreiche Materielien für Fachkräfte und Betroffene zur Verfügung: info@signal-intervention.de / 030 275 95 353
 

Quelle: S.I.G.N.A.L. e.V.

Literatur:

(1) Siehe z.B. Renzetti, C.M. (2009): Economic Stress and Domestic Violence, Fisher, S. (2010). Violence Against Women and Natural Disasters: Findings From Post-Tsunami Sri Lankaund Svarna, F.(2014): Financial Crisis and Domestic Violence –The Case of Greece.
(2) Kretschmer, F.: Zu Hause gefangen, taz vom 9.3.2020


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