Montag, 25. Mai 2020
Navigation öffnen

SchwerpunktMai 2019

01. Mai 2019
Seite 1/3
Allergische Reaktionen auf Insektenstiche – Potentiell schwerwiegende Erkrankungen

Insektenstiche können bei Patienten mit Hymenopterengift-Allergien zu ausgeprägten und lebensbedrohlichen anaphylaktischen Reaktionen führen. Seit fast 70 Jahren erfolgt bei diesen Patienten die spezifische Immuntherapie (SIT) (1-3). Allerdings wurde diese zunächst mit Extrakten aus homogenisierten  Bienen- oder Wespenkörpern durchgeführt, wodurch lediglich ein der Plazebobehandlung vergleichbarer Therapieerfolg erreicht werden konnte (1,4). Erst die von Hunt 1978 beschriebene SIT mit Reingift-Extrakten ermöglichte bei nahezu allen Patienten einen wirkungsvollen Schutz vor anaphylaktischen Reaktionen bei erneuten Stichen (5).
Anzeige:
Fachinformation
Epidemiologie

Bei bis zu 25% der Bevölkerung findet sich eine allergische Sensibilisierung gegenüber Hymenopterengift (nachweisbar in Hauttests oder In-vitro-Verfahren),  bis zu 5% der Bevölkerung reagieren auf einen Stichvorfall mit einer systemischen Reaktion (6-9). Diese ist in der Regel eine IgE-vermittelte allergische Reaktion vom Soforttyp (Typ I nach Coombs und Gell) und wird vor allem durch Honigbienen (Apis melliferra) oder Faltenwespen (Vespula vulgaris) ausgelöst. Seltener führt das Gift anderer Insekten wie Hummeln, Hornissen, Ameisen o.a. zur Ausbildung anaphylaktischer Reaktionen. Zwischen Bienen- und Hummelgift sowie zwischen Wespen- und Hornissengift findet sich eine nahe biologische Verwandschaft.

In Deutschland werden jährlich 10-20 Todesfälle infolge systemischer Reaktionen nach Hymenopterengift-Stichen erfasst, die tatsächliche Häufigkeit allerdings dürfte durchaus höher liegen (10).

Anamnese

Anhand der Ausbildung von systemischen Reaktionen nach dem Stichvorfall in der Eigen- oder Fremdanamnese lässt sich auf den Schweregrad der anaphylaktischen Reaktion rückschließen (Tabelle 1). Auch das zeitliche Auftreten dieser Symptome – als allergische Sofort-Typ-Reaktion – meist nach wenigen Minuten, selten nach Stunden oder Tagen, lässt auf eine Hymenopterengift-Allergie schließen.


 
Tab. 1: Skala zur Klassifizierung des Schweregrades anaphylaktoider Reaktionen nach (42). Nicht alle genannten Symptome treten obligat auf; die Klassifizierung erfolgt nach dem weitreichendsten Symptom.
Grad Haut GI-Trakt Respirations-Trakt Herz-Kreislauf
I -Juckreiz
-Urtikaria
-Flush
     
II -Juckreiz
-Urtikaria
-Flush
-Nausea -Dyspnoe -Tachykardie(Δ>20/mi)
-Hypotension (Δ>20 mm Hg systolisch)
III -Juckreiz
-Urtikaria
-Flush
-Erbrechen
-Defäkation
-Bronchospasmus -Schock, Bewußtlosigkeit
-Zyanose
IV -Juckreiz
-Urtikaria
-Flush
-Erbrechen
-Defäkation
-Atemstillstand -Herz-/Kreislauf-Stillstand



Fehlen allerdings diese objektiven Symptome, so lassen subjektive Beschwerden wie Schwäche, Schwindel oder Angst nur unzureichend Rückschlüsse ziehen auf eine echte anaphylaktische Reaktion. Auch sind toxische Reaktionen, z.B.durch eine Vielzahl von Stichen, anamnestisch abzugrenzen. Der Patient wird nur bedingt zuverlässig das ursächliche Insekt nennen können, hier können speziellere Fragen, z.B. nach dem Verhalten der Tiere, von weiterführendem Nutzen sein (Tabelle 2).


