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Medizin

16. Juni 2020 Chronische Schmerzen: Intrathekale Analgesie als Opioid-Alternative

Die Behandlung starker chronischer Schmerzen mit konventionellen Medikationen wie z.B. Opioiden ist nicht bei allen Patienten zufriedenstellend möglich. Dies ist vor allem der Fall, wenn der Patient unter neuropathischen oder refraktären Schmerzen leidet oder die Schmerztherapie zu nicht tolerierbaren Nebenwirkungen führt. In diesen Fällen kann die intrathekale Analgesie (ITA) mit Ziconotid (Prialt®) eine zielführende Alternative darstellen (1-6). 
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Anwendung

Ziconotid ist indiziert zur Behandlung von starken chronischen Schmerzen einschließlich Tumorschmerzen und chronischen Schmerzen, welche im Zusammenhang mit der Tumortherapie auftreten können. Die Substanz ist, im Gegensatz zur vergleichbaren Standardtherapie, sowohl bei nozizeptiven, als auch bei neuropathischen Schmerzen sowie bei gemischten Schmerztypologien erfolgreich (1, 7). Darüber hinaus kann Ziconotid auch bei therapierefraktären Schmerzen zu einer effizienten Schmerzlinderung und Verbesserung der Lebensqualität führen (2, 5-8). Das speziell für die ITA entwickelte Ziconotid ist Mittel der Wahl, sofern keine Kontraindikation vorliegt, und kann als Opioid-freie Schmerzmedikation in der intrathekalen Pumpe eingesetzt werden (1, 3, 4).

Dauerinfusion über intrathekalen Katheter

Ziconotid wird als Dauerinfusion über einen intrathekalen Katheter unter Verwendung einer externen oder intern implantierten mechanischen Infusionspumpe verabreicht, die ein genaues Infusionsvolumen abgeben kann. Alternativ kann auch ein subkutaner Port mit einem intrathekalen Katheter und einer externen Pumpe eingesetzt werden. Die Behandlung mit Ziconotid sollte nur von Ärzten mit Erfahrung in der intrathekalen Gabe von Arzneimitteln vorgenommen werden.

Dosierung

Im Vergleich zur Fachinformation, welche eine höhere Anfangsdosierung und schnellere Titration vorgibt, wird von Experten mittlerweile eine niedrige Anfangsdosis von 0,5-1,2 μg/Tag empfohlen. Es sollte in kleinen Schritten von ≤ 0,5 μg/Tag eine langsame Aufdosierung der Tagesdosis alle 2-3 Tage, besser 1-mal pro Woche erfolgen. Die Maximaldosis sollte 19,2 μg/Tag nicht überschreiten. Damit folgen die Experten dem „start low, go slow“-Prinzip (1, 9).

Vorteile gegenüber Opioiden

Ziconotid hemmt die Schmerzübertragung im Hinterhorn des Rückenmarks, ohne die Opioid-Rezeptoren zu beeinflussen. Daher ist eine Schmerzlinderung auch bei Patienten möglich, die nicht ausreichend auf Opioide ansprechen, so. z.B. bei neuropathischen Schmerzen. Zudem ist – im Unterschied zu systemischen Opioiden – nicht mit einer Atemdepression zu rechnen (9). Der Wirkstoff Ziconotid weist darüber hinaus keine Toleranz- und Abhängigkeitseffekte auf, so dass die Therapie jederzeit ohne Entwöhnung beendet werden kann (10, 11). Im Gegensatz zu intrathekal verabreichtem Morphin besteht kein Risiko einer Granulombildung.

Quelle: Riemser

Literatur:

(1) Deer, T.R., et al., Neuromodulation. 2017; 20: 96-132.
(2) Sanford, M., CNS Drugs. 2013; 27: 989-1002.
(3) Deer, T.R., et al. Neuromodulation. 2017; 20:155-176.
(4) Deer, T.R., et al., Neuromodulation. 2017; 20:133-154.
(5) Pope, J.E. et al., Expert Opin Pharmacother. 2013; 14: 957-966.
(6) Rauck, R., et al., J Pain Symptom Manage. 2006; 31: 393-406.
(7) McDowell, G.C., et al., Neuromodulation. 2016; 19: 522-532.
(8) Dupoiron, D., Curr Opin Support Palliat Care, 2019; 13: 75-80.
(9) Fachinformation Prialt®, Stand: 07/2018.
 


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