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Medizin

20. Mai 2019 ADHS im Erwachsenenalter: Medikamentöse Therapie und Verhaltensedukation erhöhen Lebensqualität

Zur Behandlung von Erwachsenen mit ADHS steht mit Lisdexamfetamin eine neue medikamentöse Erstlinientherapie zur Verfügung. ADHS schränkt auch im Erwachsenenalter die Lebensqualität deutlich ein. Eine unbehandelte ADHS kann zu erhöhter Mortalität, geringerem beruflichen Erfolg sowie zwischenmenschlichen und familiären Problemen führen, wie zahlreiche Studien zeigen. „Die negativen Rückmeldungen, denen viele Betroffene aufgrund ihres Verhaltens ausgesetzt sind und das damit verbundene Stigma können für die Betroffenen enorm belastend sein“, erklärt Prof. Alexandra Philipsen, Bonn.
Aufklärung erhöht Adhärenz

Psychotherapeutische Verfahren und Psychoedukation mit dem Ziel von Aufklärung, Beratung und Führung der Patienten spielen in der Gesamtbehandlung der ADHS eine wichtige Rolle. „Wir müssen immer bemüht sein, eine informierte Entscheidung gemeinsam mit dem Patienten herbeizuführen. Dadurch können wir die Adhärenz und das Verständnis für die Behandlung fördern. Unabhängig vom Schweregrad der ADHS ist beim Erwachsenen – im Unterschied zum Kind – die Pharmakotherapie die Therapie der 1. Wahl, “ erklärt Prof. Wolfgang Retz, Mainz.

Neue First-line-Therapieoption

Seit Anfang Mai 2019 steht mit Lisdexamfetamin (Elvanse Adult®) eine neue First-line-Therapieoption bei ADHS im Erwachsenenalter zur Verfügung. Einen großen Vorteil sieht Philipsen beim Prodrug-Stimulanz Lisdexamfetamin darin, dass es den gesamten Tag bis in den Abend wirkt und morgens flexibel mit oder ohne Frühstück eingenommen werden kann.

Rasche Resorbtion

Hintergrund der langen Wirkdauer ist das Prodrug-Prinzip: Die pharmakologisch inaktive Vorstufe Lisdexamfetamin (LDX) wird nach der Einnahme rasch in die Blutbahn resorbiert. Dort wird die Aminosäure Lysin abgespalten und der aktive Wirkstoff Dexamfetamin, der für die Verbesserung der ADHS-Kernsymptome verantwortlich ist, wird freigesetzt. Das Prodrug-Prinzip bewirkt ein sanftes An- und Abfluten von Dexamfetamin, das von den Patienten als angenehm empfunden wird, weil es einen On-/Off-Effekt vermeidet und Rebound-Phänomene reduziert, führt Philipsen aus.

Verhaltensedukation erhöht Lebensqualität

Als modale Therapie in Kombination mit Verhaltensedukation kann das Medikament erwachsenen ADHS-Patienten zu einem relativ normalen Leben verhelfen. „Es ist wichtig, Menschen mit moderat schwerer ADHS zu entdecken und zu behandeln“, betont Philipsen. Langzeitergebnisse aus nationalen Registerstudien haben gezeigt, dass die Behandlung sich lohnt. Strafrechtliche Verurteilungen, Straffälligkeitsrückfall, Depressionen, Substanzmissbrauch und Verkehrsunfälle gehen zurück. Strafrechtliche Verurteilungen um 30-40%, Verkehrsunfälle um 58%. „Es ist bekannt, dass die Suizidalität auch erhöht ist. Unter Behandlung geht sie ebenfalls deutlich zurück“, so Philipsen.

Ulrike Tietze

Quelle: Launch-Pressekonferenz „Elvanse Adult®“, 17.05.2019, Berlin; Veranstalter: Takeda/Shire


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