Digitale 24/7-Unterstützung bei Parkinson
Birgit Frohn Dipl. biol.Digitalisierung und künstliche Intelligenz können gerade bei chronischen Erkrankungen wertvolle Unterstützung bieten. Menschen mit Parkinson steht seit November 2025 der neue KI-gestützte Chatbot jAImes der Parkinson Stiftung zur Seite.
Parkinson: mehr Unsicherheit als Klarheit bei eigener Recherche
Die Diagnose Parkinson kann das Leben von einem Moment auf den anderen schlagartig verändern. Neben Sorgen und Unsicherheiten drängen sich zahlreiche Fragen auf – schließlich ist diese Erkrankung hochkomplex. Viele Betroffene und Angehörige suchen im Internet nach Antworten und Orientierung. Dabei stoßen sie jedoch oftmals schnell auf widersprüchliche, nicht wissenschaftlich fundierte und vielfach gar eindeutig falsche Informationen. „Zwischen Fachjargon und Halbwissen bleibt deshalb häufig mehr Unsicherheit als Klarheit“, gibt Prof. Dr. Jens Volkmann, 1. Vorsitzender der Parkinson Stiftung und Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Würzburg, zu bedenken.
Genau hier setzt der neue Chatbot jAImes der Parkinson Stiftung an: Er macht verlässliches, weil wissenschaftlich fundiertes Wissen jederzeit und für alle zugänglich. Damit steht erstmals ein digitales Angebot bereit, das Betroffene und Fachleute gleichermaßen unterstützt. Den Namen jAlmes hat der Chatbot übrigens von dem britischen Arzt James Parkinson (1755 – 1824) erhalten, dem Entdecker und Erstbeschreiber der Erkrankung.
Verlässlicher digitaler Begleiter
jAlmes wurde auf Basis der KI-Plattform OpenWebUI entwickelt und ist mit einer kuratierten Wissensdatenbank der Stiftung verknüpft. Dank intelligenter Sprachmodelle spricht der Chatbot die Sprache der Nutzenden – verständlich und auf Augenhöhe. So können Betroffene, Angehörige und Interessierte in ganz natürlicher Sprache ihre Fragen zu Parkinson stellen. „In einer Situation, in der Fragen rund um Parkinson oft dringend und sehr persönlich sind, bietet jAImes eine direkte Unterstützung – rund um die Uhr, ohne Wartezeit und anonym, ganz ohne Hemmschwelle“, so Prof. Volkmann. Die Nutzenden erhalten Antworten in klarer Sprache, ohne Fachjargon, und können bei Bedarf auch tiefer einsteigen. Wer freiwillig Angaben zu Alter, Krankheitsbeginn oder laufenden Therapien macht, erhält passgenauere Hinweise. „Ohne dass sensible Daten aktiv abgefragt oder gespeichert werden“, betont Prof. Volkmann. Denn, so der Neurologe weiter, „Neutralität ist oberstes Prinzip: keine Werbung, keine versteckten Interessen“.
Nur geprüfte und evidenzbasierte Inhalte
Chatbot jAlmes unterscheidet einiges von einer gewöhnlichen Internetsuche und allgemeinen KI-Assistenten. Denn alle Informationen von ihm stammen aus geprüften Quellen und verifizierten Inhalten, die sich an Leitlinien und dem aktuellen Stand der Forschung aus wissenschaftlichen Studien orientieren. Das bedeutet konkret, dass die Antworten von jAImes sich nicht aus zufälligen Internetquellen generieren, sondern aus geprüften Materialien der Stiftung und verlässlicher Fachliteratur. Seine Datenbank wird kontinuierlich von der Parkinson-Stiftung aktualisiert und erweitert, sodass auch weiterhin ausschließlich geprüfte und evidenzbasierte Inhalte einfließen.
Wegbereiter für eine bessere Versorgung
Da Morbus Parkinson so viele Bereiche des Lebens betrifft und auch verändert, ist der Chatbot bewusst breit angelegt. Die Betroffenen versorgt er mit verständlichen Erklärungen zu Symptomen, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten – von Medikamenten bis zu Physio-, Ergo- oder Logotherapie. Den Familienangehörigen bietet jAlmes zahlreiche Orientierungshilfen, praktische Tipps für den Alltag und Antworten auf typische Fragen der Betreuung. Dem Pflegepersonal erleichtert er den Zugang zu kompakten Informationen zu Versorgung, Kommunikation und Umgang mit herausfordernden Situationen. Damit, so Prof. Volkmann, ist der Chatbot mehr als ein digitales Werkzeug. „Vielmehr ist er ein Baustein auf dem Weg zu einer besseren Versorgung der Betroffenen“. Denn mit der Rückmeldung der Nutzer wächst auch die Wissensbasis, die kontinuierlich aktualisiert und erweitert wird. Langfristig soll jAlmes deshalb als erste Anlaufstelle etabliert werden – weil verlässlich, neutral und jederzeit erreichbar. „Er ersetzt nicht den Arztbesuch, sondern ergänzt die medizinische Betreuung durch verlässliche Erstinformationen“. Abzurufen ist jAlmes auf der Webseite der Parkinson-Stiftung.
Unsere Vision ist es, die Behandlung von Parkinson grundlegend zu verbessern und Betroffenen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Jeder Beitrag, den wir in innovative Forschung und digitale Wissensvermittlung investieren, bringt uns diesem Ziel ein Stück näher.
Neben dem digitalen Begleiter jAlmes hat die Parkinson-Stiftung auf ihrer Webseite ein breites Informationsangebot bereitgestellt. Dieses reicht von Podcasts und Videos über Interviews mit Fachleuten bis hin zu Webinaren. „Wir schaffen ein vernetztes digitales Informationsangebot, das Menschen mit Parkinson und ihre Angehörigen wissenschaftlich fundiert begleitet – von der ersten Diagnose bis zu Alltagsfragen“, erklärt Prof. Volkmann.
Quelle:Online-Pressekonferenz zum Welt-Parkinson-Tag 2026 „Parkinson: Neue Erkenntnisse, neue Hoffnung“ am 25.03.26. Veranstalter: Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG).