Sonntag, 5. Juli 2020
Navigation öffnen

Medizin

26. September 2019 Mesenchymale Stammzellen: Potential bei schlecht heilenden Wunden

Wenn der Knochen nicht heilt oder sich eine Wunde nicht schließt, könnten in Zukunft mesenchymale Stammzellen (MSC) zum Einsatz kommen, die Transfusionsmediziner aus dem Knochenmark oder dem Fettgewebe isolieren. Bei Knochenheilungen wurde der Einsatz in Phase-II-Studien bereits erfolgreich am Menschen erprobt. Auch bei schlecht heilenden Wunden, wie beim diabetischen Fuß, könnten mesenchymale Stammzellen zum Einsatz kommen.
Anzeige:
Fachinformation
Mesenchymale Stammzellen

Die Anzahl mesenchymaler Stammzellen ist gering. Im Knochenmark, aus dem sie sich am leichtesten isolieren lassen, ist nur eine von 10.000-100.000 Zellen eine mesenchymale Stammzelle. Hat man solche Zellen gefunden, müssen sie deshalb in Kulturen vermehrt werden, damit sie in ausreichender Menge für Behandlungen zur Verfügung stehen. „Die notwendigen Verfahren dafür wurden in den letzten Jahren an transfusionsmedizinischen Einrichtungen entwickelt und verfeinert“, berichtet Prof. Hubert Schrezenmeier, Ärztlicher Direktor des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik in Ulm. Die Stammzellen ließen sich ähnlich wie Blutzellen anhand von Zellmarkern von anderen Zellen unterscheiden. „Die Qualität in der Herstellung ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg jeder Zelltherapie“, so Schrezenmeier. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. „Mesenchymale Stammzellen können die Bildung neuer Zellen stimulieren oder die Neubildung von Blutgefäßen anregen“, erläutert der Experte: „Sie können dadurch Defekte reparieren und die Heilung fördern.“
 
Erfolgreicher Einsatz bei Leukämien

Bei einer Erkrankung kommen mesenchymale Stammzellen bereits zum Einsatz: Bei Kindern und Erwachsenen, die wegen Leukämien und anderen Bluterkrankungen eine Stammzelltransplantation erhalten haben, kann es zu einer „graft versus host“-Erkrankung (GvHD) kommen. Mesenchymale Stammzellen haben sich in klinischen Studien in diesem Zusammenhang als wirksam erwiesen. Ein Präparat mit humanen allogenen mesenchymalen Stammzellen (MSC) wurde kürzlich als Arzneimittel zur Therapie der GvHD zugelassen.

Eine wichtige Voraussetzung dafür war, dass es Transfusionsmedizinern zuvor gelang, Präparate herzustellen, die die mesenchymalen Stammzellen in einer verlässlichen Menge und mit stabilen Eigenschaften enthalten. „Daran zeigt sich, dass sich die Kompetenz der Transfusionsmedizin mittlerweile auch auf Stammzellen aus anderen Geweben erstreckt“, so Schrezenmeier.

Bei der Knochenheilung wurden MSC bereits erfolgreich am Menschen erprobt. „In einer klinischen Phase-II-Studie konnte in 92% der Fälle durch Einsatz von mesenchymalen Stammzellen (MSC) aus dem Knochenmark eine Heilung von zuvor lange bestehenden Knochendefekten erreicht werden“, berichtet Schrezenmeier. Eine abschließende Prüfung in einer Phase-III-Studie werde zurzeit durchgeführt.
 
Wundheilung bei Ulzera

Schlecht heilende Wunden, etwa Ulzera an Füßen und Unterschenkeln von Menschen mit Diabetes, gehören zu den möglichen weiteren Einsatzgebieten. „In allen Phasen der Wundheilung sind Stammzellen aktiv“, sagt Schrezenmeier. „Nach der Verletzung beeinflussen sie Blutstillung und die Bildung von Wundbelägen. Danach fördern sie Entzündungsprozesse, die notwendig sind, um die Zellen für die Reparatur in die Wunde zu ‚locken‘. Später regen sie die Bildung eines neuen Bindegewebes an, das die Wunde verschließen soll, und am Ende fördern sie die Remodellierung in ein normales Gewebe“, erläutert der Experte weiter.

Mögliche Heilung bei Defekten an Gelenkoberflächen

Ein weiteres mögliches Einsatzgebiet sind Arthrosen am Kniegelenk. Derzeit gibt es keine Behandlung, die die Defekte an den Gelenkoberflächen wieder verschließen kann. Mit mesenchymalen Stammzellen könnte dies gelingen, ist Schrezenmeier überzeugt. Die ersten Ergebnisse aus klinischen Studien seien nach Ansicht des Experten vielversprechend.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie


Anzeige:

Das könnte Sie auch interessieren

Migräne: Wenn extreme Hitze zu Kopfschmerzen führt

Migräne: Wenn extreme Hitze zu Kopfschmerzen führt
© kuznetsov_konsta / Fotolia.com

Das Wetter in Deutschland wird immer wärmer und für viele erfüllt sich der langersehnte Traum vom „richtigen Sommer“. Heiße Tage und laue Nächte erfreuen aber nicht alle. Während die einen glücklich im Café sitzen und die Sonnenstrahlen in sich aufsaugen, ist bei Migräne-Betroffenen die Freude oft gedämpft. Ein starker Temperaturwechsel kann bedeuten, dass sich innerhalb kürzester Zeit ein Pochen und Ziehen in der Schläfengegend meldet und die nächste Migräneattacke ankündigt. Gutes Trigger-Management...

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2
© Robert Kneschke / Fotolia.com

Aktuell sind in Deutschland rund 17 Millionen Menschen älter als 65 Jahre. Die Zahl wird aufgrund der sich verändernden Altersstruktur auf voraussichtlich 22 Millionen im Jahr 2030 anwachsen. Die Anzahl der Hochbetagten (80 Jahre und älter) wird von derzeit vier Millionen auf sechs Millionen im Jahr 2030 ansteigen. Gleichzeitig erkranken immer mehr Menschen an Diabetes Typ 2, so dass Diabetologinnen und Diabetologen sowie Pflegende künftig viele geriatrische Patienten mit Diabetes versorgen werden: Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland derzeit rund vier Millionen...

Umgang mit Alzheimer-Patienten: Feste Abläufe helfen Patienten und Angehörigen

Umgang mit Alzheimer-Patienten: Feste Abläufe helfen Patienten und Angehörigen
© Nottebrock / Alzheimer Forschung Initiative e.V.

Bei der Alzheimer-Krankheit ist bereits in einem frühen Stadium das Kurzzeitgedächtnis betroffen. Deshalb hilft den Patienten das Festhalten an bekannten Handlungsroutinen und Abläufen. Das empfiehlt die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) in ihrem kostenlosen Ratgeber „Leben mit der Diagnose Alzheimer“, der unter der Telefonnummer 0211 - 86 20 66 0 oder www.alzheimer-forschung.de/diagnose-alzheimer bestellt werden kann.

Neu aus dem ÄZQ: Patientenleitlinie "Kreuzschmerz"

Neu aus dem ÄZQ: Patientenleitlinie "Kreuzschmerz"
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Bettruhe, Bewegung oder Medikamente – welche Behandlung ist bei Beschwerden im Kreuz die richtige? Was Fachleute derzeit empfehlen, lesen Patientinnen und Patienten in der neuen ÄZQ-Patientenleitlinie "Kreuzschmerz". Jeder kennt Kreuzschmerzen. Oft sind sie harmlos und gehen von alleine weg. Die Schmerzen können aber auch länger andauern oder wiederkehren. Das kann belasten und im Alltag einschränken. Gegen die Schmerzen werden viele Behandlungen angeboten: einige helfen, andere nicht.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Mesenchymale Stammzellen: Potential bei schlecht heilenden Wunden "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Bayern beschließt Corona-Tests für jedermann – Hierfür sollen die Kapazitäten von 20.000 auf 30.000 Tests pro Tag erhöht werden (dpa, 30.06.2020).
  • Bayern beschließt Corona-Tests für jedermann – Hierfür sollen die Kapazitäten von 20.000 auf 30.000 Tests pro Tag erhöht werden (dpa, 30.06.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden