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Medizin
20. Oktober 2020

Hepatitis C: Pandemie erschwert Zugang zu Therapie

„Wir sind noch weit entfernt vom Ziel einer Elimination der Hepatitis C und müssen mehr Patienten den Zugang zu einer Behandlung ermöglichen“, konstatierte Professor Dr. Marcus-Alexander Wörns, Mainz, während des 3. Bundesweiten PLUS-Forums und Suchtexperten-Gremiums in Mainz. Hepatitis C ist bei nahezu allen Patienten schnell und gut verträglich heilbar, auch bei sogenannten Hochrisikogruppen wie Drogengebrauchenden (1, 2). Die Weltgesundheitsorganisation (3) und die Bundesregierung (4) haben sich daher zum Ziel gesetzt, Hepatitis C bis zum Jahr 2030 zu eliminieren. Trotzdem haben noch immer viele Menschen mit Hepatitis C keinen Zugang zu einer Therapie. Die Corona-Pandemie erschwert die Versorgung von Drogengebrauchenden zusätzlich. Niedrigschwellige Angebote für Risikogruppen werden deshalb noch wichtiger und sollten weiter ausgebaut werden – so das Fazit der Teilnehmer.
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Rund 65 Experten aus Politik und Versorgung hat AbbVie im Rahmen des 3. Bundesweiten PLUS-Forums und Suchtexperten-Gremiums an einen Tisch gebracht. Aktuelle Ansätze rund um das Thema Hepatitis C in den Bereichen Sucht, Haft und Migration wurden in interaktiven Talk-Runden und Workshops diskutiert. Hepatitis C wird durch Blut-zu-Blut-Kontakt übertragen. Viele Betroffene bemerken ihre Erkrankung nicht, da die Symptome häufig unspezifisch sind. Unbehandelt kann Hepatitis C jedoch zu bleibenden Leberschäden bis hin zum Tod führen. Bei 64% der Neuinfektionen mit bekanntem Übertragungsweg ist eine Hepatitis-C-Infektion auf injizierenden Drogenkonsum zurückzuführen (5). Doch gerade Menschen mit Suchterkrankung sind schwer erreichbar für Diagnose und Therapie. „Häufig fehlen Informationen auf Seiten der Patienten und durch die individuelle Lebenssituation hat das Thema Gesundheit für sie oft nur eine untergeordnete Priorität. Durch die Corona-Pandemie wurde der Zugang zu Betroffenen weiter erschwert, viele Hilfsangebote finden nicht statt“, berichtet Dirk Schäffer, Referent für Drogen und Strafvollzug bei der Deutschen Aidshilfe e.V. und Patientenvertreter beim Gemeinsamen Bundesauschuss (G-BA), während der Veranstaltung. „Es ist ganz wichtig, dass wir hier wieder mehr Zugang schaffen und Aufklärungsarbeit leisten können“, so Schäffer weiter.

Screening für eine Elimination von Hepatitis C

Damit Erkrankte behandelt werden können, müssen diese im ersten Schritt auch systematisch identifiziert werden. „Eine nationale Screening-Strategie wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Elimination. Gleichzeitig müssen wir noch mehr informieren, damit sich mehr Menschen auf Hepatitis C testen lassen“, so Prof. Dr. Christoph Sarrazin, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberhilfe und Chefarzt am St. Josefs-Hospital in Wiesbaden. „Wir verlieren zudem auch derzeit zu viele Patienten zwischen Diagnose und Therapie. Aus meiner Sicht brauchen wir deshalb mehr patientenzentrierte Unterstützung wie z. B. niedrigschwellige Angebote für Menschen mit Suchterkrankung“, führte er fort.

Mikroeliminationsprojekte für ein Leben ohne Hepatitis C

Niedrigschwellige Angebote haben zum Ziel, Versorgungshürden für Risikogruppen abzubauen. Zielgruppenspezifische Mikroeliminationsansätze wie die regionalen PLUS-Projekte setzen genau hier an. Maßnahmen und Angebote werden an den individuellen Bedarf von Regionen angepasst und so individuell umgesetzt. „Im Rahmen der Initiative konnten wir die interdisziplinäre Zusammenarbeit und den Austausch zwischen Drogenberatungsstellen, Hausärzten und Suchtmedizinern nachhaltig verbessern und die Behandlungsraten bei Hepatitis-C-Erkrankungen unter Drogengebrauchenden deutlich steigern“, berichtet ein Teilnehmer des Ludwigshafener PLUS-Projekts.

Neben Menschen mit Suchterkrankungen haben auch Menschen mit Migrationshintergrund aus Regionen mit erhöhter Hepatitis-C-Prävalenz ein erhöhtes Risiko für eine Hepatitis-C-Erkrankung (5). Die Prävalenz von Hepatitis C in Osteuropa wird auf 3,3% geschätzt und ist damit mehr als 10 Mal so hoch wie in Deutschland (6). Häufig fehlt es aber an zielgruppengerechten Zugangswegen und Informationen zu Versorgungsangeboten. „Wichtig sind deshalb Angebote, die auf Mittler aus den entsprechenden Communities setzen, um besser über Versorgungsangebote zu informieren. Zugangswege müssen an die Lebensrealität von Menschen mit Migrationshintergrund angepasst sein“, fasst Dirk Schäffer zusammen.

Quelle: AbbVie

Literatur:

(1) Sarrazin, C. et al., S3-Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-C-Virus (HCV)-Infektion“ Z Gastroenterol. 2018, 56: 756–838.
(2) Buggisch, P. et al., Empfehlungen des bng zur Therapie der chronischen Hepatitis C, 2018.
(3) World Health Organization (2017). Global Hepatitis Report.
(4) Bundesministerium für Gesundheit, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2016). BIS 2030 – Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen.
(5) Zimmerman, R, et al. (2020) Robert-Koch-Institut (RKI). Epidemiologisches Bulletin Nr. 30/31, 23. Juli 2020; 22-25.


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