 
Tab. 2: Mögliche Unterschiede zwischen Bienen- und Wespenstichen.
Biene Wespe
Eher friedlich (Stich erst bei Reizung;
Ausnahme: Unmittelbare Nähe zum Bienenstock)
Eher agressiv (z.B. Stich im Vorbeiflug)
Flugzeit Frühjahr bis Spätherbst
(auch an warmen Wintertagen)
Flugzeit vorwiegend Sommer bis Herbst
Stachel verbleibt oft in der Haut Stachel verbleibt seltener in der Haut
In Umgebung eher Blüten
(z.B. Barfußlaufen in blühendem Klee),
Nähe zu Bienenstöcken
Bei Essen und Trinken im Freien,
Nähe zu Abfallkörben oder Fallobst,
Küchenarbeit,Tätigkeit an Obststand,
Bäckerei usw.


 
Vorherige Seite

Das könnte Sie auch interessieren

Nur einnehmen, was wirklich benötigt wird: Die erste Untersuchung vor der OP gilt dem Medikationsplan

Nur einnehmen, was wirklich benötigt wird: Die erste Untersuchung vor der OP gilt dem Medikationsplan
© irissca - stock.adobe.com

„Apotheker-Arzneimittelgespräch“ mag ein schwieriges und langes Wort sein – als Instrument, die Sicherheit der Patienten des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) zu erhöhen, ist es jede Silbe wert. Wer als UKL-Patient vor einer geplanten chirurgischen Operation steht oder eine Augen-OP erhält, führt zuvor ein vertrauensvolles Gespräch mit einem Klinikapotheker über seinen Medikationsplan. Die pharmazeutischen Experten des UKL kontrollieren und analysieren die Liste der einzunehmenden Arzneimittel und korrigieren an den nötigen Stellen.

Brauche ich ein Röntgen, CT oder MRT?

Brauche ich ein Röntgen, CT oder MRT?
© Syda Productions / Fotolia.com

Plötzlich auftretende Kreuzschmerzen sind oft belastend, schränken den Alltag ein und können beunruhigen: Möglicherweise steckt etwas Ernsthaftes dahinter? Häufig sind sie aber harmlos und bilden sich in kurzer Zeit wieder zurück. Ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung genügen meist. Finden sich dabei keine Hinweise auf eine gefährliche Ursache, ist ein Röntgen, CT oder MRT vorerst nicht nötig.

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten
© J.Mühlbauer exclus. / fotolia.com

„Zöliakie?? Keine Angst!“, heißt es auf einem Informations-Portal, das seit Kurzem online kostenlos zur Verfügung steht. Der von der Stiftung Kindergesundheit gemeinsam mit dem Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München erarbeitete Online-Kurs www.zoeliakie-verstehen.de bildet den maßgeblichen Teil des EU-Projekts Focus IN CD (Fokus auf Zöliakie). Das Lernprogramm soll Betroffenen aktuelles und umfassendes Wissen zu Zöliakie bieten und medizinisches „Fachchinesich“ anschaulich erklären. Ein weiterer Kurs für...

Wenn das Herz stockt: Herzinfarkt erkennen und behandeln

Wenn das Herz stockt: Herzinfarkt erkennen und behandeln
© psdesign1 - stock.adobe.com

Nach wie vor stellen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems in Deutschland die häufigste Todesursache dar. Dennoch lässt sich in den vergangenen Jahren ein deutlicher Mortalitätsrückgang verzeichnen. Laut Deutschem Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e. V. ist die Zahl der Todesfälle rückläufig und hat sich seit dem Jahr 1980 sogar halbiert. „Aufgrund der guten Notfallversorgung können wir viele Patienten schnell und zielgerichtet behandeln“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Fehske, Chefarzt der Kardiologie und Inneren Medizin...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Allergische Reaktionen auf Insektenstiche – Potentiell schwerwiegende Erkrankungen "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Obduktionen zeigen massive Lungenschäden als Todesursache bei COVID-19-Patienten (22.05.2020, JAMA-Publikation einer Studie der Universität Augsburg)
  • Obduktionen zeigen massive Lungenschäden als Todesursache bei COVID-19-Patienten (22.05.2020, JAMA-Publikation einer Studie der Universität Augsburg)

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden