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SchwerpunktMai 2019

01. Mai 2019
Seite 1/3
Allergische Reaktionen auf Insektenstiche – Potentiell schwerwiegende Erkrankungen

Insektenstiche können bei Patienten mit Hymenopterengift-Allergien zu ausgeprägten und lebensbedrohlichen anaphylaktischen Reaktionen führen. Seit fast 70 Jahren erfolgt bei diesen Patienten die spezifische Immuntherapie (SIT) (1-3). Allerdings wurde diese zunächst mit Extrakten aus homogenisierten  Bienen- oder Wespenkörpern durchgeführt, wodurch lediglich ein der Plazebobehandlung vergleichbarer Therapieerfolg erreicht werden konnte (1,4). Erst die von Hunt 1978 beschriebene SIT mit Reingift-Extrakten ermöglichte bei nahezu allen Patienten einen wirkungsvollen Schutz vor anaphylaktischen Reaktionen bei erneuten Stichen (5).
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Fachinformation
Epidemiologie

Bei bis zu 25% der Bevölkerung findet sich eine allergische Sensibilisierung gegenüber Hymenopterengift (nachweisbar in Hauttests oder In-vitro-Verfahren),  bis zu 5% der Bevölkerung reagieren auf einen Stichvorfall mit einer systemischen Reaktion (6-9). Diese ist in der Regel eine IgE-vermittelte allergische Reaktion vom Soforttyp (Typ I nach Coombs und Gell) und wird vor allem durch Honigbienen (Apis melliferra) oder Faltenwespen (Vespula vulgaris) ausgelöst. Seltener führt das Gift anderer Insekten wie Hummeln, Hornissen, Ameisen o.a. zur Ausbildung anaphylaktischer Reaktionen. Zwischen Bienen- und Hummelgift sowie zwischen Wespen- und Hornissengift findet sich eine nahe biologische Verwandschaft.

In Deutschland werden jährlich 10-20 Todesfälle infolge systemischer Reaktionen nach Hymenopterengift-Stichen erfasst, die tatsächliche Häufigkeit allerdings dürfte durchaus höher liegen (10).

Anamnese

Anhand der Ausbildung von systemischen Reaktionen nach dem Stichvorfall in der Eigen- oder Fremdanamnese lässt sich auf den Schweregrad der anaphylaktischen Reaktion rückschließen (Tabelle 1). Auch das zeitliche Auftreten dieser Symptome – als allergische Sofort-Typ-Reaktion – meist nach wenigen Minuten, selten nach Stunden oder Tagen, lässt auf eine Hymenopterengift-Allergie schließen.


 
Tab. 1: Skala zur Klassifizierung des Schweregrades anaphylaktoider Reaktionen nach (42). Nicht alle genannten Symptome treten obligat auf; die Klassifizierung erfolgt nach dem weitreichendsten Symptom.
Grad Haut GI-Trakt Respirations-Trakt Herz-Kreislauf
I -Juckreiz
-Urtikaria
-Flush
     
II -Juckreiz
-Urtikaria
-Flush
-Nausea -Dyspnoe -Tachykardie(Δ>20/mi)
-Hypotension (Δ>20 mm Hg systolisch)
III -Juckreiz
-Urtikaria
-Flush
-Erbrechen
-Defäkation
-Bronchospasmus -Schock, Bewußtlosigkeit
-Zyanose
IV -Juckreiz
-Urtikaria
-Flush
-Erbrechen
-Defäkation
-Atemstillstand -Herz-/Kreislauf-Stillstand



Fehlen allerdings diese objektiven Symptome, so lassen subjektive Beschwerden wie Schwäche, Schwindel oder Angst nur unzureichend Rückschlüsse ziehen auf eine echte anaphylaktische Reaktion. Auch sind toxische Reaktionen, z.B.durch eine Vielzahl von Stichen, anamnestisch abzugrenzen. Der Patient wird nur bedingt zuverlässig das ursächliche Insekt nennen können, hier können speziellere Fragen, z.B. nach dem Verhalten der Tiere, von weiterführendem Nutzen sein (Tabelle 2).


 
Tab. 2: Mögliche Unterschiede zwischen Bienen- und Wespenstichen.
Biene Wespe
Eher friedlich (Stich erst bei Reizung;
Ausnahme: Unmittelbare Nähe zum Bienenstock)
Eher agressiv (z.B. Stich im Vorbeiflug)
Flugzeit Frühjahr bis Spätherbst
(auch an warmen Wintertagen)
Flugzeit vorwiegend Sommer bis Herbst
Stachel verbleibt oft in der Haut Stachel verbleibt seltener in der Haut
In Umgebung eher Blüten
(z.B. Barfußlaufen in blühendem Klee),
Nähe zu Bienenstöcken
Bei Essen und Trinken im Freien,
Nähe zu Abfallkörben oder Fallobst,
Küchenarbeit,Tätigkeit an Obststand,
Bäckerei usw.


 
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