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Medizin

06. Juni 2019 Abgrenzung der eosinophilen Ösophagitis von GERD

Klagt ein Patient über retrosternale Schmerzen und Beschwerden beim Schlucken, wird nicht selten vorschnell die Diagnose einer gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) gestellt. Speziell Schluckstörungen können jedoch auf eine eosinophile Ösophagitis (EoE) hinweisen, ein Krankheitsbild, das in seiner Bedeutung noch oft unterschätzt wird, hieß es beim „Ösophagus Update“ in Hamburg.
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Erstmals beschrieben wurde die EoE 1989 durch Prof. Stephen Attwood, Durham (GB), der das Krankheitsbild bei der Veranstaltung in Hamburg vorstellte. Leitsymptom ist die Dysphagie, wobei die Patienten vor allem Schwierigkeiten haben, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Häufig werden zudem Schmerzen in der Brust angegeben. Bei Kindern fällt die Erkrankung oft durch Übelkeit und Erbrechen, Regurgitation und Verweigerung der Nahrungsaufnahme auf. Die EoE darf keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden: „Es kann zu gravierenden Komplikationen wie einer Bolusimpaktion kommen“, betonte Attwood.

Sorgfältige Anamnese ist wegweisend

Differentialdiagnostisch sind vor allem die GERD und die EoE voneinander abzugrenzen. Hilfreich sind das Erscheinungsbild des Patienten und die Anamnese. Generell tritt die EoE deutlich häufiger bei Männern als bei Frauen auf. Zu denken ist an das Krankheitsbild insbesondere bei Männern mittleren Alters zwischen 30 und 50 Jahren, die eine Dysphagie angeben und schon längere Zeit Schluckbeschwerden haben, die zugleich eine atopische Erkrankung aufweisen oder in der Kindheit daran gelitten haben, die aber nicht unter Sodbrennen oder anderen Refluxbeschwerden leiden. Bei älteren, oftmals übergewichtigen Männern mit dem Leitsymptom Sodbrennen liegt eher der Verdacht auf eine GERD nahe.
Gesichert werden kann die Diagnose einer EoE durch den histologischen Nachweis einer erhöhten Zahl an Eosinophilen in der Ösophagusschleimhaut. Für die Histologie werden bei der Endoskopie in der Regel 6 Biopsien entnommen. Die Biopsie ist wichtig, da sich bei der EoE ein unauffälliges endoskopisches Bild zeigen kann.

Erhöhtes Risiko für eine Bolusimpaktion und eine Ösophagusperforation

Die frühzeitige Diagnose ist laut Attwood prognostisch bedeutsam, da das Krankheitsbild infolge der anhaltenden Inflammation unbehandelt in aller Regel progredient verläuft: „Es drohen fibrotische Veränderungen und die Ausbildung von Strikturen sowie eine Lumenverengung der Speiseröhre“. Dadurch besteht ein nicht unerhebliches Risiko für eine Bolusimpaktion und auch für eine spontane Ösophagusperforation.
Als Therapieziele bei der EoE nannte Prof. Stephan Miehlke, Hamburg:
 
  • die histologische und klinische Remission,
  • die Normalisierung der zum Teil massiv eingeschränkten Lebensqualität,
  • den langfristigen Remissionserhalt
  • sowie die Verhinderung von Komplikationen wie Bolusimpaktion und irreversibler Organschäden wie Fibrose, Remodelling, Ausbildung von Strikturen und Dilatationen.
Therapeutisch wurde lange Zeit eine Eliminationsdiät propagiert, die jedoch im praktischen Alltag auf lange Sicht oft schwer durchzuhalten ist. Alternativ kann mit Protonenpumpenhemmern (PPI) behandelt werden, jedoch ist die Effektivität limitiert und die PPI sind zudem nicht zur Therapie der EoE zugelassen.

Budesonid-Schmelztablette: Einzige zugelassene Therapieoption der EoE

Effektiver ist die Behandlung mit topisch wirksamen Kortikosteroiden, wobei mit Budesonid in Form einer Schmelztablette mit Brauseeigenschaften (Jorveza®) ein erstes und bislang einziges Präparat zur Akuttherapie der EoE bei Erwachsenen zugelassen ist. Die Schmelztablette löst sich langsam im Mund auf und regt durch ihre Brauseeigenschaften den Speichelfluss an. Das im Speichel gelöste Budesonid wird mit dem Schlucken an die entzündete Schleimhaut im Ösophagus transportiert, benetzt diese gleichmäßig und kann dort lokal wirksam werden. Nachdem in einer ersten Phase-II-Studie eine gute klinische Wirksamkeit gezeigt wurde, folgte laut Miehlke eine Phase-III-Studie bei 88 Patienten mit EoE, die 6 Wochen doppelblind randomisiert mit der Budesonid-Schmelztablette oder Placebo behandelt wurden. Dies führte bei 58% der Patienten, die Budesonid erhielten, gegenüber 0% unter Placebo zumprimären Endpunkt, einer klinischen und histologischen Remission. Der Unterschied war statistisch signifikant (p<0,00001). Es schloss sich eine offene Studienphase für Patienten, die noch keine klinisch-histologische Remission erreicht hatten, über weitere 6 Wochen an. In dieser Zeit stieg die Rate klinisch-histologischer Remissionen auf 85% an.

Behandelt wird in einer Dosierung von 2x1 Schmelztablette pro Tag mit jeweils 1mg Budesonid. Aktuell gibt eine Studie Hinweise darauf, dass Budesonid in Form der Schmelztablette auch Bedeutung bei der Erhaltungstherapie zukommen kann, wobei der Wirkstoff jedoch unter anderem in einer niedrigeren, bislang noch nicht zugelassenen Dosierung eingesetzt wurde. Die Budesonid-Therapie ist allgemein gut verträglich. Die Studiendaten zeigen, so Miehlke abschließend, dass kaum gravierende Nebenwirkungen auftreten, die zum Therapieabbruch führen.

Fazit

Festzuhalten bleibt, dass es sich bei der EoE um ein ernst zu nehmendes Krankheitsbild handelt, für das mit der Budesonid-Schmelztablette mit Brauseeigenschaften eine erste zugelassene Therapieoption verfügbar ist, mit der eine klinische und histologische Remission erreicht werden kann, wodurch es zu einer deutlichen Besserung der Lebensqualität der Patienten kommt.

Quelle: Dr. Falk Pharma


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