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Medizin

26. September 2019 Mesenchymale Stammzellen: Potential bei schlecht heilenden Wunden

Wenn der Knochen nicht heilt oder sich eine Wunde nicht schließt, könnten in Zukunft mesenchymale Stammzellen (MSC) zum Einsatz kommen, die Transfusionsmediziner aus dem Knochenmark oder dem Fettgewebe isolieren. Bei Knochenheilungen wurde der Einsatz in Phase-II-Studien bereits erfolgreich am Menschen erprobt. Auch bei schlecht heilenden Wunden, wie beim diabetischen Fuß, könnten mesenchymale Stammzellen zum Einsatz kommen.
Mesenchymale Stammzellen

Die Anzahl mesenchymaler Stammzellen ist gering. Im Knochenmark, aus dem sie sich am leichtesten isolieren lassen, ist nur eine von 10.000-100.000 Zellen eine mesenchymale Stammzelle. Hat man solche Zellen gefunden, müssen sie deshalb in Kulturen vermehrt werden, damit sie in ausreichender Menge für Behandlungen zur Verfügung stehen. „Die notwendigen Verfahren dafür wurden in den letzten Jahren an transfusionsmedizinischen Einrichtungen entwickelt und verfeinert“, berichtet Prof. Hubert Schrezenmeier, Ärztlicher Direktor des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik in Ulm. Die Stammzellen ließen sich ähnlich wie Blutzellen anhand von Zellmarkern von anderen Zellen unterscheiden. „Die Qualität in der Herstellung ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg jeder Zelltherapie“, so Schrezenmeier. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. „Mesenchymale Stammzellen können die Bildung neuer Zellen stimulieren oder die Neubildung von Blutgefäßen anregen“, erläutert der Experte: „Sie können dadurch Defekte reparieren und die Heilung fördern.“
 
Erfolgreicher Einsatz bei Leukämien

Bei einer Erkrankung kommen mesenchymale Stammzellen bereits zum Einsatz: Bei Kindern und Erwachsenen, die wegen Leukämien und anderen Bluterkrankungen eine Stammzelltransplantation erhalten haben, kann es zu einer „graft versus host“-Erkrankung (GvHD) kommen. Mesenchymale Stammzellen haben sich in klinischen Studien in diesem Zusammenhang als wirksam erwiesen. Ein Präparat mit humanen allogenen mesenchymalen Stammzellen (MSC) wurde kürzlich als Arzneimittel zur Therapie der GvHD zugelassen.

Eine wichtige Voraussetzung dafür war, dass es Transfusionsmedizinern zuvor gelang, Präparate herzustellen, die die mesenchymalen Stammzellen in einer verlässlichen Menge und mit stabilen Eigenschaften enthalten. „Daran zeigt sich, dass sich die Kompetenz der Transfusionsmedizin mittlerweile auch auf Stammzellen aus anderen Geweben erstreckt“, so Schrezenmeier.

Bei der Knochenheilung wurden MSC bereits erfolgreich am Menschen erprobt. „In einer klinischen Phase-II-Studie konnte in 92% der Fälle durch Einsatz von mesenchymalen Stammzellen (MSC) aus dem Knochenmark eine Heilung von zuvor lange bestehenden Knochendefekten erreicht werden“, berichtet Schrezenmeier. Eine abschließende Prüfung in einer Phase-III-Studie werde zurzeit durchgeführt.
 
Wundheilung bei Ulzera

Schlecht heilende Wunden, etwa Ulzera an Füßen und Unterschenkeln von Menschen mit Diabetes, gehören zu den möglichen weiteren Einsatzgebieten. „In allen Phasen der Wundheilung sind Stammzellen aktiv“, sagt Schrezenmeier. „Nach der Verletzung beeinflussen sie Blutstillung und die Bildung von Wundbelägen. Danach fördern sie Entzündungsprozesse, die notwendig sind, um die Zellen für die Reparatur in die Wunde zu ‚locken‘. Später regen sie die Bildung eines neuen Bindegewebes an, das die Wunde verschließen soll, und am Ende fördern sie die Remodellierung in ein normales Gewebe“, erläutert der Experte weiter.

Mögliche Heilung bei Defekten an Gelenkoberflächen

Ein weiteres mögliches Einsatzgebiet sind Arthrosen am Kniegelenk. Derzeit gibt es keine Behandlung, die die Defekte an den Gelenkoberflächen wieder verschließen kann. Mit mesenchymalen Stammzellen könnte dies gelingen, ist Schrezenmeier überzeugt. Die ersten Ergebnisse aus klinischen Studien seien nach Ansicht des Experten vielversprechend.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie


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